Limburg – eine Geschichte

Aus dem Wort "Pleitsche" wurde "Plötze", und heute sagt man dazu "Plätzchen". Die Plötze war der Treffpunkt der Klasse 4c der Erich Kästner-Schule mit dem "menschlichen Geschichtsbuch" in Form des Nachtwächters Ralph Elst.
In der Limburger Altstadt gibt es viele schmale Gassen.	Fotos: Klasse 4c Bilder > In der Limburger Altstadt gibt es viele schmale Gassen. Fotos: Klasse 4c
Limburg. 

Wir trafen uns an der Statue des Ritters Hattstein an einem sternenklaren und klirrend kaltem Mittwochabend im Herbstmonat Oktober. Gewappnet mit einer Hellebarde (Hieb- und Stichwaffe) gegen Räuber und Halunken, bekleidet mit dickem Mantel und Hut gegen die Kälte – leuchtete uns der Nachtwächter die Wege mit seiner Laterne gegen die Geister, Ungeheuer und den Aberglauben des Mittelalters frei. Mucksmäuschenstill hingen wir an seinen Lippen, als er uns die Geschichten der "alten Limburger" erzählte.

Wer den Begriff "Ritter" hört, denkt vielleicht zuerst an den Beschützer, Wächter, Kavalier, an Kämpfer für Ruhm und Ehre, verkleidet in einer kunstvoll verzierten, stabilen Rüstung. Ritter Hattstein war aber das genaue Gegenteil. Ein Kämpfer, ein Ritter mit Schätzen aus vielen Raubzügen durch die hessischen Städte. Der geplante Raubzug durch Limburg scheiterte an der List der Limburger Bürger. Anstatt ihn jedoch hinzurichten, wurde er zum Stadthauptmann ernannt, der für Recht und Ordnung sorgen sowie die jungen Limburger zu Soldaten ausbilden sollte. Dank seiner unglaublichen Kraft und seinem Einsatz errichtete man für ihn 1985 eine Statue zum Gedenken.

Geschnitzte Lindwürmer

Unser Weg führte uns weiter, vorbei an alten Fachwerkhäusern mit Schreckmasken und Engelsgesichtern, hin zur Salzgasse, einem alten Handelsweg quer durch die Altstadt. Faszinierend fanden wir die in das Haus Nr. 21 geschnitzten Lindwürmer. Deren Existenz lässt sich auf einen Chinesen zurückführen, der 1340 diese drachenähnlichen Figuren an dem Haus angebracht hatte. Unglaublich war einige Meter weiter das kleinste Fenster der Limburger Altstadt, was wir zunächst nicht bemerkt hatten. Es war so klein, dass wir es erst auf den fünften Blick gesehen haben.

Als wir aus dem Staunen nicht mehr herauskamen, lenkte der Nachtwächter unseren Blick auf unsere Füße und fragte uns, wie wir uns die damaligen Wege so vorstellen. Im Mittelalter hätten sich unsere Füße nicht auf gepflasterten Wegen befunden, sondern auf dreckigem, matschigem und schlammigem Untergrund. Es sei denn, man gehörte zum Adel und dem Bürgertum. Dann durfte man die einzelnen Steine benutzen. Dienstmägde, Knechte und das einfache Volk mussten mit dem Schlammboden zurechtkommen. Gefüttert wurde dieser matschige Boden noch zusätzlich durch den Abfall aus Essensresten und menschlichen Ausscheidungen, die einfach aus den Fenstern geschmissen wurden und dann vor allem bei Regen auf die Gassen ablief. Erstaunt fragten wir den Nachtwächter, warum denn zwischen den Häusern kleine, schmale Gässchen ("Ahle") zu finden seien. "Man nannte sie einerseits Feuergasse, andererseits aber diente sie auch Liebespärchen als geheimer Treffpunkt", antwortete Ralph Elst. Wenn es zu einem Brand kam, der schnell auf die anderen Häuser übergehen konnte, da sie sehr dicht aneinander standen, dann nutzte man die Feuergasse, um dort zusätzlich löschen zu können.

Schinderhannes

Ein paar Gassen weiter passierten wir das Werner-Senger-Haus, in dem sich damals 1802 der Räuberhauptmann Schinderhannes von seinem Räuberleben verabschieden wollte, um sich als Soldat anwerben zu lassen. Leider klappte dies nicht, denn kurz darauf wurde er geschnappt und nach Mainz gebracht, wo er zum Tode verurteilt wurde. Nach einem weiteren kleinen Rundkurs um den Dom fand die Führung ihr Ende an der Plötze, wo sich der Nachtwächter noch einigen Fragen der Klasse 4c stellen musste.

Nach unserer Recherche fänden wir es interessant, einmal einen Tag lang wie im Mittelalter zu leben. Dann könnten wir uns richtig in den Alltag damals hineinversetzen. Aber es ist doch besser, in der heutigen Zeit zu leben, weil vieles viel einfacher, schneller und unkomplizierter ist. Am meisten freuen wir uns aber über die Veränderung in der Schule. Mädchen dürfen heute zum Unterricht und bleiben nicht wie damals von dem Schulleben ausgeschlossen. Damals gab es keine Spielezeit für Kinder, sondern man musste bei der Arbeit und im Haushalt helfen und wurde schon viel zu früh vom Kind zum Erwachsenen. Alles in allem geht es uns heute doch recht gut und wir sollten dankbar sein, dass wir nicht mehr in den Zeiten des Mittelalters leben.

Autoren: Gina Sophie Andersen, Maren Archner, Laurice Baumgärtner, Vlada Berger, Juan Calderon-Steinitz, Kai Eckenberg, Firat Evirgen, Endrit Gashi, Tim Grund, Lena-Sophie Heinz, Alina Herkert, Frederike Herrmann, Johanna Juncker, Ilona Kalte, Jennifer Klees, Maximilian Klein, Eva Lenhardt, Tim Meyer, Zino Meyer, Selin Ilayda Özdemir, Sarah-Danielle Pipic, Mümüne Ünal, Paula Zeh; Klassenlehrerin Kathrin Kullmann

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