E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Hofheim am Taunus 15°C

Verkehr: Bahn will Probleme auf ICE-Neubaustrecke schnell lösen

Die Bahn hat eingesehen, dass vieles schiefgelaufen ist zum Fahrplanwechsel. Das neue Sorgenkind, die ICE-Trasse Berlin – München, steht im Blickpunkt. Dort läuft es besser, aber noch nicht perfekt.
Selten pünktlich: ICE auf der Neubaustrecke München – Berlin. Foto: Martin Schutt (dpa-Zentralbild) Selten pünktlich: ICE auf der Neubaustrecke München – Berlin.
Berlin. 

Die Deutsche Bahn will bis zum Ende dieser Woche auf ihrer neuen Paradestrecke Berlin – München wieder halbwegs zuverlässig in die Spur kommen. Bis zum Wochenende werde sich die Situation im Linienverkehr stabilisieren, sagte die Bahn-Fernverkehrschefin Birgit Bohle. Schon am Montag und Dienstag seien nur noch wenige Züge ausgefallen oder umgeleitet worden. Technische Probleme mit dem Zugsicherungssystem ETCS hatten seit Beginn des Regelverkehrs am Sonntag einige ICE-Züge ausgebremst. Die Abkürzung ETCS steht für European Train Control System. Es steuert und sichert Zugfahrten ohne Signale vollautomatisch und soll den grenzüberschreitenden Verkehr einfacher machen.

Mit der Kostenexplosion beim Prestigeprojekt Stuttgart 21 beschäftigte sich der Aufsichtsrat der Bahn. Ein Beschluss zum neuen Zeit- und Kostenplan soll im Januar in einer Sondersitzung gefasst werden. Ende November war bekannt geworden, dass die Kosten für den unterirdischen Durchgangsbahnhof und Anschlussstrecken um eine Milliarde auf 7,6 Milliarden Euro steigen. Die Station soll zudem erst drei Jahre später, im Jahr 2024, in Betrieb gehen.

Missglückter Start

Nicht nur zwischen München und Berlin, auch auf den anderen Strecken will die Bahn „die Reisenden im Weihnachtsverkehr zuverlässig an ihr Ziel bringen“, wie Bohle sagte. Sie sei „zuversichtlich, dass wir das bis dahin weitgehend im Griff haben“. Den Start auf der neuen Strecke nannte Bohle „missglückt“. Sie entschuldigte sich bei den Fahrgästen für Zugausfälle und Verspätungen. Als Kulanzregel legte die Bahn bis Jahresende fest, bei Verspätungen von über einer Stunde auf der Strecke München – Berlin den Kaufpreis komplett zu erstatten. Die Fahrgastrechte sehen sonst 25 Prozent Erstattung vor.

Die große Fahrplanumstellung, bei der ein Drittel aller Verbindungen verändert wurden, sei insgesamt „nicht gut gelaufen“, sagte Bohle. Das habe auch mit dem starken Schneefall an jenem Tag zu tun gehabt. Dadurch gab es Streckensperrungen, etwa von Köln nach Frankfurt, und Weichenstörungen. Am Frankfurter Hauptbahnhof sei die Weichenheizungsanlage komplett ausgefallen. Am Sonntag mussten laut Bohle 16 ICE mit Schäden aus dem Verkehr gezogen werden, in den meisten Fällen lag es an Eis und Schnee, nur in vier Fällen war ETCS die Ursache. Die Bahn bereite sich seit Jahren gut auf die Wintersaison vor. Die vergangenen Tage hätten aber gezeigt, dass es „Verbesserungsbedarf“ gebe.

Einzelne Fehler

Die Probleme mit dem Zugsicherungssystem ETCS auf der Strecke seien „nicht systematischer Natur“. Es gehe um einzelne Fehler, die mit der Wegmessung in den ICE-Zügen zu tun hätten. Die Folge war nach Angaben Bohles jeweils, dass der Zug vom System automatisch gebremst wurde. Am Sonntag seien von 92 Zügen sieben ausgefallen und acht mit ETCS-Problemen auf die alte Strecke umgeleitet worden. Gemeinsam mit den Experten des ETCS-Herstellers Alstom werden die Ursachen gesucht.

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) forderte, die Mehrkosten beim Bahnprojekt Stuttgart 21 dürften nicht zulasten des bundesweiten Schienennetzes gehen. „Der Investitionsbedarf der Schiene war noch nie so groß wie heute. Die wichtigsten Bahnknoten, etwa Köln oder Frankfurt, sind überlastet“, sagte VCD-Bahnexperte Philipp Kosok. Der Grünen-Bahnexperte Matthias Gastel meinte, die Öffentlichkeit dürfe nicht länger scheibchenweise die Wahrheit erfahren: „Wir brauchen ein strenges Kostenmanagement und eine realistische Risikobewertung.“

(dpa)

Zur Startseite Mehr aus Wirtschaft

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen