Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Titelbild Mainova Marathon Laufsport - alles rund um den Mainova IRONMAN Frankfurt 2017 Hofheim am Taunus 26°C

TV-Kritik: "Ein Dorf rockt ab": Eher Ballermann als Wacken

Von Es hätte eine wirklich lustige Komödie um die Metal-Musik werden können. Nur leider haben sich die Macher ausgerechnet an den ödesten Klischees festgebissen.
Der befreiende Anruf kommt: das Konzert findet statt, verkündet Mike (Hannes Jaenicke, l.), Pulle (Daniel Zillmann, M.) und den anderen. Foto: Conny Klein Der befreiende Anruf kommt: das Konzert findet statt, verkündet Mike (Hannes Jaenicke, l.), Pulle (Daniel Zillmann, M.) und den anderen.
Kein Wunder, dass Metal in so einem schlechtem Ruf steht: Die Anhänger dieser Musikrichtung saufen wie die Löcher, schmeißen überall ihre Kippen hin, strullen ungeniert in der Öffentlichkeit, fahren rücksichtslos Gartenzwerge in den Vorgärten anderer Leute über den Haufen und prellen die Zeche. Wer ein entsprechendes Konzert oder gar Festival organisieren will, den erwarten deswegen jede Menge Probleme.
 
So wie auch Caro (Christina Große), die ihren Grund und Boden dem Musikmanager Mike Berger (Hannes Jaenicke) gegen Bares zur Verfügung stellen will. Was der überschuldete Betrieb dringend nötig hat. Ehemann Paul (Roman Knižka), der sich bislang mit seinen Plänen für eine Erlebnisfarm noch nicht durchsetzen konnte, zeigt sich wenig begeistert. Allerdings hat die Familie Leonard noch andere Probleme.

Zumindest gut besetzt

Tochter Antonia (Amelie Herres) leidet unter Schulproblemen und Liebeskummer, der Sohn (Roman Knižkas Sohn Leo) spricht mit einem erfundenen Spielkameraden. Und im Dorf bildet sich eine Front gegen das geplante Festival, wobei sich besonders der Bürgermeister (Johannes Zirner) hervortut. Schade nur, dass sie nicht gegen die geballte Ansammlung von Klischees in diesem Film auf die Straße gegangen sind.
 
Dabei macht "Ein Dorf rockt ab" durchaus viel richtig. Die Idee, das Thema Metal mit den Vorbereitungen zu einem Konzert in einer Komödie zu verarbeiten, klingt schon mal nach einem vielversprechenden Ansatz. Die Besetzung des Ehepaars mit Christina Große und Roman Knižka funktioniert sehr schön, zumal sich auch Amelie Herres und Leo Knižka in Spiellaune zeigen.

Karikaturen statt Charaktere

 Auch versucht der Film auf humorvolle Weise, Verständnis für Randgruppen – hier vertreten durch die Metal-Fans  - zu wecken. Aber leider ersäuft er diesen Ansatz zugleich in den dümmsten und eingangs geschilderten Klischees. Das Witzpotential, das aus der Konfrontation zwischen einer eher biederen Dorfgemeinschaft und ausgeflippten Fans einer oft als aggressiv empfunden Musikrichtung entstehen könnte, kommt so nicht zum Tragen – im Gegenteil.
 
Die abgedroschenen Dialoge unter den Metallern fallen sofort negativ auf. Ein passender Ort für ein Festival ist natürlich eine "geile Location", sie wollen "die Sau rauslassen" und wer ihre Vorlieben nicht teilt, ist Spießer. Einige Szenen lassen an Ballermann-Besäufnisse denken. Ähnlich überzeichnet erscheinen aber auch die Dorfbewohner, die offenbar ausnahmslos noch nie etwas von Rockmusik gehört haben, sondern stattdessen im Kirchenchor singen und Metal für Teufelszeug halten.

Musikauswahl eher zufällig

 So entstehen keine Charaktere, sondern nur Karikaturen. Die sind mitunter zwar tatsächlich witzig, bleiben aber weit unter ihren Möglichkeiten. Den leichten, spielerischen Umgang mit den Klischees, wie ihn der Zeichner Ralf König in seinen Comics in Bezug auf die Schwulenszene so elegant beherrscht, dürfte der Zuschauer hier schmerzlich vermissen. 

Auch sonst wirkt die Komödie nicht eben, als hätten ihre Macher die Metal-Szene als besonders inspirierend empfunden. Immerhin ist ein gewisses Bemühen erkennbar. So gibt es zwar einige Musiktitel von AC/DC, Black Sabbath, Alice Cooper oder Metallica zu hören, aber ohne sonderlichen Bezug zur Handlung. Einmal versucht der Dialog sogar, Bezüge zwischen Metal und klassischer Musik - der musikwissenschaftlich erwiesen ist - herzustellen.

Metal ist mehr als "Sau rauslassen"

Es tauchen in einzelnen Szenen auch Ansätze dazu auf, die Faszination dieser Musikrichtung zu analysieren. Allerdings bleiben die an der Oberfläche hängen und münden im Wesentlichen in das mehrfach ausgesprochene "Sau rauslassen". Tieferschürfendes, etwa Anspielungen an die intensive Beziehung zwischen Metal und Schwarzer Romantik, bleiben völlig außen vor.

Diese Oberflächlichkeit in dem Film erstreckt sich auch auf andere Bereiche. Die Eheprobleme zwischen Caro und Paul lösen sich ebenso schnell und problemlos auf wie die Unstimmigkeiten zwischen ihr und den übrigen Dorfbewohnern. Fazit: Schade um die feine Idee, aber eine richtig gute Komödie um das Thema sieht anders aus. .

Den Film in der Mediathek anschauen.

Zur Startseite Mehr aus TV-Kritik

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse