Auf Tuchfühlung mit großen Tieren

Einen Sonnenbrand konnten sich die 32 Kinder der Klassen 4a und 4b der Friedrich-Ebert-Schule in Kilianstädten nur schwer vorstellen, als sie sich bei Aprilwetter zum Recherche-Ort Hof Buchwald in Windecken aufmachten. Zur Begrüßung gab es erst mal einen heißen Tee – und viele Infos.
Das ist vorbildlicher Reporter-Einsatz auf dem Bauernhof: Das Motiv wird mit Futter angelockt und dann fotografiert!	Fotos: Privat Das ist vorbildlicher Reporter-Einsatz auf dem Bauernhof: Das Motiv wird mit Futter angelockt und dann fotografiert! Fotos: Privat
Nidderau. 

Acht Expertengruppen hatten sich im Unterricht zum Thema "Gewässerschutz und Landwirtschaft im Kreislauf" gründlich vorbereitet – und machten nun den Hof unsicher. Sie waren ausgerüstet mit Reporter-Ausweis, Schreibblock und jeder Menge Fragen.

Der Hof Buchwald – seit 2010 Biolandbetrieb – besitzt 150 Mastbullen, 215 Mastschweine, Hühner, Hasen, Ziegen, Schafe, Pferde und einen Hofhund. Die Familie Vogel betreibt ihn seit 1930 und mittlerweile seit 42 Jahren auf dem Ohlenberg.

Die erste Überraschung für die Klasse 4b: Wegen der Hygienebestimmungen für Bio-Schweine mussten alle Schutzkleidung tragen. Mit großem Gelächter zwängte man sich in die Overalls. "Ich fühle mich wie eine rotschwarze Wurst!", sagte Emma. Landwirtin Silke Vogel erklärte den Unterschied zwischen konventioneller und biologischer Tierhaltung. Die Schweine auf dem Hof haben einen großen Freilauf und dürfen fressen, wann sie wollen. Jeder Schweinestall hat verschiedene Klimazonen mit Tageslicht. Max meinte: "Bio-Schweine sind glückliche Schweine!"

Der Biohof Buchwald kauft die jungen Tiere von einem Bio-Mastbetrieb. Die Bullen fressen ganze Maispflanzen und bekommen auch etwas Kleegras. Die Schweine erhalten Ackerbohnen, Gerstenschrot, Triticale (Kreuzung aus Weizen und Roggen) und ein bisschen Weizen. Wenn die Tiere schlachtreif sind, werden sie auf Bio-Schlachthöfe gebracht. Schlachtreif sind die Schweine mit etwa 100 Kilo, die Bullen mit rund 600 Kilo. Das sind im Jahr etwa 600 Schweine und 75 Bullen.

Sau mit Sonnenbrand

Der Hof umfasst 100 Hektar Ackerland und zehn Hektar Dauergrünland. Eine Fruchtfolge dauert sieben Jahre. Die Archäologin Heike Lasch grub eine kleine Weizenpflanze aus dem Feld und fragte: "Wie viele Weizenkörner benötigt man für ein Brot?" "Einen ganzen Schultisch voll!", war die richtige Antwort.

Die Samenkörner werden mit 30 Zentimetern Abstand ausgesät, damit die einzelne Pflanze Platz zum Wachsen hat. Eine Weizenpflanze hat zwei bis drei Ähren, eine Ähre hat 25-40 Körner.

Weiter ging es zum Güllebehälter! Dafür hatten die Bullen fleißige Arbeit geleistet . . . In der riesigen Silage, die aus gehäckseltem und getrocknetem Mais bestand, nahmen die Reporter eine Kostprobe. "Die Körner schmecken nach Sauerkraut!", rief Paul.

Eine Gemeinsamkeit mit den Menschen: Schweine können Sonnenbrand bekommen! Silke Vogel erzählte: "Einmal rannten wir den Schweinen hinterher, um sie mit Sonnenmilch einzucremen." Kein Wunder, dass Pfarrer Otto Löber, der die Recherchegruppe "Schweine" betreute, meinte: "Die Schweine hier fühlen sich sauwohl!"

Dem Menschen ähnlich

"Schweine sind neugierige, intelligente, verspielte und saubere Tiere, aber sie dösen auch gerne. Sie liegen am liebsten in Gruppen zusammen und wärmen sich gegenseitig. Außerdem sind ihre Organe denen der Menschen sehr ähnlich. So werden Menschen etwa Herzklappen vom Schwein eingesetzt", erzählte Otto Löber vom Freundeskreis Buchwald.

Seitdem der Bauernhof zu einem Bio-Mastbetrieb umgewandelt wurde, sei die Lebensqualität der Schweine viel höher. Im Biobetrieb leben die Schweine auf viel größerem Raum zusammen. Jonas, Eric, Lennart und Maxi fanden heraus, dass die Schweine ein Gemisch aus geschrotetem Mais, Gerste und zur Abwechslung Kleegras fressen. Ein Schwein frisst von diesem Futter 1,5 bis drei Kilo täglich. Dies führt zu einer Gewichtszunahme von 750 Gramm am Tag. In etwa vier Monaten kommen die Schweine auf ein Schlachtgewicht von 110 Kilo.

Die vier jungen Reporter trauten sich sogar, Schweinefutter zu kosten. "Schmeckt gar nicht so schlecht", meinte Jonas.

Von Peter Benyhe, Nada Bouhmid, Anika Brücker, Emma Dabo, Adriano Demartin, Vanessa Fachinger, Finn Freywald, Helena Fuchs, Florian Grein, Corinna Hanich, Marc Hornung, Paul Kellert, Hicham Moussaoi, Manuel Ullrich und Marc Ulrich.

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