Limburg – der Einkaufsmagnet

Von Limburg ist d i e Einkaufsstadt für das ganze Nassauer Land. Bis zu 250 000 Kunden aus dem Umland kaufen hier mehr oder weniger regelmäßig ein. Doch diese – auch nach bundesweiten Maßstäben – fast einzigartige Stellung der Domstadt ist nach Einschätzung der IHK Limburg nicht ungefährdet.
Einkaufsstadt Limburg: Bei besonderen Ereignissen wie dem Autosalon 2010 ist die Innenstadt mit Menschen gefüllt.	Foto: Braun Einkaufsstadt Limburg: Bei besonderen Ereignissen wie dem Autosalon 2010 ist die Innenstadt mit Menschen gefüllt. Foto: Braun

Limburg ist d i e Einkaufsstadt für das ganze Nassauer Land. Bis zu 250 000 Kunden aus dem Umland kaufen hier mehr oder weniger regelmäßig ein. Doch diese – auch nach bundesweiten Maßstäben – fast einzigartige Stellung der Domstadt ist nach Einschätzung der IHK Limburg nicht ungefährdet.

Limburg/Nassauer Land. Limburg ist als Einkaufsstadt attraktiv. Das Warenangebot ist breitgefächert, die Vielfalt der Märkte und Geschäfte ist beeindruckend. Nicht nur in der Innenstadt, wo viele kleine Fachgeschäfte zum Bummeln locken – auch die großen Märkte in den Außenbezirken der Domstadt sind Teil eines gewaltigen Sortiments, das nach Einschätzung des Präsidenten der Industrie- und Handelskammer (IHK) Limburg kaum Wünsche offen lässt. «Man muss nicht nach Koblenz oder Wiesbaden fahren. Das Angebot in Limburg hat Biss.»

Limburg ist nicht nur Verwaltungssitz eines Landkreises von rund 172 000 Einwohnern, sondern auch Einkaufsmittelpunkt der ganzen Region, der weit in die benachbarten rheinland-pfälzischen Landkreise ausstrahlt. Die Bedeutung der Domstadt lässt sich auch in Zahlen messen. Laut einem von der IHK Limburg 2009 in Auftrag gegebenen Einkaufsgutachten geben die Bürger der Region fast das Zweieinhalbfache dessen in Limburg aus, was die Domstadt an eigener Kaufkraft besitzt. Konkret: Limburg mit seinen knapp 35 000 Einwohnern besitzt eine – leicht unter dem Bundesdurchschnitt liegende – Kaufkraft von 188 Millionen Euro. Der hiesige Einzelhandel nimmt aber 439 000 Euro ein. «Das ist ein sehr hoher Wert im gesamten Bundesgebiet», so IHK-Präsident Schmidt. «Limburg übt auf das gesamte Umland eine enorme Sogwirkung aus.» Das Käuferpotenzial des engeren und weiteren Einzugsbereichs umfasst etwa 250 000 Kunden. Eine weitere Zahl unterstreicht die Bedeutung Limburgs als Einkaufsstadt: Im gesamten Landkreis Limburg-Weilburg gibt es laut IHK-Hauptgeschäftsführer Norbert Oestreicher etwa 3500 Händler, davon entfällt fast ein Drittel auf Limburg.

Die hohe Attraktivität der Domstadt ist aber nur eine Seite der Medaille. Während eine Vielzahl von Limburger Einzelhändlern gute Geschäfte macht, weil die Kunden in Scharen kommen, haben es die Händler im Umland oft schwer. Nicht nur die berühmten «Tante-Emma-Läden» sind in den letzten Jahrzehnten fast vollständig aus den Dörfern und Kleinstädten des Nassauer Landes verschwunden. Auch viele kleinere Fachhändler gibt es nicht mehr, weil die Kundschaft sich zu den Großmärkten auf der «grünen Wiese» hin orientierte. «Das ist zwar bedauerlich», so IHK-Präsident Günther Schmidt, «aber die Kunden hatten es mit ihrem Einkaufsverhalten in der Hand, diese Läden zu erhalten.» Gewünscht werde eben das große Warenangebot zu einem möglichst günstigen Preis. «Die Kunden stimmen mit den Füßen ab.» Untergangsstimmung über das Aussterben von «Tante Emma» sei fehl am Platz: «Nachdem in Langendernbach der letzte Laden geschlossen hat, ist auch niemand verhungert», so Schmidt.

