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Ecclestone badet in der Menge

Formel-1-Boss Bernie Ecclestone muss nach der Anklage in München das Ende seiner 30 Jahre dauernden uneingeschränkten Herrschaft in der Formel 1 fürchten. Aber in Ungarn gibt sich der Brite völlig unbeeindruckt.

Formel-1-Boss Bernie Ecclestone gab sich volksnah. Foto: Peter Steffen Formel-1-Boss Bernie Ecclestone gab sich volksnah. Foto: Peter Steffen
Budapest. 

Bernie Ecclestone hat sich bei seinem ersten öffentlichen Auftritt seit Zustellung der Bestechungs-Anklage ungewöhnlich volksnah und völlig entspannt präsentiert.

Auf dem Hungaroring genoss der Brite am Freitag mit Top-Piloten wie Sebastian Vettel ein Bad in der Menge - eine bemerkenswerte Ausnahmeaktion. Dabei hat der mächtige Formel-1-Boss derzeit zumindest aus juristischer Sicht wenig zu lachen. Wegen der Schmiergeld-Affäre um den Ex-Banker Gerhard Gribkowsky droht dem Strippenzieher ein Prozess vor dem Landgericht München.

Vor dem Großen Preis von Ungarn rückte das mögliche Ende seiner Grand-Prix-Herrschaft indes zumindest nach außen hin komplett in den Hintergrund. Zwischen den beiden Trainingseinheiten nahm Ecclestone eine Reihe seiner Star-Fahrer mit zu den Fans im Kurvenbereich vor der Start-Ziel-Geraden und ließ sich feiern. Während der dreimalige Weltmeister Vettel, Ferrari-Star Fernando Alonso sowie das Mercedes-Duo Nico Rosberg und Lewis Hamilton fleißig Autogramme schrieben, unterhielt sich der Brite relaxt und lächelnd mit einigen Zuschauern.

Ob dies als Zeichen seiner Selbstsicherheit und Stärke zu werten ist oder doch eher symbolisch für seinen drohenden Abschied von der großen Grand-Prix-Tribüne zu werten ist, weiß nur Ecclestone selbst. In Ungarn genießt der kleine Engländer jedenfalls uneingeschränkte Hochachtung. Schließlich sorgte «Mister E» dafür, dass der Hungaroring 1986 trotz aller Differenzen zwischen Westen und Osten als erste Rennstrecke eines kommunistischen Staates in den Kalender der kapitalistischen Vorzeige-Sportart rückte.

Die Ungarn danken das Ecclestone in vielfältiger Hinsicht. Die Straße zum Fahrerlager heißt seither «Bernie Avenue». Bei der Rückfahrt von der Strecke in sein Nobelhotel eskortierte die Polizei den 82-Jährigen in seiner schwarzen Luxuslimousine. Obwohl sich am Donnerstagabend der Berufsverkehr durch die Zwei-Millionen-Metropole an der Donau quälte, mussten die gewöhnlichen Autofahrer in der City trotz grüner Ampeln halten, um Ecclestone unter Sirenengeheul passieren zu lassen.

Vettel und Rosberg würdigten Ecclestones Verdienste. «Unterm Strich hat er es geschafft, die Formel 1 auf das Niveau zu bringen», sagte der dreimalige Weltmeister Vettel am Donnerstag. Es sei schön zu sehen, wie «ein Mensch allein mit der Liebe zum Sport so viel bewirken» könne. Rosberg meinte, eine Formel 1 ohne Ecclestone sei «schwer vorstellbar».

So hofiert und gelobt wird Ecclestone längst nicht mehr von allen: Die Münchner Staatsanwaltschaft hat ihm vor einigen Tagen die Anklage zugeschickt. Sie wirft Ecclestone vor, dem früheren Risiko-Vorstand der BayernLB beim Verkauf der Formel-1-Anteile der Bank an die Investmentgesellschaft CVC etwa 44 Millionen Dollar Schmiergeld bezahlt zu haben. Gribkowsky war vor gut einem Jahr zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt worden, weil er das Geld angenommen und nicht versteuert hatte. Die nächsten Wochen entscheiden über Ecclestones Zukunft - und über sein Vermächtnis.

(Von Elmar Dreher, dpa)
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