Hundeleben in der Tagesstätte - «Hutas» sind im Kommen

Was für ein Hundeleben! Planschen im Pool, Toben mit dem Rudel und Küsse vorm Schlafengehen. Das bieten Hundetagesstätten - die immer beliebter werden. Doch mancher rät zur Zurückhaltung.
Hunde toben am in Großbeeren (Brandenburg) in der Hundetagesstätte auf dem Friederikenhof. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa Foto: Daniel Bockwoldt (dpa) Hunde toben am in Großbeeren (Brandenburg) in der Hundetagesstätte auf dem Friederikenhof. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa
Meerbusch.  Nadja Kopp hat sich einen wahren Mädchentraum geschaffen. Die 28-Jährige betreut in brandenburgischer Idylle dutzende Hunde. Neben einer Tierpension betreibt sie auf dem Friederikenhof in Großbeeren auch eine Hundetagesstätte.
Kurz: «Huta».
 
Es ist mehr als 30 Grad heiß - und etwa 20 ihrer tierischen Gäste dürfen planschen. Um 13 Uhr ist Badezeit, die Hunde fiepen vor Freude, euphorisches Schwanzwedeln. Als Kopp das Tor öffnet, flitzen sie auf das Hunde-Schwimmbecken zu. Als sie den ersten Ball ins Wasser wirft, gibt es kein Halten mehr.
 
«Ich hatte Glück, bisher ging es immer steil bergauf mit meinem Unternehmen», sagt Kopp. Sie brach ihr Tiermedizinstudium ab, absolvierte eine Ausbildung zur Hundetrainerin und machte sich 2009 selbstständig. Der Bedarf an professioneller Hundebetreuung sei enorm gestiegen - vor allem um Großstädte wie Berlin herum. «Besonders Zugezogene haben keine Familie hier und möchten ihre Hunde nicht allein zu Hause lassen».
 
Die Besitzer bringen ihre Lieblinge morgens zur Rezeption in Berlin-Wilmersdorf, von dort werden die Hunde per Shuttle vor die Stadtgrenze nach Großbeeren chauffiert. «80 Prozent der Tagesgäste kommen mehrmals die Woche zu uns», erzählt Kopp.
 
So hält es auch Birgit M. aus Düsseldorf mit ihrer Mischlingshündin Coco - und so machte sie es auch mit ihrem früheren Dackel Luigi.
Nach dem Tod ihrer Mutter wusste die in Vollzeit arbeitende Juristin, die ihren vollen Namen nicht veröffentlicht sehen möchte, nicht mehr wohin mit Luigi. Schließlich fand sie eine Huta in Meerbusch. Der 16 Jahre alte Dackel sei dort noch mal richtig aufgeblüht, erzählt die Anwältin. Nachdem auch er starb, kaufte sie Coco. Die Hündin besuchte von klein auf die Huta. Rund 260 Euro zahlt ihre Besitzerin im Monat für die Betreuung.
 
«Dort einen Platz zu ergattern ist gar nicht so einfach», erzählt Cocos Frauchen. Es gebe sogar Wartelisten mit Bewerbern, die auf einen Platz hofften - wie in einer Kindertagesstätte. Die Mitbegründerin der Huta Meerbusch, die Verhaltensbiologin Julia Römmele, erzählt, dass der Bedarf schon seit der Gründung der Huta vor drei Jahren groß sei. «Hier in der Gegend gibt es viele neue Hundetagesstätten, die sind alle gut besucht.»
 
Die Sprecherin des Tierschutzvereins Berlin, Beate Kaminski, meint jedoch, dass Hutas keine Dauerlösung sein sollten. Zum Übergang in Notfällen seien sie aber gute Alternativen. «Der Hund bindet sich nicht an ein Revier sondern an die Menschen», sagt sie. «Ist der Hund zu oft in einer Hundetagesstätte, kann es sein, dass er die Hunde dort als sein neues Rudel ansieht und die Bindung zum Herrchen oder Frauchen verloren geht.»
 
Zahlen - also wie viele Hutas es bundesweit gibt oder wie viele Hunde dort betreut werden - gebe es nicht. Wer Tagesbetreuung für seinen Hund suche, solle den Zustand der Tiere und der Unterkunft prüfen.
Außerdem rät Kaminski zu beobachten, ob und wie der Betreuer das Rudel unter Kontrolle habe.
 
Probleme gebe es auf dem Friederikenhof in Brandenburg eigentlich kaum, sagt Nadja Kopp. Manchmal entwickelten sich enge Freundschaften unter den Hunden. Einige Besitzer hätten allerdings sehr spezielle Wünsche für ihre Lieblinge: «Wir müssen dann das Futter auf eine besondere Weise zubereiten und punktgenau zur gleichen Zeit füttern.
Oder vor dem Schlafen einen Gute-Nacht-Kuss geben.»
 
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