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Tierisch guter Unterricht: Schulen in Hessen: Hunde unterstützen Lehrer beim Unterricht

An Hessens Schulen erfreut sich tiergestützte Pädagogik immer größerer Beliebtheit. Dabei darf der beste Freund des Menschen mit ins Klassenzimmer, um Kindern gezielt beim Lernen und dem Bewältigen des Schulalltags zu helfen. Auch die August-Gaul-Schule in Hanau führt das Projekt jetzt ein.
Nur ausnahmsweise: Labrador-Retriever Jerry darf neben seinem Frauchen, Rektorin Corinna Heller, auf dem Lehrerpult sitzen. Foto: Michelle Spillner Nur ausnahmsweise: Labrador-Retriever Jerry darf neben seinem Frauchen, Rektorin Corinna Heller, auf dem Lehrerpult sitzen.
Hanau. 

Was damals noch als „Bring-dein-Haustier-in-die-Schule-Tag“ bekannt war, wird nun in Form eines tiergestützten Unterrichts auf ein ganzes Schulkonzept ausgeweitet: In Hessens Schulen sollen Hunde den Kindern dabei helfen, besser mit dem Schulalltag zurechtzukommen. Dabei erfüllt der Vierbeiner verschiedene Aufgaben: Seine Anwesenheit soll eine vorurteilsfreie und sichere Atmosphäre schaffen und den Kindern zeigen, wie es ist, Verantwortung zu übernehmen. Die Unterrichtsstunden, in denen der tierische Helfer anwesend ist, sind dabei meist fest im Lehrplan verankert. In einer AG und speziellen Schulhundstunden sollen die Kinder auf den pelzigen Klassenkameraden vorbereitet werden.

Pädagogisches Ziel ist, die Kinder zu erreichen

Von dieser Idee verspricht sich Corinna Heller, Direktorin der August-Gaul-Schule in Hanau, vor allem eines: „Mit dem Hund in der Klasse will ich neue Zugänge für die Kinder schaffen“, sagt sie, „viele Kinder haben durch schwierige häusliche Verhältnisse kein gutes Menschenbild. Das wird zum Glück nicht auf Hunde projiziert. Also kann der Hund die Kinder auf einer Ebene erreichen, die wir in den Stunden nicht aktiv auf individueller Basis fördern können.“

Ihr Schützling, der acht Monate alte Jerry, ist allerdings noch nicht in den Klassenzimmern unterwegs. Der Labrador-Retriever befindet sich noch in der Ausbildung der Hundeschule SchnauzenWelt. Dort soll der Hund lernen, wie er sich in bestimmten Situationen zu verhalten hat. Aber auch der Besitzer bekommt dadurch ein besonderes Gefühl für seinen Gefährten: „Mir wird beigebracht, zu erkennen, wann es meinem Hund zu viel wird und er seine Ruhe braucht“, erklärt die Rektorin. „Deshalb darf Jerry, wenn es so weit ist, nur mit mir in die Unterrichtsstunde gehen, da wir zusammen als Team dafür ausgebildet wurden.“

Damit Jerry in die Klassen mitgenommen werden kann, ist aber nicht nur eine Teamausbildung notwendig. Auch die Eltern, das Kollegium und das Schulamt müssen zustimmen. „Das Kollegium ist dabei die erste Instanz, die zustimmen muss. Danach müssen die Eltern und Kinder einverstanden sein, Allergien und Phobien müssen ausgeschlossen werden“, listet Corinna Heller auf. „Erst, wenn schulintern alles geregelt ist, können wir den Antrag beim Schulamt stellen. Dort werden dann Versicherung, Hygiene und die Gesundheit des Tieres vertraglich abgesichert.“

Um Eltern und Kinder zu überzeugen, ist auch die Wahl der Hunderasse und der Farbe ein wichtiger Faktor. „Grundsätzlich sind fast alle Hunderassen als Schulhund geeignet, jedoch sind Labrador-Retriever bekannt dafür, dass sie kinderfreundlich und menschenorientiert sind. “

Insgesamt gibt es in Hessen momentan 103 Schulen, die tiergestützte Pädagogik eingeführt haben, deutschlandweit belaufen sich die Zahlen auf 464 Schulen. Damit sich alle Lehrer der verschiedenen Schulen in Hessen untereinander austauschen und von ihren Erfahrungen berichten können, finden zweimal jährlich Rhein-Main-Arbeitskreise statt. Sylke Schmidt, selber Lehrerin an einer Gesamtschule in Taunusstein, organisiert diese Treffen. „In diesen Veranstaltungen sollen sich Lehrer vernetzen können und sich gegenseitig Hilfestellung leisten“, erklärt sie.

Paula gehört schon zum Inventar

Schmidt nahm das Projekt 2010 in die Hand, als sie ihren Labrador Paula bekam. Seitdem wächst die Begeisterung in allen Regionen. Ihre sechsjährige Hündin hat schon einige Erfahrungen in Klassenzimmern gesammelt und ist mittlerweile fester Bestandteil der Schulstunden. „Jeden Morgen stürmen die Kinder in das Klassenzimmer und fragen ganz aufgeregt, wo Paula ist“, freut sich die Lehrerin. Sie resümiert: „Vor allem schüchterne Kinder finden in dem Hund einen Klassenkameraden, der sie nicht verurteilt und nicht auslacht. Das hilft den Schülern ungemein, sich frei von Scheu zu entwickeln.“

Tierschutzrechtlich stünde dabei nichts im Weg, solange die Ausbildung erfolgreich abgeschlossen sei und alle Instanzen informiert sind, sagt die hessische Tierschutzbeauftragte Madeleine Martin.

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