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Tent pegging: Reitsport am Limit

Von Tent pegging ist eine Sportart, die nicht viele in Deutschland kennen – und erst recht nicht betreiben. Eine Eschbornerin feierte aber im vergangenen Jahr einen großen internationalen Erfolg.
Jenny Horvath im Nationaltrikot mit zwei Pferden ihres Teams. Bilder > Jenny Horvath im Nationaltrikot mit zwei Pferden ihres Teams.
Eschborn. 

Schaut man Reitern zu, die Tent pegging betreiben, so fühlt man sich an die mittelalterlichen Ritterspiele erinnert, wenn die Reiter entweder Pflöcke aus der Erde aufspießen oder mit einer Lanze Ringe aufnehmen. Doch sie haben viel kleinere Ziele als die Reiter bei Ritterspielen. Der Umgang mit Lanze, Schwert oder dem Twigger, einem kleinen spitzen Holzstück, bei hoher Geschwindigkeit während des Reitens auf dem Pferd, die Körperbeherrschung beim Herunterbeugen und das Austauschen danach mit den Mitkonkurrenten – das macht für Jenny Horvath den Reiz dieser Sportart mit historischen Wurzeln aus, die in England entstand und in den englischen Kronkolonien wie Indien, Pakistan, Oman und Südafrika heute noch einen großen Zuspruch erfährt.

Tent pegging

Wer die Sportart Tent pegging betreibt, ist im deutschen Kavallerie-Verband organisiert. Tent pegging ist der Oberbegriff für die Pferdesportarten, bei denen die Reiter mit einem spitzen

clearing

Die 24 Jahre alte Eschbornerin hat ihre Liebe für das Reiten schon mit elf Jahren entdeckt. Die gelernte Tierarzthelferin kam aber erst vor drei Jahren per Zufall zum Tent pegging. „Peter Kramer war international mit Ritterspielen unterwegs. Da erhielt er eine Einladung, mit seinem Team, in dem ich auch stand, in Indien einen Wettkampf zu bestreiten. Und so sind wir zum Tent pegging gekommen“, berichtete Jenny Horvath, die zu den ersten deutschen Reitsportlern dieser Gattung gehörte. Im vergangenen Jahr hatte sie in Indien bei einem der größten Wettkämpfe die Silbermedaille gewonnen, wobei sie den führenden Nationen nicht nur Paroli geboten, sondern sie sogar hinter sich gelassen hatte.

Anspruchsvoller Sport

Von dem Reiter wird viel gefordert. Er muss sich mit einem fremden Pferd vertraut machen, wofür er zumeist einen Tag Zeit hat, dann muss er ein hohes Tempo – auch sehr häufig einhändig – reiten, mit den Waffen umgehen – und das oft nicht nur auf einem Parcours, sondern auch im Gelände mit Hindernissen. „Dabei erreichen die Pferde bei den Wettkämpfen in Südafrika und Pakistan Geschwindigkeiten bis zu 50 Kilometern pro Stunde. Und bei diesem Tempo muss man einen Ring mit einem Durchmesser von fünf Zentimetern aufnehmen“, berichtet Jenny Horvath. Für sie machen diese vielen Elemente die Faszination dieses Sports aus. „Der normale Reitsport ist mir zu speziell geworden“, sagt die Eschbornerin.

Auch die verschiedenen Aufgaben wie das Aufspießen der Pflöcke, das Aufnehmen der Ringe, das Zerteilen von Zitronen oder dementsprechenden Attrappen, das Zerstören von Luftballons mit Twiggern während des Sprungs oder das Attackieren von Puppen, die im Zentrum mit dem Schwert getroffen werden müssen, haben ihren Reiz. „In vielen Ländern wird dieser Sport aus kulturellen Gründen betrieben, er hat eine lange Tradition bis ins Mittelalter“, erläutert Jenny Horvath. Vor allem der Kontakt mit den Konkurrenten begeistert sie: „Sie sind alle sehr umgänglich. Es ist ein ganz nettes Volk. Ich finde es toll, diese Menschen kennen zu lernen.“ Die Wettkämpfe sind für sie die besondere Herausforderung. Wenn die Wettkämpfe nach südafrikanischer Norm ablaufen, werden nicht nur die Zeit und die Punktzahl der erzielten Peggs bewertet, sondern auch der Stil, vor allem bei Zweier- oder Mannschaftswettkämpfen mit vier Reitern, bei denen auch die Synchronität benotet wird.

Beim Tent pegging ist das Verletzungsrisiko nicht zu unterschätzen. „Die Pferde haben einen Beinschutz, damit sie nicht von Lanzen, die der Reiter falsch steckt, getroffen werden. Die Hebelwirkung der Lanze kann einen beim Reiten sowieso aushebeln“, berichtet Jenny Horvath, „dazu kommt, dass es gerade im Mannschaftsreiten gefährlich ist, wenn jemand sein Pferd nicht im Griff hat“.

Es gibt wenige Möglichkeiten für Wettkämpfe. Eine deutsche Mannschaft reist im September für drei Wochen nach Südafrika, wo sie eineinhalb Wochen intensiv trainieren wird. „Wir dürfen dort auch bei den nationalen Meisterschaften starten“, berichtet Horvath. Diesmal wird sie in Südafrika nicht dabei sein, aber kurz darauf in den Niederlanden an den Start gehen. „Dort sind die EU-Meisterschaften, bei denen wir auf die Briten, Holländer und die Israelis treffen.

Jenny Horvath reitet jeden Tag mit ihrem eigenen Pferd, das im benachbarten Gestüt steht. Dort kann sie ab Herbst ein abgeerntetes Feld eines Bauern zum Training benutzen: „Ein normaler Parcours ist für unsere Sportart zu klein“, erklärt sie, „diagonal kommt man selten auf die benötigte 100-Meter-Bahn.“ Ihr zehnjähriger Quarterhorse mix kommt auf Geschwindigkeiten von 40 bis 45 Kilometern. Es gibt Übungen, bei denen sie auf dem Roller und mit einer Lanze bewaffnet fährt. „Das schult das Auge und die Konzentration“, erklärt Horvath – um bei den nächsten Wettkämpfen den Konkurrenten wieder Paroli bieten zu können.

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