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Karstadt und Kaufhof bilden mit Fusion neuen Handelsriesen

In den letzten Jahren mussten die Warenhauskonzerne Karstadt und Kaufhof jede Menge Federn lassen, der Wettbewerb mit Onlinehändlern und Shopping-Centern setzte ihnen zu. Wird es durch die Fusion nun besser? Städte und Gewerkschaften treiben noch andere Fragen um.
Die beiden großen deutschen Warenhausketten Karstadt und Kaufhof schließen sich zusammen. Foto: Harald Tittel Die beiden großen deutschen Warenhausketten Karstadt und Kaufhof schließen sich zusammen.
Essen/Köln. 

Alles unter einem Dach: Deutschlands letzte große Warenhauskonzerne Karstadt und Kaufhof wollen sich mit ihrer Fusion im starken Wettbewerb besser behaupten. Der neue Einzelhandels-Riese wird europaweit 243 Standorte haben und rund 32.000 Mitarbeiter beschäftigen.

Das teilten der österreichische Karstadt-Eigentümer Signa und der kanadische Kaufhof-Eigner Hudson's Bay Company (HBC) am Dienstag offiziell mit. Die zuständigen Kartellämter müssen allerdings noch zustimmen - und einige Punkte rund um die Zukunft der Innenstädte und des Personals bleiben offen.

Geleitet werden soll das zusammengeschlossene Unternehmen von Karstadt-Chef Stephan Fanderl. Der Manager betonte, die beiden zuletzt schwächelnden Partner hätten „eine ideale Lösung gefunden, um sich im umkämpften deutschen und europäischen Einzelhandelsmarkt erfolgreich zu positionieren”. Auf das neue Unternehmen warte jetzt eine Phase harter Arbeit und großer Herausforderungen.

Was sich für die Verbraucher und durch die Fusion konkret ändern wird, blieb zunächst unklar. Die Firmen ließen etwa offen, ob im Zuge des Zusammengehens Filialschließungen geplant sind. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur sollen sowohl Karstadt als auch Galeria Kaufhof vorerst als Marken bestehen bleiben.

Auch zu einem möglichen Stellenabbau gab es keine Angaben. Medienberichten zufolge könnten im Zuge der Fusion rund 5000 Jobs wegfallen. Jedoch sind diese Angaben umstritten. Einige Branchenkenner halten sie für deutlich zu hoch gegriffen.

Karstadt-Gesamtbetriebsratschef Jürgen Ettl forderte den Erhalt aller 32.000 Arbeitsplätze und aller Standorte. „Die Fusion darf nicht zulasten der Arbeitnehmer gehen”, verlangte er. Die Gewerkschaft Verdi drängte die Eigentümer, die Arbeitnehmervertreter möglichst schnell in ihre Planungen einzubeziehen.

Offiziell ist von einer „Fusion unter Gleichen” die Rede. Doch wird die Signa-Holding von Karstadt-Eigentümer René Benko die Mehrheit am neuen Unternehmen halten: Signa erhält 50,01 Prozent der Anteile, HBC 49,99 Prozent. An den Kaufhof-Immobilien, die viele Milliarden wert sind, wird Signa künftig mit 50 Prozent beteiligt sein.

Unter dem Dach der neuen Holding werden nicht nur die deutschen Kaufhof- und Karstadt-Filialen vereint, sondern auch die Karstadt-Sporthäuser, die europäischen Filialen der Outlet-Kette Saks Off 5th, die Galeria-Inno-Kaufhäuser in Belgien, die erst kürzlich gegründeten Hudson's-Bay-Warenhäuser in den Niederlanden sowie eine Reihe von Internet-Anbietern.

Kaufhof und Karstadt macht seit Jahren der Siegeszug von Billiganbietern wie Primark und Online-Händlern wie Amazon oder Zalando zu schaffen, aber auch die Konkurrenz der großen Einkaufszentren. Besonders kritisch ist die Situation zurzeit bei Kaufhof. Die Kölner kämpfen seit der Übernahme durch HBC Ende 2015 mit Umsatzrückgängen und roten Zahlen. Karstadt hat nach einer harten Sanierung unter Führung Fanderls gerade erst die Rückkehr in die schwarzen Zahlen geschafft.

Von dem Zusammenschluss erhoffen sich die beiden Ketten eine Verbesserung ihrer Wettbewerbsposition. Die Bündelung von Einkaufsmacht dürfte es Kaufhof und Karstadt ermöglichen, bessere Konditionen von den Lieferanten zu bekommen. Außerdem könnten nach Einschätzung von Branchenkennern in der Verwaltung, Datenverarbeitung und Logistik beträchtliche Summen gespart werden.

Ein Wort mitzureden haben die Wettbewerbshüter. Kartellamtspräsident Andreas Mundt kündigte bereits an, die Fusionspläne auf jeden Fall genau unter die Lupe zu nehmen: „Wir stellen uns auf ein extrem umfangreiches und aufwendiges Verfahren ein.” Es müssten sowohl die Folgen für die Kunden als auch für die Lieferanten geprüft werden.

Der Deutsche Städtetag sieht die Fusion nach den Worten seines Hauptgeschäftsführers Helmut Dedy „nicht ohne Sorge”. Die Warenhäuser seien wichtige Arbeitgeber und Versorgungszentren vor Ort, sie unterstützten durch ihre Anziehungskraft auch den Einzelhandel in ihrem Umfeld. „Deshalb wünschen wir uns, dass nach der Fusion möglichst alle Kaufhaus-Standorte bestehen bleiben”, sagte Dedy.

(Von Erich Reimann, dpa)

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