Wenn das Altenheim zum Zuhause wird

Altersheim. Das ist der Alptraum vieler älterer Menschen. Doch ist das Leben im Altersheim wirklich so schlimm? In einer Kaffeerunde im Altersheim Lahnblick in Villmar erzählen rund 15 Seniorinnen bei Kaffee und Kuchen, wie sich ihr Leben verändert hat.

Altersheim. Das ist der Alptraum vieler älterer Menschen. Doch ist das Leben im Altersheim wirklich so schlimm? In einer Kaffeerunde im Altersheim Lahnblick in Villmar erzählen rund 15 Seniorinnen bei Kaffee und Kuchen, wie sich ihr Leben verändert hat.

Villmar. «Früher haben die Kinder ihre Eltern so lange versorgt, wie sie konnten!», sagt Maria Rubröder (92). «Heute geht das nicht mehr. Die Leute sind auch einfach nicht so alt geworden.» Vor fünf Jahren konnte sie nicht mehr alleine in ihrem Haus am Lahnufer von Villmar bleiben. Die Lösung: Das Altenheim Lahnblick in Villmar. «Man ist nicht daheim, aber das geht auch nicht mehr, und dafür ist das Heim ja da!», sagt sie. Am Anfang habe sie sich nicht so wohl gefühlt, mittlerweile habe sie sich aber eingelebt und sei im Heimbeirat aktiv.

Lotte Hofmann (82) geht es ähnlich: «Ich vermisse meine jüngeren Freunde, das ist schon ein Einschnitt. Ich war gesellig, vor allem mit jungen Leuten und habe viel Sport getrieben.» Das gehe aber seit der Amputation ihres rechten Beines nicht mehr. «Jetzt beschränke ich mich aufs Sport- schauen im Fernsehen.» Worüber sie sich auch immer freut, sind Besuche von ihrer Familie, insbesondere ihrer Enkeltochter, die auch im Heim arbeitet. «Jetzt lebe ich in der Gegenwart. Was gerade passiert, das ist wichtig. Ansonsten gibt es heute nur noch Erinnerungen: Weißt du noch?»

«Daheim ist daheim!», sagt Phillipine Siegfried (83) und da sind sich alle einig, aber sie haben sich mit dem Leben hier arrangiert. «Das ist schon eine immense Umstellung, weil sie auch wissen, dass sie nie mehr in ihr Haus zurückziehen können.», sagt Astrid Witterhold. «Viele schaffen das nie richtig, andere blühen auf und fangen an sich zu engagieren, man muss versuchen, das Positive zu sehen!» Auch solle man nicht die vielen Horrorgeschichten über Altersheime, die wie Gefängnisse seien, glauben, «dafür werde viel zu stark kontrolliert.» «Es wird auch viel für die Freizeit getan!», sagt Maria Rubröder, «damit man sich nicht langweilt.» Da gebe es zum Beispiel Nachmittage, an denen die Kinder vom Kindergarten nebenan zu Besuch kämen, Modenschauen oder im Sommer ein Sommerfest, Verlosungen, ein eigener Weihnachtsmarkt und viele tägliche Angebote.

Insgesamt sei der Tagesablauf immer relativ identisch, «die Bewohner versuchen aber, ihn so frei wie möglich zu gestalten!», sagt Astrid Witterhold, «normalerweise stehen die Bewohner um 6.30 Uhr auf.» Sofern jeder das könne, versorge er sich selbst und gehe dann zum Frühstück von 8 Uhr bis 9.30 Uhr. «Bei schönem Wetter kann man danach draußen sitzen, aber auch wieder ins Zimmer gehen. Es gibt auch richtige Stricklieseln, die dann hier ihr Hobby wieder entdecken.» Auch könnten die Bewohner zweimal in der Woche Frisör- und Pediküre-Termine wahrnehmen. «Das ist dann schon ganz schön.» Außerdem gebe es nachmittags Kaffee-Runden und Gymnastik. «So gegen 20 Uhr gehen die meisten dann wieder schlafen oder schauen noch ein wenig fern.» Das mit dem Fernsehen war auch für Lotte Hofmann eine Sache: «Ich wollte die Leichtathletik-WM sehen, meine Zimmernachbarin wollte schlafen.» Das gab alles in allem so viel Krach, dass sie eine neue Zimmergenossin bekam. «Die ist nett und jetzt kann ich in Ruhe Sport schauen!», sagt sie zufrieden.

«Ich bekomme oft Besuch von meinen Freunden», sagt Lotte Hofmann. Das ist ihr und auch den anderen Frauen sehr wichtig. Was ihnen Sorge bereitet, ist, dass die Rente meist nicht fürs Altersheim reicht. «Da muss der Staat dann zuschießen, und manchmal geht dafür sogar das Häuschen drauf!», beklagen sie sich.

«Es ist aber auch ein gewisser Luxus, alles Essen serviert zu bekommen!», wirft eine Frau ein. «Manche der Bewohnerinnen helfen auch noch etwas mit, sozusagen als Hobby!», sagt Witterhold, «sie räumen noch die Tische ab und bleiben so fit!»

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