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Invasion bleibt aus: Nasses Frühjahr, wenig Wespen

Im August und September sind oft Scharen von Wespen unterwegs, angelockt durch Grillfleisch oder Süßes. Ob es eine Wespenplage gibt, hängt auch vom Wetter im Frühjahr ab.
Wespen fliegen auf kohlehydrathaltige Lebensmittel. Foto: Frank Rumpenhorst (dpa) Wespen fliegen auf kohlehydrathaltige Lebensmittel.
Frankfurt.  Es gibt ausgesprochene Wespenjahre. Dieses ist in weiten Teilen Deutschlands bisher keines - im Westen und im Süden, wo es im Frühjahr ausgiebig geregnet hat. «Die Wespen sind einfach abgesoffen», sagt Melanie von Orlow vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Anders in Brandenburg, wo die promovierte Biologin als Imkerin Honig erntet: «Hier sind die Wespen gut davongekommen.» Denn im Nordosten Deutschlands war es auch im Frühjahr trocken.

Die Witterung im Frühling ist darum so wichtig, weil das die Zeit ist, in der die Wespenkönigin die ersten Eier legt und die erste Brut füttert. Es wachsen Arbeiterinnen heran, die sich dann um das wachsende Wespenvolk kümmern. Im August und September sind die Völker am größten - und suchen ihre Nahrung gerne am Kaffeetisch oder auf dem Grillfest.

Ihnen geht es in Städten grundsätzlich besser als auf dem Land, sagt Melanie von Orlow: «Hier gibt es immer was zu futtern, und sei es nur in Abfalleimern». Im Auftrag der Nabu-Fachgruppe für Hautflügler berät sie auch besorgte Bürger und siedelt Wespen und Hornissen um, die sich im Gartenschuppen oder in Rollladenkästen eingenistet haben.

Eigentlich geht es nur um zwei Arten, die den Menschen lästig werden: die Gemeine Wespe (Vespula vulgaris) und die Deutsche Wespe (Vespula germanica). Sie bauen ihre Nester in dunklen Höhlen, etwa unterirdisch in Wühlmausgängen oder oberirdisch auf Dachböden. Die Wespenkönigin zerkaut morsches oder verwittertes Holz und verarbeitet die Papierfasern zu sieben Brutwaben, die sie mit einer schützenden Nesthülle umgibt.

In jeder Wabe legt sie ein Ei ab. Die Larven füttert sie mit zerkauten Insekten. Aufgrund der Pheromone, Duftstoffe, die von der Königin abgegeben werden, schlüpfen aus den verpuppten Larven nur sterile Weibchen: Arbeiterinnen, die nun das Nest weiterbauen und den weiteren Nachwuchs der Königin großziehen. So wächst ein Volk von 3.000 bis 4.000 Individuen heran, selten bis zu 10.000.

Im Spätsommer gibt die Königin weniger Pheromone ab. Nun können sich auch fruchtbare Weibchen entwickeln, junge Königinnen für das Folgejahr. Aus unbefruchteten Eiern schlüpfen Männchen: die Drohnen, die gleich nach der Paarung sterben. Im Spätherbst stirbt auch die Königin und mit ihr der gesamte Staat. Nur die jungen, künftigen Königinnen überwintern in Hohlräumen, in Holzritzen oder unter Rinde und Moos, wo sie in Winterstarre verfallen.

Wespen können Angst spüren


Wespen fressen Baumschädlinge oder Blattläuse. «Ein kleiner Wespenstaat vertilgt bis zu 3.000 Fliegen, Mücken, Raupen, Motten, Spinnen und andere Kleintiere pro Tag», informiert der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND). Mit ihrem Giftstachel lähmen sie die Insektenbeute und schützen das Nest vor Angriffen anderer Insekten. Vor Hornissen etwa, die gerne Wespen verspeisen.
Ein vermeintlicher Angreifer ist auch der Mensch, wenn er hektisch mit den Armen fuchtelt oder eine Wespe wegpustet, die doch nur an der süßen Limonade nippen wollte. Der alte Rat, Ruhe zu bewahren, macht noch immer Sinn, heißt es beim BUND: «So unglaublich es klingt, die Wespen bemerken unsere Angst, Angstschweiß ist für sie ein Warnsignal».

Wespen brauchen Kohlenhydrate, also Nektar oder Ausscheidungen von Blattläusen, um sich selbst zu ernähren. Süße Getränke oder leckeres Obst locken sie natürlich besonders an. Ihren Nachwuchs hingegen ziehen sie mit Eiweißen auf: Fliegen und Spinnen - oder Steakfasern und Grillwursthäppchen.
Der Nabu rät zur klassischen Wespenabwehr: Nahrungsmittel und Getränke im Freien von vornherein abdecken. Parfüm meiden, weil der Duft die Insekten anlockt. Auch farbenfrohe Kleidung zieht Wespen an. Wer allergisch auf Insektengift reagiert, sollte Notfallmedikamente immer bei sich tragen und den raschen Umgang mit ihnen vorher geübt haben.

Der Wespenstachel bleibt nicht in der Haut stecken wie der Stachel der Biene, der das Gift autonom weiter in die Blutbahn pumpt. Wespen sterben auch nicht nach dem Stich, sondern können mehrmals zustechen - auch dann noch, wenn sie bereits verendet sind. Wenn sie in der Nähe des Nestes zustechen, schütten sie zugleich Alarmpheromone aus, um Artgenossen zu Hilfe zu rufen.

Wer ein Wespennest bei sich am Haus entdeckt, muss nicht in Panik geraten. Umweltverbände oder untere Naturschutzbehörden können Rat und Hilfe bieten. «Zwei Meter Abstand sollte man schon halten», empfiehlt Melanie von Orlow, die solche Situationen nur zu gut kennt. Vor allem aber: «Wespen mögen keine Erschütterung. Wenn man nur vorbeigeht, stört sie das nicht.» In die Flugbahn sollte man ihnen allerdings nicht treten. Insektengitter an den Fenstern schützen Innenräume vor dem Eindringen der Wespen. epd

 
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