Kleine Läden sind Salz in der Suppe

Limburg. Die kleinen inhabergeführten Geschäfte der Innenstadt sind das «Salz in der Suppe» für das Einkaufserlebnis in Limburg. Davon ist der Zweite Vorsitzende des CityRings, Reinhard Vohl, überzeugt. Wir befragten den Geschäftsmann zu Gegenwart und Zukunft der Einkaufsstadt Limburg.
Reinhard Vohl im Interview.	Foto: NNP Reinhard Vohl im Interview. Foto: NNP

Limburg. Die kleinen inhabergeführten Geschäfte der Innenstadt sind das «Salz in der Suppe» für das Einkaufserlebnis in Limburg. Davon ist der Zweite Vorsitzende des CityRings, Reinhard Vohl, überzeugt. Wir befragten den Geschäftsmann zu Gegenwart und Zukunft der Einkaufsstadt Limburg.

Was macht die Attraktivität Limburgs als Einkaufsstadt aus?

Vohl: Der Branchen-Mix ist ungewöhnlich für einen Standort dieser Größe. Die kurzen Wege, verbunden mit dem Charme einer wunderschönen Altstadt, machen das Einkaufen in Limburg zu einem Erlebnis. Dazu kommen die vielen Straßencafés und Events, die für urbanes Leben sorgen.

Gibt es auch Defizite?

Vohl: Außer einer Lücke bei brauner und weißer Ware, also Haushaltsgeräte und Unterhaltungselektronik, vermisse ich in der Innenstadt nichts. Der Engpass beim Lebensmittel-Einzelhandel ist mit der Eröffnung von Aldi und Tegut in der WERKStadt ja behoben. Im Textilbereich ist fast schon eine Überversorgung vorhanden. Limburg ist Einkaufsstadt für weit über 200 000 Menschen, von der Aar, über den Westerwald bis Weilburg und Bad Camberg. Diese starke Position ist aber kein sanftes Ruhekissen, denn wir haben starke Konkurrenten in Wiesbaden, Koblenz, dem Main-Taunus-Zentrum und Wetzlar.

Was tut denn der CityRing, um die Attraktivität Limburgs zu erhöhen?

Vohl: Das fängt an beim Geschenkgutschein, der wirklich der Kracher ist. Wo findet man schon einen Gutschein von A wie Apotheke bis Z wie Zahnarzt? Wichtig sind auch die Weihnachtsbeleuchtung, vier verkaufsoffene Sonntage, Late-Night-Shopping und Veranstaltungen, die es in Limburg in einer Häufigkeit gibt, wie sie selten ist. Ärgerlich ist nur, dass die meisten Filialisten nicht Mitglied der Werbegemeinschaft sind und somit als Trittbrettfahrer von unseren Aktivitäten profitieren.

Wie funktioniert das Zusammenleben zwischen Innenstadt und den großen Gewerbegebieten in Dietkirchen und Offheim?

Vohl: Wir haben einen guten Mix zwischen beiden. Aber das Salz in der Suppe sind die kleinen, inhabergeführten Geschäfte der Innenstadt. Wenn wir nur noch Filialisten hätten, ginge der Charme, das Unverwechselbare Limburgs, verloren. Aber die Politik hat die Zeichen der Zeit erkannt und lässt auf der grünen Wiese nur noch nicht-innenstadtrelevantes Gewerbe zu. Abschreckend ist das Forum in Wetzlar. Das wird irgendwann erosionsartige Auswirkungen auf die dortige Innenstadt zeigen.

Auch in Limburg stehen Geschäftslokale leer. Bereitet Ihnen diese Entwicklung Sorgen?

Vohl: Schmerzlich ist die Entwicklung am früheren Standort von C&A. Die alte Grabenstraße wiederzubeleben, wird sehr schwer sein. Die Stadt versucht, mit einem Leerstandsmanagement, in das die Werbegemeinschaft einbezogen ist, der Entwicklung entgegenzuwirken. Ein Problem sind auch die oft sehr hohen Mieten. Viele Filialisten treiben die Preise in die Höhe.

Wie hat sich aus Ihrer Sicht das Verhältnis zwischen WERKStadt und Innenstadt entwickelt und wie beurteilen Sie die Erweiterungspläne?

Vohl: Wir befürworten die WERKStadt als Ergänzungsstandort, in dem Nischen geschlossen werden, ohne dass eine Kannibalisierung stattfindet. Bedarf sehe ich zum Beispiel im Bereich «Living» und Kleinmöbel. Die geplante Erweiterung um 10 000 Quadratmeter sehen wir höchst kritisch, denn für diese Größe bedarf es einer Kaufkraft von 20 Millionen Euro, die an anderer Stelle fehlen würde.

Wie sehen Sie die Zukunft des Limburger Christkindlmarktes?

Vohl: Ich würde mir eine Neukonzeption wünschen, weniger «Fressgasse», mehr klassische Weihnachten und ein größeres Angebot.

(Die Fragen stellte Rolf Goeckel)

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