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Wal Fall: „Im Fußball geht es um Träume“

Von Früher war der Cousin von Ex-Eintrachtprofi Jermaine Jones unter anderem in Österreich am Ball. Seit zwei Jahren spielt er nun aber in den USA – und hat den amerikanischen Traum verinnerlicht: „Ich will an mein Limit, man darf seine Ziele nicht zu klein halten“, sagt er.
Symbolbild Fußball Foto: Klaus-Dieter Häring Symbolbild Fußball
Frankfurt. 

Wal Fall, inzwischen 25 Jahre alt, ist der Sohn eines Senegalesen und einer Deutschen und fing beim Frankfurter Stadtteilverein SV Bonames mit dem Fußball- spielen an. Auf dem Hartplatz also, auf dem sich einst auch der spätere Eintracht-Profi und US-Nationalspieler Jermaine Jones blutige Knie holte. Die Mütter von Jones und Fall sind Schwestern. Und die beiden Cousins sind nicht die einzigen, die in der als sozialer Brennpunkt bekannten Siedlung am Ben-Gurion-Ring groß wurden und es in Sachen Fußball weit gebracht haben (siehe Extratext).

Wal Fall, heute stattliche 1,90 Meter groß und breitschultrig, war damals eher klein und vor allem schüchtern. Und doch fühlte er sich im manchmal rauen Bonames wohl, weil es dort den Fußball gab und seine Freunde. Er war wenig begeistert, als die Eltern beschlossen, nach Höchst umzusiedeln. „Sie waren der Meinung, dass wir in eine bessere Gegend ziehen sollten. Ich musste also in einen neuen Verein und neue Leute kennenlernen. Das ist mir damals nicht leicht gefallen“, erinnert sich Wal. Sportlich allerdings gelang ihm der Sprung von der untersten in die oberste Spielklasse, den der Wechsel zur SG Hoechst mit sich brachte, relativ problemlos: „Ich war sonst eher zurückhaltend, aber auf dem Platz habe ich losgelegt.“ Und genau so sollte sich das in den folgenden Jahren bei allen Stationen fortsetzen.

Viele Vereinswechsel

Denn Vereinswechsel gab es schon zu Jugendzeiten einige für Wal Fall. Die hatten immer wieder auch mit den jeweiligen Trainern zu tun, mit Missverständnissen oder nicht erfüllten Erwartungen, aber auch mit Wals Schüchternheit und mit seiner Bodenständigkeit – auch wenn das zunächst nach einem Widerspruch klingt. Es war so, dass Wal bald bei vielen Scouts in der Region auf dem Zettel stand. Er wechselte wegen des Ärgers mit einem Trainer von Höchst zum VfB Unterliederbach und wurde zu dieser Zeit auch von der Eintracht zum Training eingeladen. „Aber für mich war das nix, ich wollte mit meinen Freunden Kicken und Spaß haben. Mir Gedanken über eine Fußballerkarriere zu machen, dafür war es noch zu früh.“

Irgendwann war es aber doch so weit und Wal wechselte in die professionelle Nachwuchsförderung des damals in die Zweite Liga strebenden SV Wehen. Dort lief es sportlich gut und so ergab sich die Möglichkeit, mit der Zusage bei Mainz 05 einen weiteren Schritt zu gehen. „Mein Vater musste mir auch da wieder einen Schubser geben und hat gesagt, dass es normal ist als Fußballer, dass man immer wieder neue Mannschaften hat und neue Leute kennen lernt.“

In Mainz registrierte Wal Fall, dass er gegenüber den schon länger dort ausgebildeten Spielern taktische Defizite hatte, und schaffte sich drauf, was nötig war. Schließlich konnte er sich auch unter den Trainern Roland Vrabec und Thomas Tuchel durchsetzen, und umso überraschender kam es, als ihm der Verein am Saisonende mitteilte, dass der Weg für ihn hier zu Ende sei. Wal kehrte auf den Halberg zurück, wo er sich ohnehin immer wohl gefühlt hatte und stieg mit dem SV Wehen erstmals in die U19-Bundesliga auf. Im Folgejahr durfte er dann schon bei den Profis mitmachen und feierte sein Drittligadebüt. „Ich weiß noch, dass ich mich erst gar nicht in die Kabine getraut habe. Ich habe da minutenlang vor der Tür gestanden, bis mich einer mit reingenommen hat. Und dann kam das erste Spiel – ich hatte ja noch keinen Führerschein und bin zusammen mit ein paar Fans mit der S-Bahn hingefahren“, erinnert er sich. Es war das Spitzenspiel gegen Braunschweig und am Ende verließen Wal die Kräfte. „Zwei Gegentore fielen über meine Seite. Danach war ich dann mehr auf der Bank als auf dem Feld“, hat er nicht vergessen.

Aus einem neuen Vertrag wurde dann nichts und Wal, der die Schule inzwischen hinter sich gelassen und sich ganz dem Fußball verschrieben hatte, zog zu Hause aus und versuchte sein Glück bei der Zweiten Mannschaft des 1. FC Nürnberg, ehe er zu Waldhof Mannheim kam. Für den einst so schüchternen Jungen stand damals fest: „Ich wollte zu einem Verein, wo es für mich nur noch um Männerfußball ging.“ Die Ausbildung zum Profi war abgeschlossen. Von jetzt an ging es darum, den Beruf Fußballer zu leben. Mit Waldhof verpasste Wal nur knapp den Aufstieg in die Dritte Liga. Dann zog er weiter nach Österreich. Zwei Jahre spielte Wal beim Zweitligisten Austria Lustenau, fühlte sich pudelwohl und weckte mit starken Leistungen Begehrlichkeiten bei österreichischen Erstligisten. Zu dieser Zeit machte er mit seinen Kumpels Urlaub in Miami, vorher war er bereits in Los Angeles und Las Vegas gewesen und hatte längst Feuer gefangen für die USA. „Das Land hat mich fasziniert und ich hatte einen Freund, der drüben gespielt hat, den habe ich darauf angehauen. So kam das alles in Bewegung.“

Klar war aber auch, dass der Rubel weiter rollen musste. Und so ging Wal für ein halbes Jahr zum Nord-Regionalligisten BSV Rehden, wo sein Bonameser Bekannter Daniel Gunkel gerade seine Laufbahn ausklingen ließ. Dann spielte Wall bei verschiedenen US-Zweitligisten vor, die in England Try-outs veranstalteten und flog schließlich auch nach Charlotte/North Carolina ins Probetraining. „Obwohl ich mich mit Schulenglisch durchschlagen musste – und das war auch nicht besonders gut –, lief es überall gut und alle haben gesagt, sie wollten mich haben. Sie haben sich dann aber doch nicht mehr gemeldet oder die vereinbarten Verträge nicht geschickt.“ Als sich die Möglichkeit für einen weiteren Versuch beim Zweitligisten Rochester Rhinos ergab, verspürte Wall keine große Lust mehr. „Mein Vater und meine Frau haben mich aber überredet, es noch einmal zu probieren. Das war gut so. Ich bin hingeflogen und dann gar nicht mehr zurückgekommen vor dem Saisonbeginn – die haben mich gleich dabehalten.“

Gegen alle gewonnen

Leichte Anlaufschwierigkeiten gab es. „Der Fußball in Amerika ist eben ganz anders, sehr körperbetont und athletisch. Da macht den Amis keiner was vor. Und ich musste auch erst das System verstehen, das mein Trainer spielen wollte.“ Fünf Spiele verpasste er wegen Visumsangelegenheiten, drei weitere, bis er so richtig angekommen war: „Und danach habe ich jede Minute gespielt. Und ich habe gegen alle Mannschaften gewonnen und Tore geschossen, die mir zugesagt und mich dann doch nicht geholt haben.“ Die Rhinos aus der 200 000-Einwohner-Stadt Rochester am Ontariosee, durch den die Grenze zu Kanada verläuft, hatten einen neuen Führungsspieler. Auf 56 Einsätze kam Wal Fall in zwei Saisons und erzielte 13 Tore. Er war auch statistisch einer der Top-Spieler der Liga.

Ende Dezember gab Wal Fall nun seinen Wechsel zum Ligakonkurrenten Saint Louis FC bekannt. Der spielt künftig in der Weststaffel und damit werden die Wege noch weiter – Seattle, Portland. Los Angeles, San Antonio sind neue Reiseziele. Und das machte den Wechsel für Wal Fall zusätzlich interessant: „Ich lebe ein richtiges Profileben, fliege jede zweite Woche woanders hin und sehe in drei Jahren fast die ganze USA.“ Ende Januar trifft sich das Team in Saint Louis und für Wal fängt wieder ein neuer Lebensabschnitt an. Zwei, drei Jahre kann er als Profi in den USA noch spielen, denkt er. Und dann? „Es ist alles möglich. Im Fußball geht es um Träume.“ Engagements im arabischen Raum oder in Asien gehören genauso zu Wals Gedankenspielen für die Zukunft wie die Möglichkeit, in der MLS (Erste Liga USA) oder wieder in Europa zu spielen. „Ich verfolge da mit meinem Berater ein Konzept, denn man muss auch realistisch sein. Ich kann vielleicht noch zehn bis zwölf Jahre spielen und danach muss ich auch Geld verdienen – am liebsten irgendwie mit Fußball.“

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