Der Trend zur «grünen Wiese» hat nach Einschätzung Oestreichers auch mit der Mentalität der Deutschen zu tun. «Solange die Verbraucher nicht bereit sind, für die Dienstleistung in ihrem Wohnort etwas mehr zu zahlen, hat Tante Emma auch in Zukunft kaum eine Chance.» Anders beispielsweise als in Italien, wo in vielen Dörfern noch zwei oder drei Händler existieren. «Da kostet der Schinken dann natürlich das Doppelte», so Oestreicher.

Bedrohung FOC

Immerhin zeichnet sich nach Schmidts und Oestreichers Einschätzung seit ein paar Jahren schon eine verbesserte Einkaufsmöglichkeit auch in den kleineren Städten und Gemeinden ab. Als Beispiele nennt Oestreicher den REWE-Markt in Mengerskirchen oder auch EDEKA-Lehmann in Beselich und anderen Orten, «die mit sehr viel Herzblut geführt werden». Viele kleine inhabergeführte Geschäfte hätten sich in den letzten Jahren zudem Einkaufskooperationen angeschlossen und damit ihr Überleben in bemerkenswerter Weise gesichert. Zum Beispiel «Expert Schäfer» in Elz, der sich gegen die Konkurrenz des Branchenriesen Media Markt in Limburg-Dietkirchen gut halten könne. Andere Händler spielten mit einem exzellenten Service und Kundennähe ihren Heimvorteil aus. Bewundernswert findet Günther Schmidt beispielsweise, dass sich ein kleines Unternehmen wie Elektro-Küchen Schmitt in Dorchheim am Markt behauptet. Vorteil eines kleinen Händlers: «Wenn mein Fernseher kaputt geht, kommen die notfalls auch noch abends raus», so Schmidt.

Dass der Einzelhandel nach Einschätzung der IHK-Leute vor allem in Limburg, mit Abstrichen auch in Weilburg, Bad Camberg und Hadamar gut funktioniert, hat mit einer funktionierenden regionalen Raumplanung zu tun. Und die sehen Schmidt und Oestreicher durch die Pläne für ein Factory Outlet Center (FOC) im rheinland-pfälzischen Montabaur aktuell gefährdet. Alle Gutachten zeigten: Ein FOC würde zehn Prozent und mehr Kaufkraft in den Schlüsselsortimenten Textil, Bekleidung und Schuhe aus Limburg abziehen. Deshalb habe sich die IHK Limburg auch klar gegen das Vorhaben der Westerwälder ausgesprochen, gegen das die Stadt Limburg – erfolglos – geklagt hatte.

Um die Zukunft des Einkaufsstandorts Limburg ist der IHK-Führung nicht bange – wenn die Stadt nicht untätig ist, um ihre Attraktivität weiter zu erhöhen. Es genüge nicht mehr, nur ein großes Warenangebot vorzuhalten – der Kunde verlange zunehmend nach «Kauferlebnissen». Vor diesem Hintergrund habe der – von der Stadt abgelehnte – IHK-Vorschlag gestanden, den gesamten Neumarkt zu überdachen. Dies hätte zwischen Kornmarkt und Bahnhof eine «einzigartige Markthallenatmosphäre, eine Art Galerie, geschaffen», ist sich Günther Schmidt sicher.

Auch der Online-Handel werde die Existenz der Limburger Einzelhändler nicht bedrohen. Im Gegenteil: Online, so Oestreicher, könne für viele Geschäfte eine Chance sein, um eventuelle Verluste im stationären Handel auszugleichen. «Ich denke, Limburg wird als Einkaufsstadt eine stabile Entwicklung nehmen», wagt Günther Schmidt eine Prognose.

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