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US-Wahl: "Armes Amerika!: Das sagt Hessen zum neuen US-Präsidenten

Der überraschende Wahlsieg Donald Trumps sendet Schockwellen in die Welt. Auch nach Hessen, wo viele Politiker und Bürger mit Unverständnis auf den Ausgang regieren. Wir haben einige Stimmen zusammengefasst.
Donald Trump, Präsidentschaftskandidat der US-Republikaner, während einer Wahlkampfveranstaltung in Washington DC. Foto: Jim lo Scalzo Donald Trump, Präsidentschaftskandidat der US-Republikaner, während einer Wahlkampfveranstaltung in Washington DC. Foto: Jim lo Scalzo
Frankfurt. 

Mit einer Mischung aus Unverständnis und großer Sorge haben unzählige Menschen auf das Ergebnis der US-amerikanischen Präsidentenwahl reagiert. So auch die hessischen Bürger, Politiker und andere Personen des öffentlichen Lebens, die wir um ein kurzes Statement zum neuen Präsidenten Donald Trump gebeten haben.

Ulrich Heep, IHK-Präsident: "Die Verunsicherung ist auch bei den deutschen Unternehmen groß."

Ulrich Heep Bild-Zoom Foto: Christof Huels
Ulrich Heep

"Donald Trump hat im Wahlkampf viele Ankündigungen gemacht. Keiner weiß derzeit, was in der kommenden Zeit davon tatsächlich umgesetzt wird. Die Verunsicherung ist deshalb gerade auch bei den deutschen Unternehmen groß. Sie hoffen nun darauf, dass wesentliche Säulen der internationalen Zusammenarbeit von der neuen US-Regierung nicht aufs Spiel gesetzt werden", sagt Ulrich Heep, Präsident der IHK Limburg.

Welthandelsorganisation, Freihandels-  oder Klimaabkommen sind auch für die hierzulande stark international ausgerichteten Unternehmen zentrale Themen: "Wir hoffen, dass nach einem langen und erbitterten Wahlkampf nun wieder ernsthaft über das Freihandelsabkommen TTIP zwischen den USA und der EU gesprochen werden kann, damit wir zu Handelserleichterungen kommen und nicht ein von beiden Kandidaten im Munde geführter Protektionismus um sich greift", gibt Heep zu bedenken.

Peter Feldmann, Frankfurter OB: „Deutsch-amerikanische Freundschaft pflegen“

Peter Feldmann, Frankfurter OB. Bild-Zoom
Peter Feldmann, Frankfurter OB.

„Die Beziehungen zwischen Frankfurt und den USA sind traditionell eng. Ich werde alles tun, damit dies auch in den nächsten vier Jahren so bleibt. Es zeigt sich jetzt, dass es eine richtige Entscheidung war, vergangenes Jahr eine neue Städtepartnerschaft mit Philadelphia einzugehen, um die deutsch-amerikanische Freundschaft zu pflegen. Gerade unsere Partnerstadt teilt engagiert unsere Werte von Minderheitenschutz, Liberalität und Demokratie für alle“, erklärte Oberbürgermeister Peter Feldmann zum überraschenden Ausgang der US-Präsidentenwahl.

„Ich hoffe aber auch, dass der neue Präsident erkennbar umdenkt, die Rechte von Minderheiten in seinem Land respektiert, partnerschaftliche Beziehungen zu Deutschland pflegt und ebenso engagiert für Frieden und Demokratie in der Welt eintritt."

Gisela Stang (SPD), Bürgermeisterin der Kreisstadt Hofheim am Taunus:

Hofheims Bürgermeisterin Gisela Stang Bild-Zoom Foto: Knapp
Hofheims Bürgermeisterin Gisela Stang

"So wie dieser Wahlkampf geführt wurde, hinterlässt er nur Verlierer. Die Härte der Auseinandersetzung – die zum Teil völlige Abwesenheit von Sachargumenten war für mich erschütternd. Trump als Präsident und die Mehrheit im Repräsentantenhaus und Senat wird Amerika weiter verändern – nach außen wie nach innen.

