Beautysalon für Vierbeiner

"Dürfen wir auch alle mal reiten?", wollte Sabrin aus der Klasse E2 b der Grundschule in Köppern wissen. Die Frage war berechtigt, denn als Sechs- bis Siebenjährige weiß man noch nicht viel mehr über einen Reiterhof. Das hat sich aber bei dem Besuch im Reitschulzentrum Hardtwald in Bad Homburg geändert. Die 20 Kinder haben als Nachwuchsreporter mit ihrer Lehrerin Ute Kühn eine Menge über Pferde, ihre Haltung und vor allem auch über ihre Pflege erfahren.
Der Hufschmied-Lehrling Maximilian Mortensen schleift das Klassen-Glückshufeisen. Fotografen: Viktoria Albert, Clara Kowalski Der Hufschmied-Lehrling Maximilian Mortensen schleift das Klassen-Glückshufeisen. Fotografen: Viktoria Albert, Clara Kowalski
Bad Homburg. 

Mitten im Hardtwald von Bad Homburg, nur fünf Minuten von der Innenstadt entfernt, liegt das Reitschulzentrum. Die Anlage hat eine Reithalle, einen großen Außenreitplatz, zwei Paddocks und Stallgebäude mit Innen- und Außenboxen. 30 Boxen gibt es. Fünf stehen zurzeit leer. In den anderen stehen 15 Schulpferde und 10 private Pferde. Die werden nur von den Besitzern geritten oder auf Wunsch von Reitlehrern zur Korrektur. Die Schulpferde werden von ungefähr 100 Kindern und 80 Erwachsenen geritten.

Michaela Koch, Sport- und Fitness-Kauffrau und eine der sieben Angestellten, führt durch die Anlage und erzählt: "Pferde fressen Brot, Karotten und Äpfel. Das nennt man Saftfutter, weil es saftig ist, wie wenn man in einen Apfel beißt. Zusätzlich gibt es noch das Raufutter, dazu gehören Heu und Stroh. Das bekommen die Pferde beim Misten zwischen 8 und 9 Uhr und gegen 16 Uhr. Und dann gibt es noch drei Mal am Tag das Kraftfutter, das die Pferde brauchen, weil sie so viel laufen. Es gibt drei Sorten. Das sind Pellets, die aussehen, wie die für die Kaninchen. Hafer bekommen die Pferde, damit sie schneller werden. Müsli bekommen sie auch noch. Das wird so ähnlich gemacht wie für uns, da sind auch Cornflakes drin."

Milch ist verboten

Emily findet es toll, dass sie das Essen auch mal probieren kann. Es gibt auch ein Müsli, das die Pferde bekommen, wenn sie Husten oder einen Vitaminmangel haben. Nur Milch bekommen sie nicht, denn das ist nicht gut für sie. Die fressen das trocken. Das Raufutter bekommt das Reitschulzentrum vom Bauern, und die Pellets und das Müsli werden mit einem Lkw geliefert. Pferde trinken Wasser und das in großen Mengen. Etwa 30 Liter am Tag bei einem Gewicht von 500 Kilo. Einmal pro Tag wird jede Box ausgemistet, und das gibt ungefähr drei Container voll Mist. In einen Container passt Mist aus acht bis zehn Boxen. Wenn die Container voll sind, werden sie auf einen Misthaufen gefahren. Wenn der Misthaufen voll ist, kommt der Bauer mit einem Traktor und einem Anhänger, lädt den Mist auf den Anhänger, fährt damit auf sein Feld und verteilt den Mist darauf als Dünger.

Alles aus echtem Leder

In der Sattelkammer hängen alle Sättel der Pferde, die auch geritten werden. Ohne Sattel ist es etwas unbequem. Vorne hängen die Trensen, mit denen man die Pferde lenkt und steuert. Die Sattel sind alle aus echtem Leder. Wenn sie im Winter draußen hängen würden, würden sie schimmeln. Um das zu verhindern, steht im Winter eine Heizung im Raum. Im Sommer wird das Fenster aufgemacht. Wenn das Leder zu viel Hitze bekommt, fängt es an zu schwitzen. Deshalb muss man die Sättel auch immer gut pflegen. Sie werden mit Lederbalsam eingecremt, damit das Leder nicht trocken und brüchig wird.

Nicht nur die Sättel werden eingecremt. Auch für die Pferde gibt es hier ein ausgedehntes Beautyprogramm. Chaplin werden gerade die Füße eingefettet. Das ist für ihn wie für uns Handcreme. Damit bleibt der Nagel schön geschmeidig und wird nicht brüchig.

Michaela Koch geht mit uns ins Reiterstübchen, um uns noch weitere Beauty-Tipps für die Vierbeiner zu zeigen. Durch die große Scheibe sieht man in die Halle. "Das Pferd dort sieht aus wie rasiert", bemerkt Marc. Das ist es auch. Vorne ist es weiß und hinten gelb, das ist geschoren. Das funktioniert wie bei Papas Rasierapparat. Das Pferd hat auch eine kurze Mähne, so heißt der Behang am Hals.

Viele Pferde hier haben kurze Mähnen, weil es schöner aussieht, und weil es pflegeleichter ist. Wenn zehn Leute am Tag ein Pferd putzen, dann werden so nicht so viele Haare ausgerissen. Lange Mähnen sind im Sommer auf der Koppel von Vorteil, weil sie da als Sonnenschutz dienen und zum Fliegenvertreiben gut geeignet sind. Sie sind aber auch komplizierter, weil man sie vorsichtiger kämmen muss. Das ist wie bei langen Mädchenhaaren.

"Aber warum ist das Pferd hinten nicht geschoren?", will Lea Katharina wissen. Die Pferde hier werden tagsüber oft geritten, und nicht alle Reiter haben eine Decke dabei, um die Nieren abzudecken. Die dürfen aber nicht kalt werden, sonst wird das Pferd krank. Deshalb ist der Po nicht geschoren und das Fell ist quasi die Decke, die immer drauf ist. Vorne, wo das Pferd viel schwitzt, am Hals und am Bauch, da kann der Schweiß besser ablaufen, und das Fell bleibt nicht so nass. Hinten am Po schwitzen die Pferde auch nicht so viel.

Vor jedem Reiten werden die Pferde geputzt, um sie schick zu machen und um zu schauen, ob sie Verletzungen haben. Mit der Mähnenbürste werden Mähne und Schweif gebürstet. Anschließend werden mit der Kardätsche mit runden Kreisen der ganze Schmutz und die Haare aufgewirbelt, und mit einer anderen Bürste, die ganz weich ist, wird das Fell wieder gerade gemacht. Es wird immer in Richtung mit dem Fellwechsel gebürstet, nie gegen den Strich. Außerdem gibt es noch andere tolle Bürsten und Cremes, mit denen man das Fell schön glänzend machen und die Pferde aufhübschen kann. Im Sommer werden sie mit Pferdeshampoo gewaschen, aber nicht zu oft, damit die Fettschicht in der Haut nicht zerstört wird und sie nicht krank werden.

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