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Velothon: Radsportlerin Katrin Riegelhof holt sich Adrenalin-Kick vorm Brandenburger Tor

Von Mehr als 9000 Teilnehmer in drei Rennen: Der Velothon in Berlin gehört zu den größten Veranstaltungen für Hobbyradsportler. Was eine Friedrichsdorferin auf dem Weg zum Sieg alles erlebte.
Schnell noch ein Selfie vor dem Start: Katrin Riegelhof (links) mit Teamkollegin Katrin Wisse. Schnell noch ein Selfie vor dem Start: Katrin Riegelhof (links) mit Teamkollegin Katrin Wisse.
Berlin/Friedrichsdorf. 

Als Katrin Riegelhof auf der Straße des 17. Juni ins Ziel gefahren war, wusste sie erst einmal gar nicht, dass sie gewonnen hatte. Die Radsportlerin hatte da zwar so eine Ahnung, spätestens als sie nach einer kurzen Stärkung gerade mal zwei Konkurrentinnen erspähte, die sich ebenfalls schon im Zielbereich aufhielten. Die Gewissheit erhielt die Friedrichsdorferin erst mit einem Blick übers Handy, per WhatsApp von ihren Teamkameraden. Die hatten es auf der Webseite des Velothon Berlin schon gesehen: Katrin Riegelhof war im 60-Kilometer-Rennen die schnellste Frau.

„Ich habe dann erstmal einen lauten Schrei losgelassen“, lächelt die zunächst ahnungslose und dann überglückliche Radsportlerin aus dem Taunus.

Um das Kuriosum zu verstehen, muss man wissen, dass in Rennserien für Hobbyradsportler wie Velothon oder der German Cycle Cup (GCC) Frauen und Männer gemeinsam fahren. So auch beim Velothon Berlin, einem der größten Veranstaltungen dieser Art in Europa, bei der dieses Mal mehr als 9000 Hobbyradsportler an den Start gingen – ausschließlich Hobbyradsportler wohlgemerkt, keine Profis. Wobei Hobbyradsportler ein dehnbarer Begriff ist. Vom Aufwand her sind manche nämlich gar nicht so weit davon entfernt, professionelle Radsportler zu sein.

Entspannung vor dem Rennen: Katrin Riegelhof (rechts), Katrin Wisse und das Brandenburger Tor. Bild-Zoom
Entspannung vor dem Rennen: Katrin Riegelhof (rechts), Katrin Wisse und das Brandenburger Tor.

Dass Katrin Riegelhof schon mal profimäßig unterwegs war, hängt sie nicht an die große Glocke. Als Mountainbikerin war sie mit einer Lizenz jahrelang dick im Geschäft. Zu Beginn des Jahrtausends nahm sie auch an Etappenrennen teil wie dem Bike-Trans-Alp, „bei denen man sich selbst richtig kennenlernt“, wie die 44-Jährige rückblickend beschreibt. 22 000 Höhenmeter meisterte sie damals innerhalb von sechs Tagen in den Alpen. Schnee, Sonne, Hagel, Regen, Lachen, Weinen – alles habe sie in dieser prägenden Zeit erlebt.

Aus familiären Gründen schraubte Katrin Riegelhof dann ihr Pensum fürs Fahrradfahren herunter, ehe das Fieber bei ihr vor drei Jahren wieder ausbrach. Zu einem Trainingslager auf den Straßen Mallorcas habe sie sich einfach mal über das Internet angemeldet. Eine schöne Umgebung als auf den Balearen könne sie sich für Radsportler, die in Form kommen wollen, nicht vorstellen.

Frauen in der Unterzahl

Die Friedrichsdorferin kam in Form. Und sie knüpfte Kontakte zum „Rose Team Münsterland“, einer Mannschaft für ambitionierte Hobbyfahrer, in der Patrick Dören (Dritter über 100 Kilometer in Berlin) das Toptalent ist. Ein solches Amateur-Team sei nur schwer in Deutschland zu finden, erklärt Riegelhof, weil es grundsätzlich immer schwieriger werde, Sponsoren für den Straßenradsport zu begeistern. Auch die Rennen würden eher weniger. Frauen sind zudem deutlich in der Unterzahl.

Das Rose Team Münsterland freute sich indes über eine Verstärkung, noch dazu eine kreative. Denn die Textilgrafikdesignerin aus dem Taunus bringt sich auch ein, indem sie das Mannschaftstrikot entwirft. So wäscht eine Hand die andere. Für Material, Startgeld und Unterkunft kommt ihr Team auf.

Topfahrer im Team Münsterland: 60-km-Siegerin Riegelhof und Patrick Dören, Dritter über 100 km. Bild-Zoom
Topfahrer im Team Münsterland: 60-km-Siegerin Riegelhof und Patrick Dören, Dritter über 100 km.

Riegelhof schaut, wie der bundesweite Rennkalender mit ihrem Privatleben zu vereinbaren ist. Theoretisch könnte sie auf der ganzen Welt teilnehmen. Velothon-Rennen gibt es im Sommer auch in Wales und an der australischen Sunshine Coast. Eine Nummer kleiner genügt Katrin Riegelhof völlig: Sie fuhr bisher die Tour d’Energie in Göttingen (auf Rang 16), bei der Velotour Eschborn-Frankfurt (auf Platz 4), jetzt in Berlin und plant noch weitere Teilnahmen bei GCC-Rennen in Köln, Schleiz und Münster.

Von ihrem bis dato größten Erfolg als Straßenradsportlerin (gleichzeitig der erste Saisonsieg ihres Teams) hat sie nicht nur spät erfahren. Sie hat sich doch auch schon ein wenig gewundert. Startschuss für das kürzeste der drei Rennen in Berlin war nämlich um 7.30 Uhr. „Ich bin überhaupt keine Frühaufsteherin“, schmunzelt Riegelhof. Gut, dass sie Teamkollegin Katrin Wisse auf dem Zimmer hatte und die beiden Frauen sich gegenseitig aufmunterten, als der Wecker um 5.30 Uhr geklingelt hatte. An der Teilnahme bestand freilich nie ein Zweifel.

Bremsen verboten

Los ging’s am Sony Center, und Riegelhof gelang es gleich, in einer der vorderen Gruppen mitzufahren. Ergo: alleine unter Männern. „In der Kurve wird nicht gebremst, danach immer wieder angetreten“, schildert sie. Manchmal denke man da, die Beine platzen gleich. Als Frau habe man es beim Windschattenfahren zudem nicht immer einfach, werde schon mal angemahnt, die Linie zu halten.

Entspannung nach dem Rennen: Katrin Riegelhof gönnt sich im Ziel ein alkoholfreies Bier. Bild-Zoom
Entspannung nach dem Rennen: Katrin Riegelhof gönnt sich im Ziel ein alkoholfreies Bier.

Katrin Riegelhof steckt so etwas locker weg. Sie liebt es, wenn der Kurs schnell, flach und kurvig ist – Enthusiasmus schwingt mit, wenn sie das erzählt.

42 Kilometer pro Stunde betrug in Berlin ihre Geschwindigkeit mit dem Rad – im Durchschnitt. Sie konnte einem Sturz ausweichen, überstand eine kurze Alleinfahrt im Gegenwind am Flughafen Tempelhof. Umso mehr Adrenalin-Schübe erlebte sie, als sie auf der Zielgerade nochmals alles aus sich herausholte, mit Blick aufs Brandenburger Tor. Die Endorphine mussten noch ein wenig warten. Nach der Nachricht per WhatsApp strömten sie durch ihren Körper.

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