Uralt, eiskalt und wunderschön

Die Nachwuchs-Reporter der Klasse 4b der Grundschule Niederhadamar berichten aus dem Unica-Steinbruch Villmar.
Villmar. 

Es nieselt. Langsam und sehr vorsichtig tasten sich unsere Füße über einen aalglatten, glitschigen Boden. Niemandem ist wirklich bewusst, dass der Boden, auf dem wir stehen, 380 Millionen Jahre alt ist. Erdgeschichtlich ist das die Zeit des Devons.

In dieser Zeit war fast ganz Deutschland von einem riesigen Meer bedeckt und lag viel weiter südlich. Die Wassertemperaturen lagen bei 25 bis 27°C, Korallen, Stromatoporen, Muscheln, Tintenfische und Seelilien fühlten sich pudelwohl, wuchsen kräftig und bildeten große Riffe. Wolgang Höhler: «Es sah hier eigentlich so aus, wie das Great Barrier Reef in Australien heute aussieht, nur die bunten Fische fehlten.»

Die Riffe wurden jedoch im Laufe der Erdgeschichte durch die Entstehung der Gebirge überlagert, gepresst und verfestigt. So entstand der Lahnmarmor. Seine verschiedenen Färbungen verdankt er dem schwarzen Faulschlamm (entsteht durch verrottete Pflanzen) und Vulkantätigkeiten (eisenhaltiges Wasser).

Wir stehen im Unica-Steinbruch in Villmar. Jedes Stück Marmor ist ein Unikat. Daher kommt wahrscheinlich auch der Name Unica- Steinbruch. Wochenlang stand Steinmetz Wolfgang Höhler mit einem Kollegen vor der sechs Meter hohen, 15 Meter breiten gesägten Wand und schliff mit einem kleinen Schleifmaschinchen die Schmutzschicht ab. Sichtbar wird die Vergangenheit. Man erkennt die damaligen Meeresbewohner. Es hat sich wirklich gelohnt, aber es war eine Arbeit, so Wolfgang Höhler, für «Leute, die Mutter und Vater nicht geehrt haben».

Abbau von Marmor

Seit über 400 Jahren wird Lahnmarmor abgebaut. Der Marmor wird mit Seilsägen bearbeitet. Beim Sägen wird beständig eine Mischung aus Wasser und Quarzsand über das Stahlseil gegossen. Da Quarz härter ist als Kalk, kann die Seilsäge den Marmor zersägen. Es geht aber nur sehr langsam, zirka fünf Zentimeter am Tag.

Das Lahn-Marmor-Museum in Villmar befindet sich in einem schönen Fachwerkhaus. Es ist klein, dafür sehr gemütlich. Man kann sich nicht nur viele Fossilien ansehen, sondern auch Werkzeuge, die früher verwendet wurden. So ist der Wolf alles andere als ein wildes Tier. Bildhauer benutzten dieses einfache, aber sehr hilfreiche Werkzeug, um die schweren Marmorbrocken zu heben.

Geologisch gesehen ist der Lahnmarmor gar kein richtiger Marmor, sondern Massenkalk. Erst wenn der Massenkalk eine Metamorphose (Umwandlung) durchläuft, wird daraus Marmor. Dabei verliert der Kalk jedoch alle Farben.

So ist zum Beispiel der schneeweiße Carrara-Marmor entstanden. Schwarzer Schupbacher, grauer Wirbelauer, Villmarer Bongard sind nur einige Namen für farbenprächtigen Marmor aus dem Lahntal, der von einer Metamorphose verschont blieb.

Autoren: Zeynep Boztas, Rabia Cerrahoglu, Jessica Domine, Carolin Eul, Charlotte Fischer, Marius Frink, Jakob Fritz, Cettina Mursia, Til Paffenholz, Christina Runde, Julia Schwarz, Sergej Taranuha, Nils Trog, Anna Weimer, Maximilian Wilfer. Klassenlehrerin: Susanne Langel

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