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Festnahmen und Betrugsvorwürfe - Belgiens Fußball im Chaos

Falls die Welt des belgischen Fußballs jemals heil war - nun ist sie es nicht mehr. Zwei Erstligaspiele wurden möglicherweise manipuliert. Das ganze Ausmaß der Affäre ist aber noch längst nicht absehbar.
Wenke Roggen und Eric Van Duyse von der belgischen Bundesstaatsanwaltschaft bei einer Pressekonferenz in Brüssel. Foto: Hatim Kaghat/BELGA Wenke Roggen und Eric Van Duyse von der belgischen Bundesstaatsanwaltschaft bei einer Pressekonferenz in Brüssel.
Brüssel. 

Der massive Betrugsskandal im belgischen Fußball weitet sich aus. Spielmanipulationen, Betrug und Geldwäsche: So lauten die Vorwürfe der Bundesstaatsanwaltschaft gegen namhafte Gesichter der Branche. 29 Personen hat die Polizei festgenommen, wie die Ermittler in Brüssel mitteilten.

Die Staatsanwaltschaft äußerte zudem den Verdacht, dass zwei Erstliga-Partien der Saison 2017/2018 manipuliert worden seien. Es habe sich um Manipulationen im Abstiegskampf zu Gunsten des FC Mechelen gehandelt.

Unter den Festgenommenen befanden sich den Angaben zufolge Spielerberater, Schiedsrichter und andere Verantwortliche. Wie viele der Verdächtigen mittlerweile wieder auf freiem Fuß sind, war am Donnerstagnachmittag zunächst unklar. Gegen fünf Menschen wurde Anklage erhoben. In vier Fällen besteht laut Staatsanwaltschaft der Verdacht auf Mitgliedschaft in einer kriminellen Organisation und Korruption. Im Zuge des Betrugsskandal wurde der zehnte Spieltag der 2. Liga am Wochenende verlegt worden. Das entschied die Pro League.

Schlüsselfiguren der mutmaßlichen Affäre sind laut Medien unter anderem die Spielerberater Mogi Bayat und Dejan Veljkovic. Beide waren bei einer spektakulären Großrazzia festgenommen worden.

Auch Ivan Leko, Coach von Borussia Dortmunds Champions-League-Gegner FC Brügge, musste die Nacht auf Donnerstag in Haft verbringen. Der ehemalige Anderlecht-Manager Herman Van Holsbeeck soll der belgischen Nachrichtenagentur Belga zufolge hingegen wieder auf freiem Fuß sein.

Am Tag nach den aufsehenerregenden Durchsuchungen von 44 Gebäuden in Belgien waren noch viele Fragen offen. So blieb zunächst unklar, ob der Skandal auch ausländische Ligen betrifft. Im Zuge der Ermittlungen waren auch 13 Gebäude in Frankreich, Luxemburg, Zypern, Montenegro und Mazedonien durchsucht worden.

Der belgische Nationalspieler Vincent Kompany kommentierte die Vorfälle mit drastischen Worten. „Die Verbindung zu Praktiken im Menschenhandel, Drogenhandel oder der Prostitution - wo eine Menge Geld zirkuliert - ist sehr eng”, sagte er im Gespräch mit dem Sender VTM über die Fußball-Branche.

Auch belgische Medien zeigten sich entsetzt über das Ausmaß der Vorwürfe. Als eine „Katastrophe für den Sport” bezeichnete etwa die Tageszeitung „Het Nieuswblad” die Vorgänge. Die Tageszeitung „Le Soir” nannte die Polizeiaktion „beispiellos” und zitierte einen Insider mit den Worten: „Im belgischen Fußball gibt es nur eine Regel: Es gibt keine Regel.”

Nach dem begeisternden Auftritt der Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Russland schwinge das Pendel nun besonders heftig zurück, hieß es. Die Roten Teufel um Eden Hazard und Kevin De Bruyne hatten mit begeisterndem Offensiv-Fußball Platz drei belegt. Am Freitag empfängt das Team in der Nations League die Schweiz.

Hazard betonte vor dem Spiel den guten Ruf der Nationalelf. „Ich denke, dass wir seit einigen Jahren ein gutes Image mit der Nationalmannschaft haben.” Zu den laufenden Ermittlungen wollte er sich jedoch nicht konkret äußern. Auch Belgiens Nationaltrainer Roberto Martínez sagte, er wolle zunächst die Ergebnisse der Staatsanwaltschaft abwarten. Ermittlungen alleine seien noch nicht schädlich - die Ergebnisse aber möglicherweise schon.

(Von Christoph Zeiher, dpa)
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