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Handwerkspräsident kritisiert Diesel-Vorstoß von VW-Chef

Der Ärger über den Volkswagenchef und seine Kehrtwende in Sachen Dieselsubventionen ebbt nicht ab. In Frankreich verlieren Diesel-Autos inzwischen den Spitzenplatz bei Neuzulassungen - auch weil der Staat bisherige Privilegien streicht.
Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbandes Deutsches Handwerk, Mitte Dezember in Berlin. Foto: Sophia Kembowski Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbandes Deutsches Handwerk, Mitte Dezember in Berlin.
Berlin. 

Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer hat Forderungen von VW-Chef Matthias Müller nach Auslaufen der Dieselsubventionen kritisiert.

„Uns wurden diese Fahrzeuge auch mit dem Argument verkauft, dass der Diesel weniger verbraucht und der Kraftstoff günstiger ist. Wenn Hunderttausende daraufhin ein entsprechendes Fahrzeug gekauft haben, und dann der größte Hersteller für die Abschaffung der Dieselsubvention plädiert, dann ist das erstaunlich kundenfeindlich”, sagte Wollseifer dem „Tagesspiegel”.

Um Fahrverbote zu vermeiden, seien Nachrüstungen erforderlich. „Mit Software-Updates ist es nicht getan, wir brauchen entsprechende Katalysatoren und den flächendeckenden Einsatz von Harnstofftechnik.” Dies sei Aufgabe der Hersteller.

Wenn es „ganz dicke kommt”, dürften künftig auch Handwerker bei bestimmten Wetterlagen nicht in bestimmte Städte fahren: „Dann können sie die Städte nicht mehr versorgen.” Im Handwerk stehe man für Fehler und Mängel gerade und bringe das in Ordnung. „Nichts anderes erwarten wir von den Autoherstellern”, sagte Wollseifer.

Müller hatte die Steuervorteile für Dieselsprit in Zweifel gezogen. Seine Kernbotschaft: „Wenn der Umstieg auf umweltschonende E-Autos gelingen soll, kann der Verbrennungsmotor Diesel nicht auf alle Zeiten weiter wie bisher subventioniert werden.”

Konkret schlug Müller eine schrittweise Umschichtung der Steuererleichterungen vor. „Das Geld könnte sinnvoller in die Förderung umweltschonender Antriebstechniken investiert werden. „Abstriche bei den Dieselsubventionen, dafür Anreize für Elektroautos, wären das richtige Signal. Das würden wir aushalten, ohne gleich Existenzängste haben zu müssen.”

In Frankreich verlieren inzwischen Diesel-Autos den Spitzenplatz bei Neuzulassungen - ihr Marktanteil ist erstmals seit dem Jahr 2000 unter 50 Prozent gerutscht. Gut 47 Prozent der im vergangenen Jahr neu zugelassenen Personenwagen haben einen Dieselmotor, wie der französische Autohersteller-Verband CCFA am Montag mitteilte. Der Anteil der Benziner lag knapp über dem der Selbstzünder. 2016 waren noch mehr als 52 Prozent der Neuwagen in Frankreich Diesel-Fahrzeuge, 2012 sogar mehr als 70 Prozent.

Das Land hatte den Diesel über Jahre bei den Steuern bevorzugt. Vor dem Hintergrund des VW-Abgasskandals und der Feinstaub-Debatte hatte die Regierung aber begonnen, diese Vorteile abzubauen. Der französische Automarkt legte im vergangenen Jahr insgesamt um 4,7 Prozent zu, gut 2,1 Millionen Pkw wurden neu zugelassen.

Nach Einschätzung des Experten Ferdinand Dudenhöffer entsteht auf dem deutschen Automarkt eine Blase wegen dauerhaft hoher Preisnachlässe. Vor allem mit ihren Diesel-Eintauschprämien hätten die Hersteller die Rabatte im Jahr 2017 auf bislang nicht gekannte Höhen getrieben, schreibt der Direktor des CAR-Center Automotive Research der Universität Duisburg-Essen in einer aktuellen Rabattstudie.

Nach Abebben der jüngst noch verlängerten Rabattwelle werde es schwer werden, weitere Neuwagen zu verkaufen, warnte Dudenhöffer die Industrie. In einem gesättigten Markt erzeugten hohe Rabatte keine zusätzliche Nachfrage, sondern allein Vorzieheffekte, die man im Laufe des Jahres spüren werde. Nach Marktbeobachtungen des Instituts werden einzelne Modelle wie beispielsweise der Ford Focus mit einem offen beworbenen „Umweltbonus” von mehr als 40 Prozent in den Markt gedrückt, wenn dafür ein älteres Dieselfahrzeug eingetauscht wird.

Der Umwelteffekt durch die aus dem Verkehr gezogenen Alt-Diesel sei nicht geeignet, die befürchteten Fahrverbote in einzelnen Städten zu verhindern, schreibt Dudenhöffer. Sein Institut geht davon aus, dass bis zu 1,15 Millionen Autos eingetauscht und aus dem Verkehr gezogen werden könnten, gut 6 Prozent des Diesel-Bestandes. Ihnen stünden aber schon 1,3 Millionen neu zugelassene Diesel-Fahrzeuge entgegen, die trotz Euro-6-Norm mehrheitlich hohe Mengen Stickoxide ausstießen. Die Diesel-Prämien blieben daher „Verkaufsförderaktionen mit einem wenig messbaren Nebeneffekt”.

(dpa)
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