Wir werden sehen, was dies für unser Verhältnis bedeutet. Meine Befürchtung ist nun, dass diese Wahl auch den Kräften in Deutschland und Europa Ansporn sein wird, die nur noch populistisch und bar jeder Verantwortung für unser Land agieren."

Hessen appelliert an Vernunft des neuen US-Präsidenten Trump

«Überrascht», «geschockt», «verunsichert»: In Hessen sind die politischen Reaktionen auf den Sieg von Donald Trump alles andere als euphorisch. Ministerpräsident Bouffier beschwört das «gemeinsame Wertefundament» mit den USA.

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Patrick Burghardt (CDU), Rüsselsheimer Bürgermeister und Präsident des Hessischen Städtetags:

Patrick Burghardt. Bild-Zoom Foto: Uwe Zucchi (dpa)
Patrick Burghardt.

"Das überraschende Ergebnis muss uns beschäftigen! Wenn ein Populist wie Donald Trump die Menschen auf diese Art und Weise erreicht, können wir nicht zur Tagesordnung über gehen. Die Art des Wahlkampfes, den wir erlebt haben, muss Mahnung sein und darf auf keinen Fall Vorbild sein. Es bleibt jetzt abzuwarten ob der neue Präsident die Dinge umsetzt die er angekündigt hat, zurück zum Mauerbau und Atomwaffen und der Ausstieg der USA aus der NATO darf es nicht geben!"

Nicola Beer (FDP-Generalsekretärin):

Nicola Beer Bild-Zoom Foto: Andreas Schlote
Nicola Beer

„Es war eine demokratische Wahl in den USA und wir müssen das Ergebnis akzeptieren“, sagt die FDP-Generalsekretärin Nicola Beer. Gleichwohl sei mit Donald Trump ein Mann an die Spitze der Vereinigten Staaten gewählt worden, der Mauern bauen will. „Und das an einem Tag, dem 9. November, in dem wir in Deutschland den Mauerfall feiern“, so Beer weiter.

Die Wahl Trumps habe auch bewiesen, dass es von der Politik falsch sei, schwierige gesellschaftliche Themen nicht mit den besorgten Bürgern zu besprechen. „Deren Sorgen sollte man ernst nehmen“, sagte Beer. Die Wahl von Trump sollte auch für die deutsche Politik ein Signal sein, wenn diese nicht im kommenden Jahr eine böse Überraschung erleben will, weil die „schweigende Mehrheit“ unter den Wählern sich für Populisten entscheidet. hin

Kelly Schmidt, in Dietkirchen lebende Amerikanerin:

Kelly Schmidt. Bild-Zoom Foto: Petra Hackert
Kelly Schmidt.

„Ich bin fassungslos, sprachlos“, sagt Kelly Schmidt. Die  Amerikanerin stammt aus Kalifornien, lebt seit zehn Jahren im Limburger Stadtteil Dietkirchen. „Das hat sich für mich gestern Abend schon so angefühlt, als ob Trump gewinnen würde. Das zeigt mir aber auch: Die Mittelklasse ist verzweifelt. Alle wissen, es muss sich etwas ändern. Aber doch nicht so. Das ist wie beim Brexit. Hinterher weiß man, dass man einen Fehler gemacht hat.“

Viele ihrer Freunde in Kalifornien hätten aus Frust nicht gewählt. „Wir hingegen haben ganz bewusst gewählt. Hillary Clinton ist nicht meine erste Wahl, aber auf jeden Fall nicht Trump“, sagt die 51-Jährige. „Das Ganze ist wie in den 30er Jahren in Deutschland, die Rattenfänger sind unterwegs.“ Wie es jetzt weitergehen solle, mache ihr Angst. „Es gibt hier bei uns den Begriff ,Black Friday‘, schwarzer Freitag.“ Das war der  25. Oktober 1929, als die  Börse an der New Yorker Wall Street ein historisches Tief hatte. „Das hier ist für mich ein ,Black Tuesday‘, schwarzer Dienstag, absolut“, sagt Kelly. pp

