Ein ganz besonderer Platz zum Leben

Sie haben einer alten Scheune neues Leben

Sie haben einer alten Scheune neues Leben

eingehaucht: Zu Besuch bei Familie Schmidt in Mensfelden.

Hünfelden-Mensfelden. Die Sache mit den vier Reihenhäusern kam von Anfang an nicht infrage. Als Peter Zerfass und seine Familie von einem Architekten wissen wollten, was mit ihrem alten Stall- und Scheunengebäude an der Hehner Straße in Mensfelden geschehen sollte, da schlug der Bau-Fachmann eine möglichst dichte Bebauung der Grundfläche vor: eben die vier Reihenhäuser.

«Das wäre die Möglichkeit gewesen, mit der man die Fläche hätte optimal finanziell ausschlachten können», blickt Peter Zerfass‘ Schwiegersohn Viktor Schmidt auf die damaligen Gedankenspiele zurück. «Da wurde uns erst bewusst, wie viel Platz in dem Gebäude ist», sagt seine Frau Nicole. Sie beschlossen, diesen Platz doch selbst zu nutzen, und so bauten sie die Scheune zum Wohnhaus um – direkt gegenüber der beiden Häuser an der Straßenfront des ehemaligen Bauernhofs, in der Nicole Schmidts Eltern und Großeltern leben.

«Das war eine sehr gute Entscheidung», sagt Nicole Schmidt. Auch Bernhard Meyer, der in der Kreisverwaltung Limburg-Weilburg die Dorferneuerung mitbetreut, teilt diese Einschätzung. «Das ist ein gutes Beispiel, wie man auch aus einer Scheune, die nicht zum alten Fachwerktyp gehört, etwas sehr Ansprechendes machen kann», sagt Meyer. Die Scheune mit Futterraum und Ställen im Erdgeschoss stammt aus dem Jahr 1960, ist also weit entfernt von den denkmalgeschützten Fachwerkhöfen, die sonst als Musterbeispiele der Dorferneuerung gelten. Das hinderte die Familien Zerfass und Schmidt aber nicht daran, aus ihr einen ganz besonderen Platz zum Leben zu machen.

Ein mit rund 60 Quadratmetern riesiger Flur empfängt den Besucher im Erdgeschoss. Er reicht quer durch das gesamte Gebäude. Zusammen mit dem offenen, verglasten Treppenhaus zur Hofseite und den großen Wohnzimmerfenstern zum Garten hin bleibt so der alte Charakter der Tenne erhalten, durch die einst die Wagen hindurchfuhren. Der ehemalige Schweinestall nebenan wurde zum Partyraum und kann zusammen mit dem Tennen-Flur genutzt werden. «Uns war es wichtig, dass wir hier auch mit Freunden und der Familie große Feste feiern können», sagt Nicole Schmidt.

Dabei stand es am Anfang überhaupt nicht fest, dass sie und ihr Mann sich für die alte Scheune entscheiden würden. «Als ein Neubaugebiet hier am Ortsrand in der Diskussion war, haben wir darüber auch nachgedacht. Als es da nicht voranging, wurde die Scheune wieder interessanter. Uns war wichtig, in der Nähe der Familie zu bleiben», blickt Nicole Schmidt zurück. Einen weiteren Anreiz gab das Dorferneuerungsprogramm, das Zuschüsse zur Sanierung bietet, wenn das Gebäude sein dörfliches Aussehen behält. «Wir hätten keine Metallfassade einbauen dürfen, aber das wollten wir auch nicht. Das Haus sollte seinen Scheunencharakter behalten», sagt Peter Zerfass.

Und so packten alle vom Frühjahr 2007 bis zum Einzug im Mai 2009 mit an. «Zum Glück sind wir handwerklich ganz ordentlich begabt», charakterisiert Viktor Schmidt seinen Schwiegervater und sich. Ein wenig Eigenwilligkeit brauchten sie auch, etwa als sie sich gegen den Vorschlag des Architekten für ein Luft-Wasser-Wärmepumpe und flächendeckende Fußbodenheizung entschieden. «Ein andermal hieß es: Nehmt doch einfach einen Gipsputz. Wir wollten aber unbedingt einen Kalk-Zement-Putz, der das Raumklima verbessert, auch wenn der etwas teurer ist», erinnert sich Peter Zerfass.

Entstanden ist eine sehr geräumige Wohnung mit der ungewöhnlichen Raumhöhe von 3,80 Metern, mit einer Dämmung, die noch ein paar Zentimeter auf den heute üblichen Standard «drauflegt» und mit Parkett statt Laminat. Vor allem aber ist es ein altes Haus mitten im Dorf, das nun eine junge Familie beherbergt und in den kommenden Jahrzehnten sicher nicht leerstehen wird. vt

Zur Startseite Mehr aus Themen von A bis Z

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen