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Am Flughafen wird niemand alleingelassen

Ob Gipsbein, Rollstuhl oder alleinreisende Kinder, am Frankfurter Flughafen wird niemand alleingelassen. Die Klasse 4c der Geschwister-Scholl-Schule in Steinbach schaute sich an, wie alle wohlbehalten an ihr Ziel kommen.
Frankfurt. 

«Hier sieht es ja wie in einem Kinderhaus aus», ruft Nadine begeistert, als wir nach dem hektischen Betrieb im Terminal 1 die Räume der FraCareServices betreten. Und tatsächlich ist hier alles anders: Ein großes, helles und in Orangetönen gehaltenes Kinderspielzimmer mit Malecke, Tischfußball, Spielekonsolen, Fernseher sowie jeder Menge Spielkisten lädt zum Spielen ein. Daneben ein gemütlicher Ruheraum voll mit blauen Kissen.

Aber dies ist kein normales Kinderzimmer, hier werden alleinreisende Kinder bis zu ihrem Abflug von Mitarbeitern der FraCareServices betreut, dann bis zum Flugzeug begleitet und dort einer Flugbegleiterin übergeben. So kommt ein alleinreisendes Kind sicher an sein Reiseziel. «Aus Sicherheitsgründen muss dieser Service für alleinreisende Kinder von fünf bis zwölf Jahren dazu gebucht werden, für Ältere bis 17 Jahren kann dieser Service aber auch in Anspruch genommen werden», erklärt Astrid Holstein, die Leiterin der FraCareServices.

Im Betreuungszimmer wartet die zwölfjährige Leonie aus Böblingen bereits. Sie ist schon öfter geflogen, aber heute fliegt sie zum ersten Mal alleine ohne ihre Eltern zu ihrer Brieffreundin nach Birmingham. «Angst habe ich keine, aber ein bisschen aufgeregt bin ich schon», sagt sie fröhlich. Man erkennt schon von weitem, dass sie ein alleinreisendes Kind ist: Sie hat eine leuchtend gelbe Tasche umgehängt, in der sich Bordkarte, Pass, Impfschein und ein gelbes Formular befinden, der Betreuungshinweis für alleinreisende Kinder. Auf dem steht auch, wohin sie fliegt, wer das Kind zum Flughafen gebracht hat und wer es am Reiseziel abholen darf.

Dieser Betreuungsservice kostet für einen Flug innerhalb Deutschlands oder Europas bei Lufthansa pro Strecke 40 Euro, ganz gleich, wie lange die Flugstrecke auch ist. Die Eltern von Leonie haben sie selbst zum Frankfurter Flughafen gebracht und zahlen das Geld gerne, denn so wissen sie, dass Leonie auch bei Flugausfällen oder anderen Überraschungen sicher ans Ziel kommt.

Michelle, Teti, Yaren, Fillesa, Yves, Calvin, Leon und Ebru

PRM – kein Problem

Aber die FraCareServices betreut nicht nur alleinreisende Kinder. Vor allem behinderte Menschen oder Passagiere mit Mobilitätseinschränkung werden hier versorgt und bis zum Flugzeug begleitet.

Mobilitätseingeschränkte Menschen haben zum Beispiel ein Gipsbein, sind blind, auf einen Rollstuhl angewiesen oder einfach schon etwas älter und können so nicht alleine die langen Wege an einem Flughafen bewältigen. Dieser Betreuungsservice kostet nichts und wurde durch die EU-Verordnung 1107/2006 notwendig. In der steht, dass auch sogenannte PRM (Passenger with reduced mobility) von den Fluggesellschaften befördert werden müssen und der jeweilige Flughafen die Betreuung organisieren muss.

«Mit dem Rollstuhl ins Flugzeug? Wie soll das denn gehen?», fragt Maximilian. «Das werde ich euch zeigen!», sagt Brigitte Press, die Geschäftsführerin der FraCareServices und setzt sich schnell in einen faltbaren Rollstuhl. Auf dem gemeinsamen Weg bis zum Flugzeug erfahren wir viel von ihr.

Damit dieser Betreuungsservice für PRM reibungslos ablaufen kann, sollte der Fluggast bis spätestens 48 Stunden vor Abflug über das Reisebüro oder die Fluggesellschaft seinen Betreuungsbedarf anmelden. Aber auch nicht angemeldete PRM werden betreut, müssen aber eventuell mit Wartezeiten rechnen.

Mitarbeiter der FraCareServices sind extra geschult, um die PRM-Gäste zu begleiten. Sie haben auch Sonderausweise, um durch alle Sicherheitskontrollen hindurch den Fluggast betreuen zu können. Die FraCare-Mitarbeiter sind über ein Handheld, das sieht aus wie ein großes Handy, bestens informiert. So wissen sie, wie der Fluggast heißt, wohin er fliegt, welche Behinderung er hat und was man im Umgang mit ihm besonders beachten muss. Sogar die Information, wenn ein Aufzug im Flughafen defekt ist, wird über das Handheld mitgeteilt. Rollstühle dürfen nämlich nicht auf einer Rolltreppe, sondern nur in einem Aufzug befördert werden.

PRM werden genauso kontrolliert wie andere Fluggäste, sie haben eine Bordkarte und ihren Pass dabei, es gibt für sie nur extra Durchgänge. Wenn sie mit einem Bus zum Flugzeug fahren müssen, ist dies ein besonderer Bus für Behinderte. Er hat eine ausklappbare Rampe zum Hochfahren, und im Bus selbst werden die Rollstühle zur Sicherheit festgegurtet.

Wie kommt nun der Rollstuhl ins Flugzeug? Er wird in ein spezielles Fahrzeug, einen Hubwagen, gefahren. Dieser kann den Passagier mit Rollstuhl in einer Kabine hochkranen, von dort geht es dann direkt über eine Rampe ins Flugzeug. Natürlich ist der PRM nicht alleine, er wird immer begleitet und betreut.

Pascal, Maily, Moritz, Luca, Phitthawat, Lukas, Hajar, Benjamin, Maximilian

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