Hundeschule in Frankfurt: "Den Rückruf sollte jeder Hund beherrschen"

Stefanie Simon ist eine zertifizierte Hundetrainerin und führt mit zwei Kolleginnen die Hundeschule am Schwanheimer Wald. Wir haben mit ihr über die richtige Hundeerziehung und die verschiedenen Kursangebote gesprochen.
Australian Shepherd Hündin Malou beim Mantrailing. Mit ihrer ausgezeichneten Nase ist sie eine Expertin darin, Menschen zu finden. Bilder > Australian Shepherd Hündin Malou beim Mantrailing. Mit ihrer ausgezeichneten Nase ist sie eine Expertin darin, Menschen zu finden.
Frankfurt.  Zusammen mit zwei Kolleginnen arbeitet Stefanie Simon als Hundetrainerin in der Hundeschule am Schwanheimer Wald. Im „richtigen Leben“ ist sie Pressesprecherin in einer großen Firma. Sie hat ihr Hobby zum Zweit-Job gemacht und darf sich seit 2013 „zertifizierte Hundeerzieherin und Verhaltensberaterin IHK/BHV“ nennen.

Was für eine Ausbildung steckt hinter dem Beruf Hundetrainer? Oder kann sich Jeder so nennen?

Ja, die Bezeichnung „Hundetrainer“ ist nicht geschützt. Allerdings müssen gewerbliche Hundetrainer mittlerweile nach dem Tierschutzgesetz die Erlaubnis einer Behörde wie dem Veterinäramt vorweisen. Das gilt aber nur für die gewerblichen Hundetrainer. Trainer, die privat wie beispielsweise in einem Verein arbeiten, brauchen so etwas nicht. Wir drei haben eine sehr umfassende Ausbildung vom Berufsverband der Hundeerzieher und Verhaltensberater e.V. (BHV) gemacht.

Wie sieht diese Ausbildung aus?

Die Ausbildung ist sehr aufwändig und zeitintensiv. Sie besteht aus 312 Theorie- und 500 Praxisstunden. Sie umfasst alles, was der angehende Hundeerzieher und Verhaltensberater nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen wissen muss. Zudem besuchen wir mehrmals im Jahr Fortbildungen, um unser Wissen zu erweitern und neue Trainingsansätze kennen zu lernen.

Welche Kurse haben Sie in Ihrer Hundeschule im Angebot?

Wir haben zwischen 15 und 20 verschiedene Kurse die Woche: Angefangen bei den Welpenkursen über Kurse, die der Beschäftigung und dem Spaß und Sport dienen bis zu Einzelstunden für Hunde mit Angst- oder Aggressionsproblemen. Bei Hunden, die unter Angst leiden oder gar aggressiv sind, geht es um die individuelle Arbeit. Die Besitzer müssen lernen, ihre Hunde einzuschätzen und sich auf sie einzustellen und wir zeigen ihnen, wie sie mit ihrem Hund gezielt an dem Problem trainieren können.

Welche Kommandos sollte jeder Hund beherrschen?

Das Allerwichtigste ist der Rückruf. Den sollte jeder Hund beherrschen. Bestenfalls sollte der Hund in jeder Lebenslage abgerufen werden können – auch aus dem Spiel heraus oder beim Jagen. In unseren Welpen- und Junghundekursen lernen die jungen Hunde zudem „alltagstauglich“ zu werden. Wir steigen mit ihnen in die Straßenbahn ein, gehen ins Einkaufszentrum, zum Tierarzt und in den Zoo. Dabei sollen die Besitzer immer überlegen, was ihr Hund später können muss. Soll er zum Beispiel immer mit dem Bus mitfahren, sollte er das schon als Welpe lernen. Natürlich trainieren wir auch die Signale für „Sitz“, „Platz“, „Bleib“ und die Leinenführigkeit. Es bleibt immer auch Zeit für Spielsequenzen, damit die Hunde Sozialkompetenzen und richtiges Spielen lernen. Wir üben vieles, dass zum Alltag gehört: sich anfassen lassen, Ruhe finden, richtiges Spielen, nicht hochspringen, Spielzeug hergeben und so weiter. Immer auf freundliche Art, damit die Hunde gern mit ihren Menschen kooperieren.

