Auch die Provinz braucht Kultur

Kultur in der Provinz – muss das überhaupt sein? Frankfurt und Wiesbaden sind schließlich nicht weit, und da gibt es jede Menge Theater, Museen und Konzerthäuser. Kultur in der Provinz muss trotzdem sein, sagt Klausjürgen Herrmann, Kulturschaffender aus Bad Camberg.

Kultur in der Provinz – muss das überhaupt sein? Frankfurt und Wiesbaden sind schließlich nicht weit, und da gibt es jede Menge Theater, Museen und Konzerthäuser. Kultur in der Provinz muss trotzdem sein, sagt Klausjürgen Herrmann, Kulturschaffender aus Bad Camberg.

Bad Camberg. Er werde oft gefragt, warum er das alles überhaupt mache, sagt Klausjürgen Herrmann. «Schließlich gibt es doch genug», sagen die Leute. Und Klausjürgen Herrmann fragt zurück: «Genug von was?» Genug Kultur könne es doch gar nicht geben. Und so organisiert Klausjürgen Herrmann weiter Konzertreihen und Kunstausstellungen.

Seit 40 Jahren ist der gelernte Industriedesigner in Sachen Kultur engagiert. Damals kam er nach Bad Camberg. Er kann sich noch genau erinnern an den Fastnachtsumzug und den Leiterwagen, auf dem stand: «Bad Camberg schläft». Seitdem ist viel passiert, sagt Klausjürgen Herrmann.

Bad Camberg ist keine Kultur-Metropole geworden, aber es schläft nicht mehr. Wer will, kann Theater sehen, bildende Kunst und klassische Konzerte hören. Es gibt die Kurkonzerte und Theaterabende der Kulturverwaltung, es gibt die regelmäßigen Ausstellungen in der Amthofgalerie und jede Menge Konzertreihen. Klausjürgen Herrmann ist fast überall engagiert. Er hat die Reihe «Musik und mehr» organisiert, das «Festival der leisen Töne», «Kunst im Werk» die «tArt-Orte». Er ist Vorsitzender des Vereins für Kunst und Kunstförderung und auch bei der Kultur-Aktion «Ab in die Mitte» der Stadt Bad Camberg aktiv.

Im Grunde mache er das alles für sich selbst, sagt Klausjürgen Herrmann. Weil er sich ein Leben ohne Kultur einfach nicht vorstellen kann, weil er es immer wieder genießt, ein schönes Konzert zu hören. Und weil er sich freut, wenn er die Menschen verblüffen kann – mit großer Kunst in der Provinz. Oder wenn er sie berühren kann – mit Musik oder Kunst. «Und nur wer kreativ ist, kann die Probleme dieser Welt lösen.»

Und es gibt auch ökonomische Gründe für die Kultur: Schließlich sei ein kulturelles Angebot ein weicher Wirtschaftsfaktor. «Kultur kann Menschen in die Region holen, und wenn das Angebot gut ist, bleiben sie vielleicht auch mal für mehrere Tage.» Auf alle Fälle sei eine Gemeinde gut beraten, für ein breites Angebot zu sorgen. Schließlich sei Kultur auch für viele Unternehmen ein Standortfaktor.

Finanziell gesehen lohne sich Kultur natürlich erst einmal nicht – aber rote Zahlen habe er noch nicht schreiben müssen. Er habe immer noch genug Sponsoren aufgetrieben. «Aus den Eintrittsgeldern allein könne man Kultur aber auch in der Provinz nicht finanzieren.» Ihren Zweck erfüllt sie aber auch dort: Schließlich führt sie die Menschen überall zusammen. «Kunst schlägt Brücken gesellschaftlicher und sozialpolitischer Art.» Und mit dem Brücken schlagen fange man am besten schon bei den Kindern an. sbr

Zur Startseite Mehr aus Themen von A bis Z

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen