Der Kampf gegen die grüne Wiese

Von Riesige Einkaufsmärkte vor den Toren der Städte sorgen dafür, dass es immer weniger Einzelhändler in den Innenstädten gibt. Der Kampf dagegen scheint aussichtslos.
Welche Geschäfte es in Egelsbach gibt, zeigen die Schilder an der Zufahrt zum Gewerbegebiet. Welche Geschäfte es in Egelsbach gibt, zeigen die Schilder an der Zufahrt zum Gewerbegebiet.

Riesige Einkaufsmärkte vor den Toren der Städte sorgen dafür, dass es immer weniger Einzelhändler in den Innenstädten gibt. Der Kampf dagegen scheint aussichtslos.

Kreis Offenbach/Kreis Groß-Gerau. Verödete Innenstädte, nur noch Spielhallen und Internetcafés reihen sich aneinander. Die letzten alten Geschäfte machen zu. Manchmal, weil die Eigentümer altersbedingt aufgeben, manchmal weil es sich nicht mehr lohnt.

Ganz so schlimm ist es noch nicht, aber dennoch haben die Innenstädte immer mehr Probleme. Vor allem die großen Fachmarktzentren auf der grünen Wiese ziehen viel Kaufkraft aus den Stadtkernen. Schon vor rund 40 Jahren hat sich deshalb die Interessengemeinschaft City Neu-Isenburg (IG-City) gegründet. Auslöser damals war das Isenburg-Zentrum (IZ). Doch aus dem alten Gegner ist mittlerweile ein Verbündeter geworden.

Attraktivität steigern

Andrea Wicht, Center Managerin des IZ, erklärt, die ECE, der Betreiber des Centers, stehe für Standorte in der Innenstadt. «Deshalb arbeiten wir hier auch so gut mit der IG-City zusammen», sagt sie. Das geschieht natürlich nicht nur aus Nächstenliebe. Auch das große Shoppingcenter hat zu kämpfen. Das Fachmarktzentrum in Egelsbach, Weiterstadt mit seinem Einkaufszentrum und vielen Fachmärkten sind nur ein paar der Wettbewerber, welche die Managerin beschäftigen.

«Uns ist es wichtig, die Kaufkraft in den Städten zu halten», erklärt Andrea Wicht weiter. Ein Kampf, den auch der Vorsitzende der IG-City, Wolfgang Baumann, aufgenommen hat. Mit zahlreichen Aktionen versucht der kleine Verein seit Jahren, die Attraktivität der Isenburger Innenstadt, vor allem der Fußgängerzone, zu steigern.

«Unser größter Trumpf ist der Wochenmarkt», erläutert Wolfgang Baumann. Jeden Samstagvormittag ist in der Bahnhofstraße richtig viel los. Auch die Stadt unterstützt. So gibt es seit zwei Jahren regelmäßig Livemusik auf dem Wochenmarkt. Doch unter der Woche bleibt es meist recht ruhig. «Es fehlen gute Geschäfte», sagt der Vorsitzende der IG-City. Es habe sich zwar in den vergangenen Jahren einiges getan, aber es sei immer noch sehr schwierig. Mit Hilfe der städtischen Wirtschaftsförderung soll als Nächstes eine Bestandsaufnahme der innerstädtischen Flächen für Geschäfte vorgenommen werden. Und dann, so die Idee, vielleicht ein paar interessantere Geschäfte in die Fußgängerzone und Frankfurter Straße bringen.

Eher noch schlechter sieht es in Kelsterbach aus. «Die Familienunternehmen machen zu, es gibt keine Nachfolger mehr», sagt Bern Köhlhoffer, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Gewerbetreibender Kelsterbach (IGK). Vor allem im Unterdorf sieht es richtig schlecht aus, gibt er zu. Die grüne Wiese sei weniger das Problem, dafür allerdings der Wettbewerb mit der Nachbarstadt Raunheim. Viele Menschen fahren dorthin, um einzukaufen. Doch auch die IGK versucht gegen die Entwicklung anzukämpfen. Mit Straßenfesten wollen sie zeigen, dass es noch interessante Unternehmen in Kelsterbach gibt. Allerdings liegt der Schwerpunkt hierbei mehr und mehr auf dem Handwerk. In regelmäßigen Gesprächen mit Bürgermeister Manfred Ockel versuche die IGK weiterhin, Lösungen zu finden.

Kaufkraft fließt ab

Langen, dass ebenfalls mit einem Abfluss der Kaufkraft kämpft, ist da deutlich aggressiver. Ulrich Krippner ist Vorsitzender des Gewerbevereins 1877, ein Verein mit rund 145 Mitgliedern. «Der Einzelhandelsverein hat aufgehört. Viele seiner Mitglieder sind jetzt bei uns», sagt der Steuerberater. «Es ist ganz schwierig», antwortet er auf die Frage, wie er die Situation mit den Geschäften auf der grünen Wiese sieht. «Wir haben keine Flächen in der Innenstadt, die für große Lebensmittelmärkte attraktiv sind», erklärt Ulrich Krippner. Daher würde eben viel Kaufkraft nach Dreieich und Egelsbach, wo es große Fachmarktzentren gibt, abwandern. Ob die Orte damit glücklich seien, bezweifelt er. Mit verkaufsoffenen Sonntagen und viel Unterstützung seitens der Stadt würden sie gegen die Entwicklung ankämpfen.

Doch vielleicht ist das alles gar nicht mehr aufzuhalten. So wie es die Drogerien, die manch älterer Leser noch kennt, heute nicht mehr gibt, ändern sich auch die Innenstädte. Kleine Fachgeschäfte mit besonderer Auswahl und Service können vielleicht überleben. Doch der kleinere Lebensmittelladen ist schon so gut wie verschwunden. Stattdessen hat dort ein neuer Handyladen eröffnet.

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