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TV-Kritik: "Unter Verdacht - Verlorene Sicherheit": Das dümmste Klischee

Eine unglaubwürdige und ärgerliche Szene mindert die Qualität dieses Krimis erheblich. Fällt da Drehbuch und Regie wirklich nichts Besseres ein?
Dr. Eva Maria Prohacek (Senta Berger) und André Langner (Rudolf Krause) observieren die Moschee. Foto: ZDF und Barbara Bauriedl Dr. Eva Maria Prohacek (Senta Berger) und André Langner (Rudolf Krause) observieren die Moschee.
Am Anfang explodiert in diesem Krimi eine Bombe. Sie wird von einem islamistischen Selbstmordattentäter auf einem Festzug zum Münchner Oktoberfest gezündet und reißt Dutzende von Menschen in den Tod. „Verlorene Sicherheit“ heißt der Zweiteiler in der ZDF-Krimireihe "Unter Verdacht". Und die Macher haben sich große Mühe gegeben, diesem Titel in allen Aspekten gerecht zu werden. Grund zum Zweifeln gibt es hier nämlich an allen Fronten.

Da ist Cem Oktay (Sohel Altan Gol), einst das Mündel von Eva Maria Prohacek (Senta Berger). Cem hat, wie Video-Aufnahmen belegen, das Auto passieren lassen, in dem die Bombe versteckt war, und hatte kurz vor der Explosion seinen Posten verlassen. Er sagt, wegen Übelkeit, aber stimmt das auch? Kurz vor einer Wahl sind die Nerven in den höheren Dienstetagen zum Zerreißen gespannt und gegen Cem beginnt ein regelrechtes Kesseltreiben.

Das Versagen der Behörden

Und jeder kocht hier sein eigenes Süppchen. Auch Dr. Klaus Reiter (Gerd Anthoff), Prohaceks Vorgesetzter, der wegen einer Scheidung unter Druck steht: Er hat Geld am Fiskus vorbei auf ein Geheimkonto geschafft, was ihm Job, Ansehen und Pension kosten könnte. Die Behörden, die ein Netz an V-Leuten in der islamistischen Szene aufgebaut haben, wollen verschleiern, dass sie versagt haben. Und Prohacek hat zusätzlich mit ihrer Gesundheit zu kämpfen.

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Eine Menge Stoff also, selbst für einen Zweiteiler. Und schon im ersten Teil zeigt der Film Probleme, diese Fülle zufriedenstellend zu verarbeiten. Zu den ärgerlichsten und dümmsten, weil besonders unglaubwürdigen Klischee-Szenen mancher Kriminalfilme gehört es besonders, wenn ein Ermittler, der im Krankenhaus landet, sich selbst entlässt, um trotz seines Zustands weiter auf Verbrecherjagd zu gehen. Leider muss Prohacek genau das hier ebenfalls durchziehen, und das nach einem stummen Schlaganfall!

Schlaganfall ohne Folgen

Am Ende des ersten Teils erleidet sie einen weiteren Schlaganfall, der immerhin für einen passablen Cliffhanger sorgt, wenn ihr Chef sie entdeckt und erstmal leise die Tür wieder schließt. Im zweiten Teil zeigt sich die Kriminalrätin trotz ihrer Bewusstlosigkeit aber nach einem Aufenthalt im Krankenhaus wieder bemerkenswert frisch und erholt: kein verzogenes Gesicht, keine Probleme, sich zu bewegen, keine Sprachschwierigkeiten. Ein im Grunde überflüssiges Handlungselement also.

Schon besser funktioniert der Terror-Geheimdienst-Plot an sich. Es sind hier aber weniger die verwickelten Geheimdienste, die hier für Spannung sorgen. Dieser Teil hinterlässt eher Verwirrung, zumal ihre Protagonisten kaum eine nachvollziehbare Identität entwickeln und durchgehend funktional bleiben. Es verläuft auch eher zäh: Nur das Kopieren und gleichzeitige Löschen einer Datei im ersten Teil gibt dem Ganzen einen Schuss Dramatik.

Das radikalisierte Mädchen

Es ist vor allem das Schicksal einer radikalisierten jungen Frau, das hier für Spannung sorgt. Ein kurzer Dialog zwischen ihr und Prohacek lässt den Zuschauer sogar nachvollziehbar an ihrer Gedankenwelt teilhaben. Dennoch, insgesamt hätte man sich von der Thematik doch wesentlich mehr erhofft. Immerhin lautet das Urteil aber, dass sich "Verlorene Sicherheit" besser gelungen zeigt als der Dortmunder "Tatort"-Krimi "Sturm" zum gleichen Thema.
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