Anja Hannappel, in Amerika lebende Bad Cambergerin:

Anja Hannappel Bild-Zoom Foto: YC Wong
Anja Hannappel

„Ich bin sehr geschockt heute morgen, es wird noch eine Weile dauern bis ich realisiert habe, was hier passiert ist. Es ist beängstigend zu sehen, dass ein so großer Teil der USA jemanden wie Trump unterstützt“, sagt Anja Hannappel.

Die 38-Jährige stammt aus dem Bad Camberger Stadtteil Erbach und lebt seit elf Jahren in San Diego, Kalifornien. „Viele meiner Freunde sagen, sie werden die Koffer packen und die USA verlassen. Ist ,Calexit‘ möglich für Kalifornien? Cannabis ist jetzt hier legal seit letzter Nacht – wir können es brauchen.“              pp

Gabriele Kailing, DGB-Vorsitzende Hessen-Thüringen (aus Facebook):

Gabriele Kailing, DGB-Hessen-Thüringen Bild-Zoom Foto: EUGEN SOMMER
Gabriele Kailing, DGB-Hessen-Thüringen

Auch wenn das Wahlergebnis der Präsidentschaftswahl in den USA ebenso üngläubig stimmt, wie das Abstimmungsergebnis zum BREXIT, war das eine demokratische Wahl, deren Ergebnis zu akzeptieren ist.

Trump stimmt bereits mildere Töne an und betont, dass er Präsident aller Amerikanerinnen und Amerikaner sein will und wird.

Philipp Jacks, DGB Vorsitzender des Stadtverbands Frankfurt:

Philipp Jacks, DGB Vorsitzender des Stadtverbands Frankfurt Bild-Zoom Foto: Michael Faust
Philipp Jacks, DGB Vorsitzender des Stadtverbands Frankfurt

"Trump hat die Wahl mit herabwürdigenden Sprüchen zum Beispiel über Frauen, Einwanderer und Moslems gewonnen. Er will Steuern senken und damit das ohnehin schon schlechte Sozialsystem der USA weiter schwächen. Ich kann nur hoffen, dass er sich mit diesen Ansichten in den demokratischen Gremien nicht durchsetzen wird.
 
Das Wahlergebnis zeigt, wie auch andere jüngere Wahlergebnisse in verschiedenen Ländern der Welt, dass Marktwirtschaft und Wohlstand nicht automatisch zu Aufklärung und sozialer Gerechtigkeit führen. Es zeigt, dass wir viel mehr Kraft und Geld in politische Bildung und ein gerechteres, demokratischeres Wirtschaftssystem investieren müssen, das demokratische Kultur nicht schwächt, sondern fördert."

Edgar Nebel, Vorstandsmitglied  der George-Marshall-Gesellschaft, dem Verein zur Förderung der deutsch-amerikanischen Beziehungen:

Edgar Nebel Bild-Zoom
Edgar Nebel

Ich bin entsetzt über diesen Wahlausgang. Schon der Wahlkampf war grauslich, und nun das Ergebnis. Ich frage mich, wie die große Mehrheit der US amerikanischen Bürgerinnen und Bürger einen Mann zu ihrem Präsidenten wählen kann, der mit demagogischen Schlagworten, sexistischen und fremdenfeindlichen Äußerungen und unsäglichen Beleidigungen seinen Wahlkampf führte. Welch großer Riss geht durch die Bevölkerung.  

Armes Amerika, du Weltmacht, deine nationale und internationale Politik wird unberechenbar.

Professor Ferdinand Dudenhöffer, Autoexperte

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer Bild-Zoom Foto: Bernd Thissen (dpa)
Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer

"Ich fürchte, mit Trump wird der Klimaschutz wird nach hinten gestellt. Das wäre eine große Bremse für das Elektroauto in USA und damit natürlich auch für Tesla. USA könnte geteilt werden in Kalifornien-Klima und den Rest, dem alten Amerika mit dicken V8 Motoren. In Silicon-Valley könnte der Technologiefortschritt damit gebremst werden. Das wäre die große Chance für die Chinesen.

Für den VW-Konzern wäre es jetzt sehr wichtig, die Dieselgate-Themen bis Frühjahr 2017 „unter Dach und Fach“ zu haben. Ein Problem könnte da Audi mit seinen 3-Liter-Motoren und den neuen Vorwürfen bei Benziner werden."

Bernd Reisig (Talkshow-Gastgeber, ehemaliger Präsident des FSV Frankfurt):

Bernd Reisig Bild-Zoom Foto: Kammerer, Bernd (.)
Bernd Reisig

"Amerika hat gewählt und dabei nicht auf das gehört, was Deutschland wollte. Warum auch. Die US-Bürger sind scheinbar ihrem Gefühl gefolgt. Bauch sagt ja, Kopf sagt nein. Nur so kann man die Wahl verstehen.

Das Misstrauen gegen die machtgierige Clinton, die aus dem politischen Establishment, kommt war wohl wesentlich größer, als die Ungewissheit, was der zwischendurch wildgewordene politische Nobody so von sich gab. Das weiße Haus hat schon schwärzere Tage mit machen müssen und am Ende auch überlebt. So ist halt Demokratie. Jeder macht, was er will - zumindest an der Wahlurne."

Clemens Fuest, Präsident des Ifo-Instituts

Ifo-Chef Clemens Fuest. Bild-Zoom Foto: Uli Deck (dpa)
Ifo-Chef Clemens Fuest.

„Wenn Trump die Handelsschranken durchsetzen könnte, die er angekündigt hat, wäre der Schaden groß. In Deutschland hängen 1,5 Millionen Arbeitsplätze vom US-Geschäft ab, die USA sind der wichtigste Handelspartner Deutschlands“, sagte er am Mittwoch in München. „Trump kann die Handelspolitik aber nicht alleine bestimmen. Er braucht den US-Kongress dazu.

Trump wird bestehende Abkommen kaum kippen können, aber der Abschluss neuer Abkommen wie TTIP wird deutlich schwieriger. Europa sollte trotzdem versuchen, TTIP einem erfolgreichen Abschluss zu führen“, fügte Fuest hinzu. Als eine der größten Exportnationen der Erde habe Deutschland ein besonderes Interesse am Freihandel.

Olaf Kaltenborn, Sprecher der Goethe-Universität:

Olaf Kaltenborn Bild-Zoom
Olaf Kaltenborn

„Trumps Wahl markiert eine Zäsur. Die amerikanische Gesellschaft ist tief gespalten, wie das vergleichsweise knappe Wahlergebnis beweist. Jetzt kann man nur hoffen, dass Trump sein Temperament zügelt und sich die richtigen Berater sucht. Der Welt stehen unruhige Zeiten bevor. Rechtpopulismus und autoritärer Geist sind global auf dem Vormarsch. Die Folgen sind nicht absehbar.“

Dr. Uwe Vetterlein Hauptgeschäftsführer IHK Darmstadt:

„Die USA sind mit Abstand der wichtigste Handelspartner der hessischen Wirtschaft. Nach dem Ausgang der Wahl mache ich mir Sorgen, wie sich diese Beziehungen in den nächsten Jahren entwickeln werden“, sagt Dr. Uwe Vetterlein, Hauptgeschäftsführer der IHK Darmstadt Rhein Main Neckar.

IHK-Chef Uwe Vetterlein Bild-Zoom
IHK-Chef Uwe Vetterlein

„Wir sind eine Exportregion. Und unsere Unternehmen sind auf verlässliche Spielregeln angewiesen. Deswegen ist es wichtig, dass die protektionistischen Aussagen von Donald Trump Wahlkampfgetöse bleiben. Sonst drohen schwere Handelskonflikte.“

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