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TV-Kritik: "Detour": Mit Anleihen beim Spannungsmeister

Von Eine junge Frau auf der Flucht trifft auf einen seltsamen Außenseiter: Der Krimi aus der Reihe "Stunde des Bösen" variiert einen legendären Hollywood-Thriller.
Alma (Luise Heyer, r.) nimmt Juri (Ilja Bultmann, l.) mit auf ihre Reise. Foto: Tobias von dem Borne Alma (Luise Heyer, r.) nimmt Juri (Ilja Bultmann, l.) mit auf ihre Reise.
Alma (Luise Heyer), eine junge Frau, ist unterwegs nach Berlin. Mit dabei: Juri (Ilia Bultmann), der siebenjährige Sohn ihres Freundes Jan (Alex Brendemühl). Alma hat das Kind entführt und will Jan dazu zwingen, sich endlich zu ihr zu bekennen. Dumm nur, dass sie, um nach Berlin zu kommen, ausgerechnet in das Auto von Bruno (Lars Rudolph) einsteigt. Sie registriert bald, dass sich der etwas ungepflegte Mann für sie interessiert.
 
Die Anleihen an klassischen Thrillern sind nicht zu übersehen: Da ist die Frau, die eine Affäre mit einem verheirateten Mann pflegt und die ganze Heimlichtuerei satt hat – wie Marion Crane in "Psycho". Sowohl Alma als auch Marion Crane wollen ihr Verhältnis endlich offenlegen, überschreite dabei aber massiv Grenzen: Marion Crane, indem sie Geld unterschlägt,  mit einer Unterschlagung von Geld, Alma mit einer Kindesentführung.

Auf der Suche nach Sohn und Freundin

Dazu kommt dann noch der etwas schräge Außenseiter, der mehr als nur flüchtiges Interesse an ihr zeigt. Ein schüchterner, unbeholfener Mann, der sich nach Gesellschaft und mehr sehnt. Und zugleich einen unheimlichen Eindruck hinterlässt – genau wie Norman Bates aus dem gleichen Film. Nina Vukovic variiert in ihrem Abschlussfilm für die DFFB (Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin) das klassische Erzählmuster des Hitchcock-Films ziemlich clever.
 
Wobei die Parallelen weiterlaufen: Marion Crane erreicht Bates Motel im strömenden Regen, so wie Alma hier die Autobahnraststätte. Auch die Einladung zum Essen gibt es im Hitchcock-Film. Die Anleihen sind durchaus gelungen, und Vukovic verlagert die Spannung gekonnt in die zweite Hälfte des Films, sobald Jan sich auf die Suche nach Alma und seinem Sohn begibt und ebenfalls an der Raststätte ankommt.

Das Ende befriedigt nicht

Allerdings wirkt das dann Gebotene eher konzeptlos. Das Portrait eines mörderischen und gleichzeitig verletzlichen Außenseiters hätte man sich deutlich schlüssiger gewünscht. Bruno agiert jedoch plötzlich bisweilen in einer Weise, die nicht zu seinem vorherigen Verhalten passt. Erschien er während der Fahrt mit Alma und Juri  wie jemand, der um etwas Zuneigung bettelt, tritt er nun gegenüber Jan mit einem Mal höchst provokativ und unverschämt auf.
 
Dazu kommt das ziemlich zerfaserte Ende, das eher wirkt, als wäre Nina Vukovic nichts Besseres eingefallen. Nur in der letzten Szene an Brunos Van gibt es noch einen gekonnten Spannungseffekt. Insgesamt zeigt "Detour" zwar eine gute Grundidee, aber noch ungenutzte Entwicklungsmöglichkeiten. Mit Lars Rudolph in der Rolle des Bruno hat Nina Vukovic aber einen hervorragenden Griff getan.

Den Film in der ZDF-Mediathek anschauen.

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