VW übernimmt Blackberry-Entwicklungszentrum in Bochum

Volkswagen-Konzernchef Martin Winterkorn hat in der Frage der Vernetzung einen Schulterschluss von Politik und Unternehmen gefordert: Foto: Julian Stratenschulte Volkswagen-Konzernchef Martin Winterkorn hat in der Frage der Vernetzung einen Schulterschluss von Politik und Unternehmen gefordert: Foto: Julian Stratenschulte
Wolfsburg. 

Volkswagen will auf dem Weg zum vernetzten Auto der Zukunft die eigene Forschung ausbauen.

Dazu übernimmt Europas größter Autobauer das europäische Forschungs- und Entwicklungszentrum von Blackberry in Bochum. «Die Vernetzung wird das Auto der Zukunft entscheidend prägen», sagte Heinz-Jakob Neußer, Mitglied des Volkswagen-Markenvorstands für Entwicklung, am Dienstag in Wolfsburg.

Nach dem Rückzug von Nokia aus Bochum hatte das Entwicklungszentrum des Smartphone-Herstellers Blackberry mit zwischenzeitlich bis zu 300 Ingenieuren der Region 2009 Hoffnung gegeben. Blackberry kämpft allerdings nach einem drastischen Verlust von Marktanteilen ums Überleben. VW will alle verbliebenen rund 200 Mitarbeiter übernehmen. Die Ingenieure arbeiten auf dem Gelände der Ruhr-Universität und in einem kleineren Labor im Stadtgebiet.

Bereits bis Mitte des nächsten Jahrzehnts sollen Autos auf Langstrecken selbstständig per Autopilot fahren. Die Voraussetzungen dafür sind viele Sensoren und die Vernetzung mit der Außenwelt. Dies wird schon vorher teilautomatisiertes Fahren etwa im Stau oder in Parkhäusern ermöglichen. Kritiker warnen allerdings vor Möglichkeiten zur Überwachung und einem Missbrauch von Bewegungsprofilen der Autofahrer.

Volkswagen kündigte an, mit der neuen Volkswagen Infotainment GmbH die eigene Kompetenz im Sektor «Fahrzeug Connectivity» ausbauen zu wollen. Das neue Segment sei ein Forschungs- und Entwicklungsschwerpunkt im Konzern. Neußer erklärte, die Ansprüche der Kunden veränderten sich rasant, was zu kürzeren Innovationszyklen führen werde. Daher sei zusätzliches Know-how notwendig.

Volkswagen rüstet sich für künftige Dienste, bei denen sich die Vernetzung im Auto werde nicht auf MP3-Player oder Smartphone beschränkt. Stattdessen geht es auch um die Kommunikation des Autos mit dem Zuhause, dem Büro sowie Tankstellen, Parkplätzen oder anderen Fahrzeugen.

Mit dem Wandel spielt zugleich die Internet-Branche eine größere Rolle in dem Geschäft. So arbeitet Google in Eigenregie an selbstfahrenden Fahrzeugen und will zugleich über die Plattform Android Auto Smartphones mit seinem Betriebssystem besser integrieren. Apple startet für seine iPhones im Herbst die Plattform CarPlay. Zugleich gewinnen die klassischen Autozulieferer an Bedeutung.

Im Volkswagen-Konzern war bisher die Tochter Audi bei den digitalen Technologien besonders präsent: Sie stellte Prototypen selbstfahrender Autos vor und will sowohl CarPlay als auch Googles Android Auto unterstützen.

Volkswagen-Konzernchef Martin Winterkorn hatte zuvor in der Frage der Vernetzung einen Schulterschluss von Politik und Unternehmen gefordert: «Wir brauchen rechtliche Rahmenbedingungen, die den Fortschritt nicht ausbremsen, sondern unterstützen.»

(dpa)
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