Bieten Sie Kurse an, die es nicht in jeder Hundeschule gibt?

Ja, neben bekannten Hundesportarten wie Agility, Dogdance oder Dummy-Training haben wir Mantrailing im Angebot. Da können die Hunde das tun, was sie am allerbesten können: ihre Nase einsetzen. Beim Mantrailing wird eine beliebige Person versteckt und die Hunde müssen sie suchen. Das kann im Wald, in der Fußgängerzone oder in einem geparkten Auto sein. Die Hunde finden die Menschen mit ein bisschen Übung, nachdem sie nur an einem Gegenstand wie einem Schal oder dem Autoschlüssel geschnüffelt haben. Man kann richtig sehen, wie viel Spaß die Tiere daran haben. Sie merken nämlich schnell, dass sie mit ihrer guten Nase den Menschen etwas voraus haben.

Was sind die Anreize für einen Hund zu gehorchen und mitzuarbeiten?

Das geht nur über Belohnung – und zwar die richtige Belohnung in der jeweiligen Situation. Das muss nicht immer das berühmte Leckerli sein. Jeder Hund ist da anders, aber auch eine Streicheleinheit oder ein tolles Zerrspiel zusammen mit dem Besitzer kann für die Hunde eine tolle Belohnung sein. Ich habe für meine Hunde immer eine Top 5 ihrer besten Belohnungen dabei. Wenn sie dann auf dem Spaziergang eine schwierige Stelle meistern, folgt etwas Gutes. Bei unseren Rückruf- und Anti-Jagdtrainings wird auch ganz viel belohnt. Das ist natürlich nicht einfach, weil das Jagen bei den Hunden so viele Glückshormone freisetzt, dass das kaum noch zu übertreffen ist. Wir versuchen die Zeitspanne, in der der Hund noch abrufbar ist, hinauszuzögern.

Was heißt das genau?

Viele Hunde sind noch ansprechbar, wenn sie anfangen zu schnüffeln oder aber kurz erstarren und schauen. Merke ich, dass mein Hund damit anfängt, rufe ich ihn zu mir und belohne ihn dafür. Diesen Moment versuche ich immer weiter hinauszuzögern, bis mein Hund sich zu mir umwenden kann und auch noch dann kommt, wenn er eine Fährte aufnimmt oder durchstartet. Wir arbeiten auch am Erregungszustand der Hunde und nutzen ein Entspannungssignal.

Hier in Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet sind die Spazierwege ja recht begrenzt. Hundebesitzer treffen oft andere Spaziergänger. Wie schaffe ich es, dass mein Hund nicht zu Jedem hinrennt?

Ja, gerade junge Hunde sind sehr neugierig und überschwänglich. Für Menschen
mit Angst vor Hunden ist das aber sehr unangenehm. Auch ist nicht jeder Hund, dem Sie begegnen nett zu anderen Hunden. Am besten rufen Sie Ihren Hund zu sich, wenn Sie Spaziergänger oder Hunde sehen und belohnen ihn dafür, dass er kommt. Dann können Sie Kontakt zu der anderen Person aufnehmen und fragen, ob Sie Ihren Hund loslassen dürfen. Diese Kontaktaufnahme ist sehr wichtig, um die Situation abzuschätzen. Wenn Sie wissen, dass Ihr Hund oft an anderen Menschen hochspringt oder aber mit anderen Hunden nicht gut auskommt, sollten Sie ihn an der Leine führen bis Sie daran vorbei sind.

Interessierte können auf der Homepage der Hundeschule noch mehr über das Kursangebot erfahren.
 
Die Fragen stellte Bettina Funk.
 
Zur Startseite Mehr aus Tierisch

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen