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Wüste Drohungen gegen Flüchtlinge: Büdingens braune Briefe

Von Weil in der Wetterau-Gemeinde auch Flüchtlinge an einem Triathlon teilnehmen sollten, hagelt es anonyme Drohbriefe. Die Organisatoren sind genervt, Politiker wollen den rechten Hetzern die Stirn zeigen.
Screenshot des Drohbriefs auf Twitter. Screenshot des Drohbriefs auf Twitter.
Büdingen. 

Auf Grammatik und Ausdruck kommt es dem oder den Drohbrief-Schreibern von Büdingen nicht allzu sehr an. Dafür ist der Inhalt umso unmissverständlicher: „Kein Asylbetrüger Triathlon in Büdingen. Wenn die starten, gibt’s auf die Fresse“, lautete die Drohung, die Markus Reutzel, Mitorganisator des Büdinger City Triathlons, am 6. März aus seinem Briefkasten fischte.

Am kommenden Sonntag wird der Charity-Triathlon in der Büdinger Altstadt ausgetragen. Bereits einen Tag zuvor beginnt das 3. Büdinger Weinfest. Auch dieses ist nun in den Fokus vermeintlicher Flüchtlingshasser gerückt. Gestern erhielten Bürgermeister Erich Spamer, der örtliche SPD-Fraktionsvorsitzende Manfred Scheid-Varisco und Markus Reutzel erneut Post. „Müssen wir es erst knallen lassen, bevor ihr das kapiert? Keine Feste mit Fremden in der Altstadt“, heißt diesmal die Parole eines Schreibens, das mit „Nationaldeutscher Bürger Büdingen“ unterschrieben ist.

Am besten ignorieren

„Meine Schwiegertochter hat mir das auf Facebook gezeigt. Mein Mann meint, das sind dumme Bubenstreiche. Mir ist schon ein bisschen mulmig“, sagt Rosemarie Schwarzhaupt, die das Büdinger Weinfest organisiert, gegen das sich die neuerliche Drohung richtet. Das Weinfest werde definitiv stattfinden. „Wir können ja nicht jenen, die extra zum Weinfest kommen, die Freude nehmen“, sagt Schwarzhaupt.

Bürgermeister Spamer hat den Brief sofort an die Polizei weitergeleitet. „Wir haben das kurz in der Amtsleiter-Runde besprochen“, sagt Spamer, der keinen Anlass zur Absage des Festes sieht. Polizei-Sprecher Jörg Reinemer bestätigt, dass bereits Ermittlungen laufen: „Wir nehmen das keineswegs auf die leichte Schulter.“ Das Weinfest und der Triathlon seien aber nicht in Gefahr.

Triathlon-Organisator Markus Reutzel ist vom aktuellen Drohbrief sichtlich genervt, lässt sich aber nicht einschüchtern. „Im Gegensatz zum letzten Mal ist ganz eindeutig, um was es da geht. Die Leute wollen keine Feste in der Altstadt. Die Sache mit den Flüchtlingen ist doch nur vorgeschoben“, sagt er. Denn anders als im Vorjahr haben sich diesmal für den Triatholon gar keine Flüchtlinge angemeldet, obwohl sie auch die Startgebühr von rund 30 Euro erlassen bekommen hätten. Im Vorjahr waren acht Flüchtlinge an den Start gegangen. Bis jetzt haben sich 255 Teilnehmer angemeldet. Nach dem erstem Brief hätten sich bereits über 40 Teilnehmer wieder abgemeldet. „Ich gehe davon aus, dass die Angst hatten“, sagt Reutzel.

Unbekannter Urheber

Manfred Scheid-Varisco zweifelt indes daran, dass es die Gruppe „Nationaldeutscher Bürger Büdingen“ überhaupt gibt. „Wir wissen ja, dass die Rechten gerne solche Spiele spielen“, sagt er und verweist darauf, dass das Weinfest eine relativ kleine Veranstaltung sei, an der kaum einer der knapp 600 in Büdingen lebenden Flüchtlinge teilnehmen werde.

Gleichwohl ist es nicht das erste Mal, dass Büdingen in den vergangenen Monaten für Negativ-Schlagzeilen sorgt. Bei der Kommunalwahl im März erreichte die NPD über zehn Prozent. Bereits am 30. Januar 2016, dem Jahrestag der Machtergreifung Hitlers, marschierten NPD-Mitglieder durch Büdingen.

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