Prominentes Twitter-Tennis - und ein PR-Coup

Moderator Oliver Pocher und seine Noch-Ehefrau Sandy sorgen für einen Schlagabtausch mit Boris Becker bei Twitter. Fotos: Schindler/Kalaene Foto: Schindler/ Kalaene Moderator Oliver Pocher und seine Noch-Ehefrau Sandy sorgen für einen Schlagabtausch mit Boris Becker bei Twitter. Fotos: Schindler/Kalaene Foto: Schindler/ Kalaene
Berlin. 

Boris Becker: 243 516 Follower. Oliver Pocher: 108 628 Follower. Zwei der bekanntesten deutschen Showgrößen liefern sich einen medialen Schlagabtausch - live vor den Augen tausender Menschen, die ihre öffentlichen Nachrichten beim Kurznachrichtendienst Twitter mitlesen.

Für Wissenschaftler nicht nur ein Konflikt im Netz, sondern auch geschickte Werbung.

Es sind Passagen in Beckers neuer Biografie über Pochers Ehefrau Sandy Meyer-Wölden (heute Pocher), die den Fernseh-Moderator auf die Palme gebracht haben. Auf Twitter schießt der 35-Jährige am Montag scharf gegen die 45 Jahre alte Tennislegende, diese retourniert. Es entwickelt sich ein Spektakel für die Beobachter und die Medien. Die Sieger? Sind am Ende die Promis.

Denn die Aufmerksamkeit ist groß: Hunderte Twitter-Nutzer schalten sich beim digitalen Twitter-Tennis ein und verbreiten die Diskussion weiter. Zeitungen und Online-Medien sind voll von dem Streit: Es ist von einem «Tweef» - einem Twitter-Beef, also Streit - die Rede. Der Hashtag «#sandygate» macht die Runde. Er sei faszinierend, dieser Schlagabtausch - wegen der «ungefilterten Emotionen», sagt Medienethiker Christian Schicha.

Verona Feldbusch und Naddel hätten noch Zeitungen gebraucht, um sich Ausgabe für Ausgabe aneinander abzuarbeiten, erklärt der Professor der Mediadesign Hochschule in Düsseldorf. Bei Twitter dagegen könne spontaner Frust direkt in die Welt gesandt werden: «Das führt natürlich dazu, dass einige sehr ungehemmt artikulieren, was sie bewegt.» Die Schnelligkeit von Twitter könne dabei leicht dazu führen, dass sich die Kontrahenten hochschaukeln.

Die Lust auf Eskalation werde im Disput zur Real-Life-Unterhaltung, sagt Kommunikationswissenschaftler Martin Emmer, Professor an der Freien Universität in Berlin. Im Konflikt könne scheinbar niemand die Streithähne bremsen: Kein Journalist, kein Moderator, keine Werbepause und keine Zeilenvorgabe. In der ersten Reihe säßen nur Schaulustige. Und die wollen, dass es kracht.

Tatsächlich heizen hier die Twitter-Nutzer den Konflikt zusätzlich an und attackieren wahlweise die eine oder andere Seite. Das Publikum sei so nicht nur live dabei, sondern direkt beteiligt, erklärt Emmer: «Das kann auch ein starker Motivator sein.» Man fühle sich Seite an Seite mit bekannten Persönlichkeiten. Ein Doppel mit Bobbele.

Zudem ist ein Streit bei Twitter schnell entfacht, ihn einzudämmen ist aber schwierig, wie der Experte erklärt. Die kurzen Standpunkte verleiteten zu einer verkürzten, provokanten Darstellung, die eine Reaktion herausfordere. So sei eine Beruhigung schwer möglich: «Wenn diese Akteure ihre Konflikte wirklich lösen wollen, kann das nicht alleine über Twitter passieren», ist sich Emmer sicher.

Warum aber wählten Pocher und Becker nach einem kleinen Scharmützel nicht die private Kommunikation? Schließlich sind auch nicht-öffentliche Nachrichten via Twitter möglich. «Die Herren sind natürlich Medienprofis», sagt Christian Schicha. Becker habe ein neues Buch zu bewerben - dabei helfe jede Schlagzeile. Pocher ist Gastgeber seiner Fernsehsendung «Alle auf den Kleinen», an deren Quote er gemessen wird.

So ist es vielleicht kein Zufall, auf welche Weise die beiden Gegner ihren Ballwechsel schließlich beenden: «Bist hiermit offiziell zu ALLE AUF DEN KLEINEN eingeladen!! Gibt Kohle, Aufmerksamkeit und einen FAIREN Wettkampf! Call me!», schreibt Pocher.

Becker retweetet am Dienstag den Beitrag einer Userin: «Wieviel Provision springt eigentlich für @oliverpocher beim Verkauf von @TheBorisBecker Buch ab? #geilePR #kostenlos #Bestseller.»

(Von Benno Schwinghammer, dpa)
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