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TV-Kritik: "Die Konfirmation": Lässig und dennoch präzise

Von Ben, ein Teenager, lässt sich taufen und löst damit daheim kräftigen Wirbel aus. Warum die Komödie besonders gut zur ARD-Themenwoche um den Glauben passt.
Ein ungewöhnlicher Alleingang: Ben (Tim Litwinschuh) lässt sich ohne das Wissen seiner Mutter von Pfarrerin Tabea (Christina Große) taufen. Foto: ARD Degeto/Reiner Bajo Ein ungewöhnlicher Alleingang: Ben (Tim Litwinschuh) lässt sich ohne das Wissen seiner Mutter von Pfarrerin Tabea (Christina Große) taufen.
"Ben, ich taufe dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes". Die Worte fallen in der Kirche, während der mitreißenden Einlagen einer Gospelgruppe. An einem Sonntagmorgen, wie sich kurz darauf herausstellt, als Bens Mutter Johanna Winkler (Ulrike C. Tscharre) und sein Stiefvater Felix (Ben Braun) aus allen Wolken fallen. Wurde Ben doch bisher durch sein Elternhaus eher atheistisch geprägt.
 
Mit den Themen Auferstehung, Glauben, Religiosität und Tod beschäftigt sich die ARD während ihrer Themenwoche "Woran glaubst Du?" auf verschiedenste Arten. Dokumentationen, Diskussionen, ein berührendes Drama wie „Atempause“ – da darf natürlich auch die Komödie nicht fehlen. Komödiantische Aspekte entstehen hier vor allem durch die Konfrontation eines jungen Mannes, der sich für das Christsein entschieden hat, mit seiner in dieser Beziehung höchst laxen Patchwork-Familie.

Nicht rabiat atheistisch

Und das funktioniert auch nicht schlecht, einerseits durch ausgeprägten Dialogwitz, aber auch gerade weil das Drehbuch die Parteien hier nicht krampfhaft auf Gegensätzlichkeit gebürstet hat. Denn Bens Familie scheint eher an religiösen Belangen desinteressiert als konsequent atheistisch. Weswegen auch die Entwicklung der verschiedenen Handlungsfäden durchaus glaubwürdig erscheint. So nimmt Johanna die Taufe ihres Sohnes zuerst mit einigem Befremden zur Kenntnis.
 
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Sie legt sich sogar ein wenig mit Pfarrerin Tabea (Christina Große) an, fällt dann aber bald ins andere Extrem und möchte ihrem Sohn eine besonders rauschende Feier ausrichten. Das könnte unglaubwürdig erscheinen, aber Drehbuchautorin Beate Langmaak hat sich eine nachvollziehbare Begründung für diesen Wandel einfallen lassen: Die Feier soll auch für sie selbst etwas ersetzen, was sie nie hatte.

Gut ausgedachter Hintergrund

Überhaupt lässt sich der Film ausführlich auf Bens Familie ein, wobei ihm trotz des lässigen Erzähltons – der sich mit der ebenfalls beiläufig erscheinenden Regie von Stefan Krohmer  erstaunlich gut ergänzt – sehr präzise Charakterportraits gelingen. Da ist Bens Stiefvater Felix, der sich für Pfarrerin Tabea interessiert und Ben gegenüber eher als Kumpel denn als Erzieher sieht: eine Haltung, die sich auch an seiner betont jugendlichen Sprache ablesen lässt.
 
Oder Bens Großvater Axel (Reiner Schöne), der Johanna mit einem berührenden Händedruck klar macht, was es bedeutet, ein Kind zu haben und sich um dieses Kind zu sorgen. Etwas, was zeitlebens nicht vergeht. Und da ist natürlich auch Bens Mutter Johanna, die einen enormen Ehrgeiz entwickelt, nicht nur Ben, sondern auch ihre sämtlichen Freunde mit einer glanzvollen Feier zu beeindrucken. Und dafür wieder mit ihrer Spielsucht zu kämpfen hat.

Nicht in allen Details glaubwürdig

Ulrike C. Tscharre ist mit ihrer einprägsamen, aber immer etwas abgründigen Attraktivität für Frauen mit einem Doppelleben, etwa einer Affäre wie im ersten Nürnberger "Tatort"-Krimi "Der Himmel ist ein Platz auf Erden", ohnehin immer eine sichere Bank. Im Vergleich dazu kommt ausgerechnet Ben zunächst vergleichsweise blass daher. Und manche Details wirken nicht gerade glaubwürdig: Ein Jugendlicher, der Pornos auf dem Computer hat, nur um seine Mutter zu schockieren?

Allerdings zeigt auch Bens Verhalten im Handlungsverlauf immer mehr Schlüssigkeit. Gerade dass er sich meist zurückhält, mit seinem Großvater mehr bespricht als mit seiner Mutter und mitunter auch in Bezug auf seine sexuelle Orientierung  eine leichte Unsicherheit erkennen lässt, zeigt, dass die Macher des Films ihn als Person durchaus ernst genommen haben. Hier wird kein fertiger Typ präsentiert, sondern jemand, der mit sich selbst ringt. Was sich im Zusammenhang mit Glaubensfragen besonders gut macht.
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