Wer war Fürst Johann Ludwig?

Die Grundschüler haben von Lokalhistoriker Herbert Steinmann gelernt, wie genau ein Historiker arbeitet. Er muss nämlich immer schreiben, wo er seine Informationen her hat. Das kommt dann in die Fußnote. Die Ahlbacher Kinder haben das in diesem Text genau so gemacht.
Limburg-Ahlbach. 

Johann Ludwig wurde 1590 in Dillenburg geboren. Er ging mit Gleichaltrigen dort auch in die Hofschule. Mit 14 Jahren besuchte er in Frankreich eine reformierte Akademie. Abscheu vor dem Krieg und Liebe zum Frieden lernte man dort.

Mit 16 Jahren beendete er in der Schweiz sein Studium. Anschließend bereiste er Südfrankreich und wurde in Paris dem König von Frankreich vorgestellt. Dieser war beeindruckt von der Bildung und den guten Manieren des jungen Grafen. Seine Reise ging weiter bis nach London. Auch hier lernte er den König kennen.

Als Johann Ludwig 18 wurde, kehrte er nach Hause zurück und verwaltete die Grafschaft Hadamar. In den folgenden Jahren trifft er mit vielen regierenden Fürsten zusammen. 1

Mit 27 Jahren (1617) heiratete er Gräfin Ursula, beide waren evangelisch. 1629 reiste der Graf nach Wien. Durch den Einfluss der Jesuiten nahm er den katholischen Glauben an.

Sehr tolerant war Johann Ludwig seiner Frau gegenüber, indem er ihr erlaubte, weiterhin evangelisch bleiben zu können. Die Wertschätzung des Glaubens der Gräfin ging sogar so weit, dass in der Schlosskapelle im alten Teil des Schosses der evangelische Gottesdienst bis zum Tode von Gräfin Ursula weitergeführt wurde. 2

Johann Ludwig war ein wahrer Europäer, da er fließend Französisch, Englisch und Latein sprach und viele europäische Hauptstädte kannte.

Seiner Zeit weit voraus zeigte er sich auch dadurch, dass – durch seine Fürsorge für sein Land – er 1651/52 in Hadamar ein katholisches Gymnasium entstehen ließ. Um die Geldsorgen dieser Schule abzuwenden, schenkte er dem Gymnasium beziehungsweise den Jesuiten den Dirsteiner Hof zu Ahlbach.

Das erwirtschaftete Vermögen des Hofes trug zur Unterhaltung der Schule bei.

Diesen Hof gibt es heute noch in Ahlbach in der Vorderstraße 15. 3 Der Name des heutigen Urselthaler Hofes in Ahlbach geht auf die Ehefrau des Fürsten Johann Ludwig zurück. 1633/34 erwarb Gräfin Ursula mit ihrem elterlichen Vermögen die ganze Gemarkung des ehemaligen Dorfes Niederahlbach. 4

Die Domäne ist vor 1800 schon im Staatsbesitz. Um 1850 waren noch sechs Bauernfamilien als Einzelpächter auf dem Urselthaler Hof.

Ab 1857 wurde der Hof an einen Pächter Adam Seelig verpachtet, der 1874 in Konkurs ging.

Es folgten Familie Fischer bis 1962 5, ab 1962 Familie Fellmann bis heute.

Interessant ist, dass der Urselthaler Hof 100 Jahre früher als der Ort Ahlbach eine Wasserleitung hatte. 6 Elektrisches Licht bekam Ahlbach 1917 7, der Urselthaler Hof 1928 8.

Alle diese Informationen bekamen wir von Ahlbachs Lokalhistoriker Herbert Steinmann, der unter anderem im Hessischen Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden viele Wissens-Quellen hat.

1 W. Michel, Nass. Annalen 1991, S. 87 bis 92

2 Armin M. Kuhnigk, Anmerkungen zu «Gräfin Ursula» von W.H. Riehl, S. 41

3 Pfarrer H. Becker, Ahlbach und seine neue Kirche, S. 40

4 HHStAW Abt. 171 Nr. Z 4055

5 Pfarrer H. Becker, Ahlbach und seine neue Kirche, S. 41

6 HHStAW Abt. 210 Nr. 2840

7 Pfarrchronik I., S. 31

8 HHStAW Abt. 411 Nr. 3168

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