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Reaktionen auf Übernahmepläne: Opel stehen schwere Zeiten bevor

Die ersten Reaktionen auf die Eilmeldung, dass GM seine deutsche Autotochter Opel an Peugeot verkaufen wolle, zeigen vor allem eines: Keiner hatte damit auch nur im Entferntesten gerechnet. Die Nachricht traf Rüsselsheim und das Rhein-Main-Gebiet wie ein Blitz aus heiterem Himmel.
Opel-Mitarbeiter verschrauben im Stammwerk Rüsselsheim Teile an verschiedenen Fahrzeug-Modellen. Foto: Arne Dedert (dpa) Opel-Mitarbeiter verschrauben im Stammwerk Rüsselsheim Teile an verschiedenen Fahrzeug-Modellen.
Rüsselsheim/Frankfurt. 

Die Opelaner haut seit den turbulenten Monaten in den Jahren 2008 und 2009 und dem leidenschaftlich geführten Kampf gegen die Schließung des Werkes Bochum so leicht nichts mehr um. Opel-Mitarbeiter Ufuk-Michael Peter brachte es gestern Mittag beim Schichtwechsel am Stammwerk Rüsselsheim auf den Punkt: „Ich bin ganz locker. Denn ich glaube an Opel und an uns alle. Deshalb habe ich keine Angst um meinen Arbeitsplatz.“

Das Opel-Logo ist im Kühlergrill eines Fahrzeuges zu sehen. Foto: Frank Rumpenhorst/Archiv
Drohende Opel-Übernahme durch Peugeot Kommentar: Dem Löwen zum Fraß

Täglich kann die Vollzugsmeldung zur Opel-Übernahme kommen. Ein ganz schwaches Bild gibt in dieser für die Mitarbeiter kritischen Phase das Opel-Management ab. Ein Kommentar von Wirtschafts-Ressortchef Michael Balk.

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Opel-Betriebsratsmitglied Horst Schmitt reagierte konsterniert: „Wir sind wie vom Blitz getroffen. Der Betriebsrat wusste im Vorfeld nichts davon. Mein Bauchgefühl sagt mir, dass das nichts Gutes für Opel bedeutet.“

Auto-Analyst Jürgen Pieper Bild-Zoom
Auto-Analyst Jürgen Pieper

Rüsselsheims Oberbürgermeister Patrick Burghard t (CDU) ist besorgt: „Mit großen Fragezeichen beobachten wir die Situation um Opel. Wir haben nur vernommen, was in den Medien veröffentlicht ist. Wir werden die Situation bewerten, wenn wir mehr wissen. Opel ist wichtig für den Standort Rüsselsheim, und wir wünschen uns ein starkes Unternehmen. Ich habe sowohl dem Unternehmen Opel selbst als auch dem Betriebsrat Gespräche angeboten.“

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Umfrage Opel-Verkauf an Peugeot: Das sagen Rüsselsheimer Mitarbeiter

Der französische Autohersteller PSA Peugeot Citroën denkt Medienberichten zufolge darüber nach, den deutschen Autobauer Opel zu kaufen. Bei der Entwicklung von Modellen arbeiten Opel und PSA bereits zusammen. Die ersten Stimmen von Mitarbeitern aus dem Opel-Werk in Rüsselsheim reichen von besorgt bis optimistisch.

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Um die Arbeitsplätze bei Opel bangt die stellvertretende Landesvorsitzende der Christlich Demokratischen Arbeitnehmerschaft Sabine Bächle-Scholz (CDU) : „Die wichtigste Frage ist, ob die Arbeitsplätze bei Opel und den Zuliefern gesichert sind und ob dies dauerhaft gilt“. Entscheidend ist für Bächle-Scholz, wie es für die Arbeitnehmer weiter geht. Ein Vertrag auf dem Rücken der Arbeitnehmer darf es nicht geben.“

Uneins über die Folgen einer deutsch-französischen Allianz zeigten sich die Autoexperten. Während Professor Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen im Gespräch mit dieser Zeitung vor allem auf großer Fehler und Versäumnisse in Opels Modellpolitik der vergangenen Jahre hinweist, sieht Jürgen Pieper, Chefanalyst von Metzler Capital Markets in Frankfurt, gute Chancen für die Rüsselsheimer Marke, sich im Zusammenspiel mit den Franzosen besser zu entwickeln als im Konzernverbund des amerikanischen Autoriesen General Motors (GM).

Info: Trennung von GM scheiterte 2009 schon einmal

Mit rund 35 600 Mitarbeitern in Europa, davon mehr als die Hälfte in Deutschland, hat Opel 2016 rund 1,16 Millionen Autos verkauft. Im Stammwerk Rüsselsheim arbeiten aktuell mehr als 14 000 Opelaner.

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Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen wurde von der Meldung total überrascht, die für ihn nicht ganz unplausibel ist: „Opel kämpft seit 1999 mit zum Teil hohen Verlusten. Auch 2016 fielen 257 Millionen Dollar Verlust an, obwohl man die Gewinnschwelle angekündigt hatte. Gleichzeitig erwirtschaftete Ford in Europa im letzten Jahr 1,2 Milliarden Dollar Gewinn. Also sondiert man Alternativen. Dabei scheint Peugeot-Chef Tavares, der ja in der Welt der Fusionen bei Renault-Nissan aufgewachsen ist, höheres Interesse zu haben. Für Opel würde eine solche Konstellation mit Sicherheit für Werke wie Eisenach oder Kaiserslautern neue und höhere Unsicherheit bedeuten“, sagte er dieser Zeitung.

Trumps Abschottung

„GM geht den Schritt der Trennung wohl, um die seit nunmehr 17 Jahren andauernden Milliarden-Verluste ihrer Europa-Tochter einzugrenzen“, glaubt Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. „In Detroit wird die Reißleine allerdings in einer Zeit gezogen, in der der Patient Opel wieder besser in die Spur gekommen ist“, gibt sich auch der Autoanalyst überrascht. „Bei der Entscheidung sich zu trennen, mag auch das neue politische Klima in den USA nach der Wahl Donald Trumps eine Rolle gespielt haben. Die Verbundenheit mit Europa nimmt ab“, so Pieper.

PSA: Europas Nr.2

Der vom Staat gestützte französische Autobauer PSA Peugeot Citroën hat 2016 über 3,1 Millionen Fahrzeuge abgesetzt. Der französische VW-Konkurrent mit den Marken „Peugeot“, „Citroën“ und „DS“

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Die Perspektive, dass sich Opel endlich aus den Fesseln der Amerikaner befreien und sich Märkte erschließen kann, die bisher verboten waren, stimmt Pieper optimistisch für die Rüsselsheimer Marke. „Opel bekommt die Chance, auf den beiden größten Märkten der Welt, in China und in Nordamerika, eigene Autos zu verkaufen. Das bietet großes Potenzial.“ Die Zusammenarbeit mit Peugeot „wird nicht einfach“.

Gemeinsame Plattformen

Die beiden Unternehmen seien sich auf der Produktseite und bei ihrem technischen Niveau sehr ähnlich. Daher könnten künftig fast alle Modelle auf gemeinsamen Plattformen produziert werden. „Das reduziert die Kosten enorm.“ An einen großen Jobabbau glaubt Pieper nicht. „Opel hat mit der Schließung von Bochum ein Sparprogramm abgeschlossen, da sehe ich keinen weiteren Bedarf,“ meint er. Auch wenn Peugeot nach einer Übernahme auf dem Fahrersitz die Richtung vorgebe, werde es Opel als Beifahrer besser als unter der Abhängigkeit von GM gehen.

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