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Gestern Lehrling, heute Chef: Alnatura in Sachsenhausen: Hier schwingt der Nachwuchs das Zepter

Von Zwei Wochen lang, in zwei Schichten täglich haben in dem Alnatura Bio-Supermarkt in der Hedderichstraße die Lehrlinge das Sagen. Das gehört hier zur Ausbildung dazu.
Haben alles im Griff: Celestino Hanss, Benjamin Pfuhz, Christine Winkler und Tizian Roth. Bilder > Foto: Leonhard Hamerski Haben alles im Griff: Celestino Hanss, Benjamin Pfuhz, Christine Winkler und Tizian Roth.
Frankfurt. 

Es ist Mittwochmorgen, zehn Uhr. Seit vier Stunden wirbelt Celestino Hanss durch den Alnatura-Supermarkt in der Hedderichstraße, den er mit weiteren 24 Lehrlingskollegen führt. Zwei Wochen lang, in zwei Schichten täglich. Das gehört für die bundesweit 190 Alnatura-Lehrlinge zur Ausbildung dazu.

„Wir machen in dieser Zeit zu 100 Prozent das, was ein Filialleiter auch erledigen muss“, sagt Hanss, der zum fünfköpfigen Führungsteam gehört und dafür sorgt, dass im Laden alles rund läuft. „Wir machen die Kassenabrechnungen, übernehmen die Schichtplanung und verteilen Aufgaben“, zählt er auf. Außerdem muss er den Überblick über die mehr als 6000 Artikel – von Drogerieartikeln sowie Obst und Gemüse über Molkereiprodukte bis hin zu Backwaren – behalten,

Und nicht nur das: Der 31-Jährige muss auch dann ran, wenn es Beschwerden von Kunden gibt, wenn Konflikte und Probleme gelöst oder Reklamationen bearbeitet werden müssen. „Und natürlich sind wir jederzeit für unsere Mitarbeiter da, wenn sie Fragen haben“, sagt der angehende Einzelhandelskaufmann, der sich in seiner Rolle als Chef ziemlich wohl fühlt.

Als Team zusammenfinden

Ob die Zusammenarbeit mit den anderen Lehrlingen immer reibungslos funktioniert? „Wir mussten uns als Team erst finden“, gibt der Krifteler zu, „in dieser zweiten Woche klappt die Zusammenarbeit schon deutlich besser .“

Pascal Hissler
„Unsere Lehrlinge sind keine Azubis“

Ein Mal im Jahr übernehmen Lehrlinge die Regie im Alnatura-Supermarkt in Sachsenhausen. Der Ausbildungsbeauftragte Pascal Hissler erklärt, warum dieses Modell so erfolgreich ist und weshalb die Nachwuchsverkäufer und -einzelhändler keine Azubis sind.

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Anfangs seien hin und wieder Aufgaben liegen geblieben, weil die Lehrlinge unterschiedliche Abläufe aus ihren Stammfilialen gewohnt gewesen seien. „Das war stressig, aber nicht kritisch. Jetzt wissen wir, wie die Abläufe koordiniert werden müssen“, betont Christine Winkler, während sie pralle Mangos Seite an Seite mit ansehnlichen Avocados und orangefarbenen Hokkaidos drapiert.

Zusammen mit einem weiteren Kollegen ist die 51-Jährige für die Obst- und Gemüseabteilung zuständig, muss unter anderem die Auslagen mit frischen Waren befüllen, das Obst und Gemüse kontrollieren und nachbestellen. Letzteres machen die beiden immer morgens. Orientiert wird sich an den Mengen, die im internen Wirtschaftssystem stehen. „Beachten müssen wir allerdings, dass uns regionale Anbieter nur alle zwei Tage beliefern“, berichtet die vierfache Mutter, die im Sommer ihre Ausbildung als Einzelhandelskauffrau beenden wird.

Exotische Früchte

Dass der Alnatura-Supermarkt in diesen Tagen von Lehrlingen geführt wird, dürften übrigens auch die Kunden bemerkt haben. Plötzlich finden sich in den Auslagen nämlich auch exotische Früchte – etwa die Grenadilla, eine Passionsfrucht, die im Geschmack Stachelbeeren ähnelt –, und bei den Verköstigungen gehen die Nachwuchskräfte neue Wege. Da gibt es selbst gemachten Gurkensalat, Zitronen-Ingwer-Tee oder im Ofen zubereitete Süßkartoffeln. „Wir dürfen uns ausprobieren, und das kommt bei den Kunden gut an“, hat Winkler beobachtet.

Alnatura expandiert

Die Alnatura Produktions- und Handels GmbH, gegründet 1984, sitzt im südhessischen Bickenbach. Das Bio-Handelsunternehmen vertreibt mehr als 6000 Produkte, darunter 1300 Lebensmittel unter der

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Im Personalraum sitzt Pascal Hissler, Ausbildungsbeauftragter bei Alnatura, und blickt in seinen Computer. Er sei eigentlich gar nicht da, sagt der Referent. Ohnehin sei er für die jungen Kollegen nur Ansprechpartner, wenn es um Organisatorisches, etwa ihre Unterbringung gehe. Mehr sei auch gar nicht nötig, denn „die Nachwuchsverkäufer und -einzelhändler machen das echt gut“, sagt Hissler, „auch die Filialleiterin ist wirklich angetan.“ Das habe sie den Teilnehmern der Lehrlingsfiliale auch in den beiden Feedbackgespräche klar gemacht.

Ob sich die Zeit in die Lehrlingsfiliale gelohnt hat? Winkler nickt bejahend: „Ich bin in der Mengenbestellung sicherer geworden“, sagt sie, „und ich habe nun ein besseres Auge dafür, wie ich Obst- und Gemüse schön aufbaue.“ Auch Celestino Hanss möchte die Erfahrung nicht missen: „Es macht sehr viel Spaß. Und es war lehrreich, sich auf gänzlich andere Arbeitsweise einzustellen.“ Das brauche manchmal Geduld. Das wolle er für sich mitnehmen. Außerdem habe er festgestellt, dass sich die Lehrlinge gegenseitig ausbildeten und gut ergänzten.

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