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Karriereberatung: Wann soll man wechseln?

Mal etwas ganz anderes machen, nicht bis zur Rente in einem unbefriedigenden Job bleiben – davon träumen viele. Und die früheren Banker, die wir in unserer Serie porträtieren, haben diesen Traum verwirklicht. Doch bevor jemand einen Umstieg wagt, sollte er gründlich nachdenken, auch darüber, ob er vielleicht generell in einer Midlife Crisis steckt und ihn ein Jobwechsel wirklich glücklicher macht. Das betont Kerstin Ercolino, Karriereberaterin und Coach bei Rundstedt, im Gespräch mit Redakteurin Pia Rolfs.
fish change concept Foto: (61731011) Lust auf Veränderung oder erzwungener Sprung ins kalte Wasser – beides kann zur Neuorientierung führen.
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Kerstin Ercolino

In unserer Serie stellen wir Ex-Banker vor, die sich in ganz anderen Branchen selbstständig gemacht haben. Sind solche Umorientierungen eine Entwicklung, die Sie in letzter Zeit häufiger beobachten?

ERCOLINO: Ja, es kommt immer häufiger vor, dass sich Menschen Gedanken darüber machen, wie sich ihre Karriere entwickelt hat, und sich fragen: Ist es das, was ich in den nächsten Jahren tun möchte? Kann ich hier all meine Talente ausleben, oder sollte ich über Alternativen nachdenken?

Hat das damit zu tun, dass das Arbeitsleben immer länger dauert?

ERCOLINO: Ja, das ist ein Grund dafür. Aber es haben sich auch der Arbeitsmarkt und unsere Gesellschaft verändert. Kaum noch jemand arbeitet heute bis zur Rente in ein und demselben Unternehmen. Man kann und darf nach Alternativen schauen. Deswegen gibt es die Tendenz zur Mosaikkarriere: Man arbeitet mal in einer bestimmten Branche, in bestimmten Projekten, macht dann aber wieder etwas ganz anderes.

Wie sollte man einen solchen Wechsel vorbereiten?

ERCOLINO: Am Anfang steht eine Reflexion und ganz konsequente Standortbestimmung, vielleicht mit professioneller Unterstützung. Man sollte sich überlegen, wo die eigenen Stärken und Schwächen liegen, was einem besonders Spaß macht – und daraus ableiten, wohin die Reise noch gehen kann.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für den Umstieg?

ERCOLINO: Darauf gibt es keine pauschale Antwort. In einer Krisenbranche oder wenn es dem eigenen Unternehmen nicht gut geht, wird man vielleicht eher gezwungen, sich Gedanken zu machen. Wenn die Branche aber boomt, kann man länger darüber nachdenken, ob man den Job weitermachen will.

Ist so ein Wechsel nur bis zu einem bestimmten Alter ratsam?

ERCOLINO: Nein, das glaube ich nicht. Wenn man in die Selbständigkeit geht, einen guten Businessplan und ein gutes Geschäftsmodell hat, gibt es keine Altersbegrenzung. Natürlich kommt es auf die Tätigkeit an. Manche gehen etwa in die Beratung, da ist es gut, wenn jemand möglichst viel Reife und Erfahrungen mitbringt.

Sind die späten Umstiege in eine andere Branche auch dadurch bedingt, dass die Menschen immer länger fit bleiben und sich jünger fühlen?

ERCOLINO: Ja, der gesellschaftliche Begriff von Alter hat sich geändert. Die Silver Ager sind im Arbeitsleben noch sehr aktiv. Aber die Gesellschaft entwickelt sich schneller als manches Unternehmen, das noch glaubt, ab 50 sei jemand nicht mehr leistungsfähig.

Wenn man sich nicht selbständig machen will, sondern eine Festanstellung anstrebt, was muss man bei der Bewerbung beachten?

ERCOLINO: Man muss versuchen, den Brückenschlag zwischen alter und neuer Tätigkeit hinzubekommen. Man sollte sich mit der Branche, in die man wechseln will, vorher auch gut auseinandersetzen. Und letztlich muss man den Arbeitgeber überzeugen und ihm zeigen, dass jemand aus einer anderen Branche andere Perspektiven und Erfahrungen einbringt. Das klappt allerdings nicht immer. Manche Branchen, etwa die Automobilindustrie oder die Finanzdienstleistungen, sind noch sehr geschlossen. Dorthin zu wechseln ist nicht so einfach. Und manchmal ist ein Wechsel schlichtweg unrealistisch.

Wie kann man herausfinden, ob man sich nur in einer persönlichen Midlife Crisis befindet oder ob ein Jobwechsel wirklich das Richtige ist?

ERCOLINO: Indem man sich sehr gut hinterfragt, vielleicht auch mit Unterstützung eines Karrierecoachs. Denn man stellt sich selbst nicht immer die richtigen Fragen und beantwortet sie nicht immer ehrlich. Und manchmal ist es wirklich eine Sinnfrage, eine Midlife Crisis, die dahintersteckt. Dann muss man herausfinden, ob ein Jobwechsel das Gesamtgefühl verbessern würde.

Sind Ihrer Erfahrung nach die Menschen, die einen Wechsel gewagt haben, hinterher zufriedener?

ERCOLINO: Diejenigen, die ich kenne, die ihren Wechsel oder Quereinstieg gut durchdacht haben und bei denen er nicht nur eine Notlösung war, sind hinterher zufriedener und glücklicher.
 

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