Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Titelbild Mainova Marathon Laufsport - alles rund um den Mainova IRONMAN Frankfurt 2017 Hofheim am Taunus 23°C

TV-Kritik: "The Life and Death of Peter Sellers": Das Meisterstück

Von Diesen Film sollten Sie nicht verpassen: Wie Stephen Hopkins das Leben des Ausnahme-Komikers zu einem ebenso fesselnden wie ironischen Portrait verdichtet hat.
Peter Sellers (Geoffrey Rush, re.) stand unter dem Einfluss seiner Mutter Peg (Miriam Margolyes, li.). Vater Bill (Peter Vaughan, Mi.) hatte wenig zu sagen. Foto: 2004 HBO/All rights reserved Peter Sellers (Geoffrey Rush, re.) stand unter dem Einfluss seiner Mutter Peg (Miriam Margolyes, li.). Vater Bill (Peter Vaughan, Mi.) hatte wenig zu sagen.
Filmbiographien gehören zu den schwierigsten Genres überhaupt und bringen nur selten echte Glanzlichter hervor. Meist arbeiten sie sich wenig überzeugend und ohne Zusammenhänge an biographischen Daten ab und enden als filmische Schlaftabletten. Streifen wie "Wyatt Earp" von Lawrence Kasdan oder "Chaplin" von Richard Attenborough im deutschen TV die Bernhard Grzimek-Biographie von Roland Suso Richter zeigen dieses Dilemma sehr anschaulich.
 
Dass es auch ganz anders gehen kann, beweist dieser Film von Stephen Hopkins. Die Gründe dafür sind vielfältig: So konzentriert sich das Drehbuch, das auf dem gleichnamigen Buch des Autors Roger Lewis über Sellers basiert, von Anfang an darauf, der Geschichte durch die charakterliche Entwicklung der von Geoffrey Rush verkörperten Hauptfigur eine dichte psychologische Basis zu verliehen. Sie beginnt deswegen mit dem Leben des Schauspielers zu Beginn seiner Karriere als Radio-Komiker.

Die Rolle der Mutter

Eine Rolle, mit der Sellers sich nicht zufrieden geben konnte und seine Mutter noch viel weniger. Peg Sellers (Miriam Margolyes) hatte sich für ihren Sohn ein anderes Leben gewünscht, als in der Enge und Beschränktheit seiner Wohnung seinen Kindern die Windeln zu wechseln. Es war auch ihr Ehrgeiz, der Sellers immer weiter vorwärts trieb. Bis er sogar seine sterbende Mutter nicht besuchte, um nicht die Dreharbeiten zu seinem Film „Bobo ist der Größte“ zu verlassen.
 
Ansonsten konzentriert sich der Film auf das Spannendste in Sellers Leben, seine Unsicherheiten und seine schwierigen Seiten. Allzu lange muss man danach in Sellers Leben nicht suchen: Wie extrem launenhaft Sellers sich verhielt, zeigt schon sein ausgeprägter Autowahn. Sellers hohe Gagen erlaubten ihm, sich jeden erhältlichen Luxuswagen zuzulegen. So besaß er im Lauf der Jahre über 80 Autos, darunter US-Wagen, Mercedes, Porsche, Maserati, Rolls Royce und Ferrari.

Eine kontroverse Figur

Aber die meisten seiner Autos behielt er nur für wenige Wochen oder gar Tage. Ähnlich verhielt er sich bei Häusern, Freundinnen oder Ehefrauen. Er entwickelte eine ausgeprägte Neigung zur Selbstzerstörung: Trotz mehrerer Herzinfarkte rauchte und trank er stark und konsumierte harte Drogen wie Kokain. Sein oft kindisches Benehmen an Filmsets brachte in seinen letzten Lebensjahren sogar seinen Status als Kinostar ins Wanken: Immer weniger Regisseure wollten mit ihm zusammenarbeiten.
 
Hopkins zeigt diese Charakterzüge in spannender Intensität, wenn etwa ein verzweifelter Regisseur Sellers im Auto hinterherrast, nachdem dieser vorzeitig die Dreharbeiten zu "Casino Royale" verlassen hat. Oder allen Mitarbeitern das Blut gefriert, wenn sich Sellers bei einer "Pink Panther"-Premiere spöttisch über Regisseur Blake Edwards (John Lithgow) auslässt. Wobei die Hassliebe zwischen Edwards und Sellers wohl schon alleine genug Material für einen Spielfilm ergeben hätte.

Viele surreale Momente

Dabei portraitiert Hopkins den Komiker aber nicht als Monster, wie ihn etwa seine Ex-Frau Britt Ekland charakterisiert. Dadurch, dass er Figuren aus Sellers Leben direkt zum Zuschauer sprechen lässt und Sellers sogar in die Rollen seiner Frau Anne (Emily Watson) und seiner Mutter schlüpfen lässt, verleiht er seiner Hauptfigur trotz allem eine gewisse tragisch-komische Dimension. Diesen Effekt verstärkt er noch durch einige surreale Szenen, die dem Film zudem intensives Zeitkolorit verleihen.
 
Geoffrey Rush zeigt die Facetten des Schauspielers zwischen Jetset-Lebensstil und depressiven Abgründen in schillernder Ausdrucksvielfalt. Unter den Nebendarstellern ragen besonders Miriam Margolyes als Sellers Mutter Meg, Emily Watson als Sellers erste Ehefrau Anne heraus. Aus John Lithgow als Blake Edwards wäre wohl mehr herauszuholen gewesen. Dennoch gelang Stephen Hopkins hier ein ungemein intensives Portrait des Schauspielers, dass viele Filmbiographien zu langweiliger Dutzendware degradiert.
Zur Startseite Mehr aus TV-Kritik

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse