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TTC OE Bad Homburg: Einblicke ins Leben eines Tischtennis-Profis

Von Seinen Hobby zum Beruf zu machen und dann auch noch als Sportler. Das hört sich traumhaft an. Ist es das auch? Accadis-Schüler fragen bei den Spielern des TTC OE Bad Homburg nach.
Sie stehen den accadis-Schülern Rede und Antwort: Manager Johannes Herrmann sowie die Profis vom TTC OE Bad Homburg, Harald Andersson, Nandor Ecseki und Alexander Valuch. Foto: Heiko Rhode (Heiko Rhode) Sie stehen den accadis-Schülern Rede und Antwort: Manager Johannes Herrmann sowie die Profis vom TTC OE Bad Homburg, Harald Andersson, Nandor Ecseki und Alexander Valuch.
Bad Homburg. 

Die Frage musste ja kommen, die Schüler der accadis International School hatten sie sich vielleicht sogar absichtlich aufgehoben. Aus journalistischer Sicht kam das Beste zum Schluss, und als Journalisten wirkten die Schüler der siebten und achten Klasse an der Bad Homburger Privatschule zumindestens in dieser halben Stunde, in der für eine Kinder-Pressekonferenz große Teile der Erfolgsmannschaft des TTC OE Bad Homburg gegenüber von ihnen Platz genommen hatten. Die Top-Spieler Harald Andersson aus Schweden, Nandor Ecseki aus Ungarn und Alexander Valuch aus der Slowakei sowie Team-Manager Johannes Herrmann saßen auf Bänken mitten in der Turnhalle, als ein Schüler aufstand und fragte: „Wann steigt der Verein in die 1. Bundesliga auf?“

Die Antwort gab ausnahmsweise Manager Herrmann, ausnahmsweise auf Deutsch, und auch seine Spieler spitzten die Ohren, als der Chef-Funktionär des Ober-Erlenbacher Clubs sagte: „Die sportliche Qualifikation haben wir ja geschafft.“ Platz zwei würde zum Aufstieg berechtigen. Der Etat für die Profi-Mannschaft müsse aber verdoppelt werden, und dafür fehle das Geld, erläuterte Herrmann. Deshalb habe man eine Projektgruppe gegründet, die sich damit beschäftige, den Aufstieg 2020 realisieren zu können.

Optimale Werbung in eigener Sache haben die Ober-Erlenbacher am Wochenende erneut betrieben, als sie mit 6:4 Borussia Dortmund schlugen und dadurch in der Tabelle noch überholten. Nicht nur für Alex Valuch war es „the best season of my life“. Die beste Saison für den TTC OE krönte sein Team mit der Vizemeisterschaft. Aber der Aufstieg: nicht machbar. Dabei geht es „nur“ um 150 000 bis 200 000 Euro. Für Profi-Clubs in anderen Sportarten wie Fußball ein Klacks, im Tischtennis ein „Haufen Holz“.

Über den Dächern der Stadt: Homburgs Tischtennis-Zweitligist posiert mit Oberbürgermeister Hetjes (r.) und Bürgermeister Krug (3. v. r.) fürs Teamfoto.
Tischtennis TTC OE Bad Homburg verzichtet erneut auf den ...

Sportlich könnte der Sprung nach oben in dieser Saison klappen. Aber der TTC OE Bad Homburg will nicht. Dennoch schmiedet er Pläne für die Bundesliga.

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Moment mal, werden sich die Schüler gedacht haben (auch wenn es keiner aussprach): Es spielen hier doch schon Profis aus ganz Europa – und erfolgreiche und entwicklungsfähige noch dazu. Doch Profitum im Tischtennis ist nicht gleich Profitum im Tischtennis. Da gibt’s gewaltige Unterschiede. Einen Eindruck davon erhielten die Homburger Schüler, die bilingual auf Deutsch und Englisch unterrichtet werden, während ihrer Fragerunde.

Modelle für die Karriere

Nandor Ecseki, am Samstag, einen Tag vor dem Zweitliga-Saisonfinale noch schnell Doppelsieger bei den Croatian Open in Zagreb, kommt alle zwei, drei Monate nach Hause. Harald Andersson ist wahrscheinlich noch seltener in Schweden. Er lebt in Düsseldorf, weil er dort hauptsächlich trainiert. Alex Valuch hält sich dagegen überwiegend daheim in der Slowakei fit. Er trainiert wie seine beiden Mitspieler rund zehn Mal pro Woche je zweieinhalb Stunden, um dann regelmäßig in die große weite Tischtennis-Welt loszuziehen, meistens eben nach Ober-Erlenbach, um 2. Liga zu spielen.

Dass jeder aus dem Trio zu den besten Perspektivspielern seines Landes gehört und die drei das Privileg genießen, Geld im Ausland verdienen zu können, heißt noch lange nicht, davon gut leben und im besten Fall auch eine Familie ernähren zu können.

Andererseits vermittelten die Bad Homburger Spieler den Schülern den Eindruck, ihren Traum zu leben und daran viel Freude zu haben. „Studieren macht eben nicht so viel Spaß wie Tischtennis“, grinste Ecseki schelmisch und erntete von Valuch ein Kopfnicken. Die jugendliche Unbekümmertheit verbindet Ecseki und Valuch, beide 20 Jahre alt, mit den jungen Fragestellern. Schier unbegrenzt erscheinen ihnen die Möglichkeiten, die das Leben zu bieten hat.

Die flottesten Sprüche

„Nandor isst gern Kuchen.“ Team-Manager Johannes Herrmann antwortet nach einer kurzen, schöpferischen Pause für seine Spieler auf die Frage einer Schülerin,

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Nachdenklicher äußerte sich da schon Harald Andersson, der sich die 1. Bundesliga zum Ziel gesetzt habe – für die zwei, drei Jahre, in denen er Tischtennis noch in diesem Umfang betreiben wolle. Der Schwede ist schon 26 und hat gerade das erste Jahr fernab der Heimat hinter sich. Die Frage nach dem „Was kommt danach?“ geistert ihm bereits durch den Kopf, auch wenn Tischtennisspieler wie sein große Vorbild Jan-Ove Waldner bis jenseits der 40 hochklassig spielen können. Aber die allerwenigsten verdienen damit richtig viel Geld.

Andersson wird wie Ecseki, Valuch und Kapitän Dominik Scheja (21), der gerade eine „normale“ Berufsausbildung absolviert, eine Saison dranhängen, die im Idealfall mit dem tatsächlichen Bundesliga-Aufstieg gekrönt werden könnte. Mithelfen soll dabei ein Neuzugang, der als eines der größten Talente Europas gilt. Letzte Absprachen mit dem nationalen Verband des Spielers müssten noch getroffen werden, bedauerte Herrmann, die frohe Nachricht inklusive Namen nicht schon auf der Kinder-PK verkünden zu können.

Dass die erfolgreichen Ober-Erlenbacher Spieler eigentlich aufsteigen könnten, es aber eben nicht dürfen, nehmen sie ihrem familiär geführten Tischtennisclub übrigens nicht übel: „Ober-Erlenbach war die einzige Möglichkeit für mich, als Profi ins Ausland zu gehen“, sagte Nandor Ecseki, „der Verein war aber zugleich das Beste, was mir passieren konnte.“

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