Erfolg braucht keine Metropole

Von Der Landkreis Limburg-Weilburg bietet einen wirtschaftlich üppigen Nährboden, auf dem sehr unterschiedliche Unternehmen florieren und der zunehmend auch für Arbeitnehmer außerhalb der Region attraktiv wird.
SSC-Gründer und Geschäftsführer Michael Baumer.	Foto: abv SSC-Gründer und Geschäftsführer Michael Baumer. Foto: abv

Der Landkreis Limburg-Weilburg bietet einen wirtschaftlich üppigen Nährboden, auf dem sehr unterschiedliche Unternehmen florieren und der zunehmend auch für Arbeitnehmer außerhalb der Region attraktiv wird.

Limburg-Weilburg. Die Zeiten, in denen von der Adresse eines Unternehmens dessen Bedeutung abgeleitet werden konnte, sind vorbei, seit beinahe jeder Winkel der Welt mit dem globalen Dorf vernetzt ist. Weiche Standortfaktoren, also die Lebensqualität, gewinnen seitdem gegenüber logistischen und betriebswirtschaftlichen Kriterien an Bedeutung bei der Ansiedlung neuer Unternehmen. Denn die folgen nicht allein dem Lockruf der günstigen Gewerbesteuer – sie entscheiden sich auch bevorzugt für Standorte, die für hoch qualifizierte Mitarbeiter attraktiv sind – und das muss nicht zwangsläufig die Stadt mit ihrem Kulturangebot sein. Der ländliche Raum gewinnt zunehmend an Reiz.

Seit 1975 in Limburg

Das hat beispielsweise der Pharmakonzern Mundipharma früh erkannt, der heute von Limburg aus weltweit agiert. Dabei nahm das 1967 gegründete Familienunternehmen zunächst seinen Betrieb in der Main-Metropole auf. Ein paar Büros in der Nähe des Frankfurter Hauptbahnhofs waren die ersten Geschäftsräume. Der Standort war gut, aber nicht optimal für das kontinuierliche Wachstum der Firma. Auf der Suche nach geeigneten Ausdehnungsmöglichkeiten nutzten die Pharmazeuten das Wirtschaftsförderprogramm des Landes. Ziel dieser Initiative war es, «Unternehmen bei der Schaffung entsprechender Voraussetzungen für mehr Arbeitsplätze zu unterstützen sowie viel versprechende Erweiterungs- und Innovationsvorhaben zu fördern», berichtet Kerstin Goertz von Mundipharma. Wachstumsstarke Unternehmen sollte so zur Niederlassung in zu der Zeit eher strukturschwachen Gebieten gewonnen werden. Der Gewinner war Limburg: 1975 siedelte sich das Unternehmen hier an.

Heute ist Mundipharma ein Teil des Limburger Lebensraums. Mundipharma ist sich «seiner ethischen Verantwortung für die Menschen, die hier leben und arbeiten, sehr wohl bewusst und legt immer wieder klare Bekenntnisse zum Standort ab», betont Kerstin Goertz und verweist auf die räumliche Erweiterung des Firmensitzes durch ein neues Verwaltungs- sowie ein Konferenzgebäude. Rund 900 Mitarbeiter beschäftigt die Pharmafirma im Oktober 2010 – fast doppelt so viel wie vor zehn Jahren.

Mehr Einpendler

Der Konzern habe attraktive und wettbewerbsfähige Arbeitsplätze geschaffen, die auch durch die infrastrukturelle Anbindung sowohl an das Rhein-Main-Gebiet, als auch an den Köln-Bonner-Raum überregional bedeutsam seien. Tatsächlich bestätigt die Agentur für Arbeit, dass der Anteil der «Einpendler» in die Region Limburg-Weilburg in den vergangenen 20 Jahren um fast 70 Prozent gestiegen ist. Knapp 15 000 Beschäftigte arbeiten hier, haben aber ihren Wohnsitz außerhalb des Kreises. Die hohe Lebensqualität der Region und eine große Heimatverbundenheit haben Matthias Preis, Firmengründer und Geschäftsführer der in Dornburg ansässigen Pinguin-Systeme GmbH, bewogen, den Firmensitz nicht zu verlegen. Vor 18 Jahren gründete Preis seinen Handwerksbetrieb, der sich auf die Regulierung von Wasserschäden spezialisiert hat. Inzwischen beschäftigt das Unternehmen mehr als 100 Mitarbeiter und unterhält sechs Niederlassungen im gesamten Bundesgebiet. Natürlich stellte sich «in dieser stetigen Entwicklung auch die Frage, ob es zu Dornburg als Zentralsitz der Firma Alternativen gibt», räumt Pinguin-Mitarbeiter Jürgen Vater ein. Dass die Zentrale dieser Firma nicht verlagert wurde, sei nicht ungewöhnlich für viele kleine und mittelständische Betriebe hier, beobachtet auch Stefan Laßmann von der Kreishandwerkerschaft. Die meisten seien «traditionell mit dem Raum Limburg-Weilburg» verwoben, sagt er.

Soziale Kompetenz

Allerdings spiele auch der Qualifizierungsgrad der Mitarbeiter vor Ort eine entscheidende Rolle bei der Standortwahl, formuliert Jürgen Vater. So setze das Unternehmen in Dornburg nicht nur auf langjährige und leistungsstarke Mitarbeiter. Auch das Potenzial der Auszubildenden spreche für die Region. «Als kaufmännischer und handwerklicher Ausbildungsbetrieb sind wir in hohem Maße auf gute schulische Grundkenntnisse und soziale Kompetenzen unserer jungen Mitarbeiter angewiesen.» Deren fundierte Ausbildung sichere den Erfolg des Unternehmens und damit auch «die Aufrechterhaltung und Stützung der unmittelbaren heimischen Infrastruktur».

Sicherheit auf Kirmes

Genau um diese Unterstützung der heimischen Infrastruktur ging es auch Michael Baumer, als er sich entschied, seinen Sicherheitsdienst Security and Service Crew (SSC) in Hünfelden-Dauborn zu etablieren. «Mir liegt was an der Region», sagt der 39-Jährige, der sein Unternehmen 2003 gegründet hat. Fünf feste Mitarbeiter und mehrere freiberuflich tätige Kräfte beschäftigt er in den Bereichen Veranstaltungs- und Objektschutz sowie für Observationen oder Ermittlungsverfahren. Die Anfragen würden immer obskurer, findet er. Da sei es gut, «dass wir flexibel sind». Wenn «mehr Sicherheitspersonal gebraucht wird, kann ich sofort reagieren». Michael Baumer schult und trainiert seine Mitarbeiter selbst, um auf jede Situation vorbereitet zu sein.

An dritter Stelle in der hessischen Kriminalitätsstatistik habe der Kreis im Jahr 2008 gestanden, gibt SSC-Mann Baumer zu Bedenken. «Jeder will Sicherheit, egal ob auf der Dorfkirmes oder in der Stadt,» berichtet er. Daher habe sein Unternehmen viel zu tun – auch in den ländlicheren Strukturen. Zwar «haben wir unseren Radius rund 120 Kilometer weit gezogen», erläutert Baumer, manche Einsätze führten sogar in Ballungszentren wie Wiesbaden oder Ludwigshafen, aber: «Ich bin hier sozial engagiert. Hier ist meine Heimat, und die ist mir wichtig.»

Zur Startseite Mehr aus Themen von A bis Z

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen