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Interview zur Sicherheitslage: „Mehr Sorge vor Terror“

Fanbetreuung gibt es auch bei dieser Fußball-Europameisterschaft. Dunkle Fan-Vergangenheit, Bedrohung durch islamistische Terroristen – die Fanprojektmitarbeiter stehen vor ganz besonderen Herausforderungen in Frankreich. FNP-Mitarbeiter Stefan Fritschi unterhielt sich darüber mit Volker Goll von der Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS).
Stehen in Frankreich vor besonderen Herausforderungen: KOS-Mitarbeiter Volker Goll und seine Kollegen. Stehen in Frankreich vor besonderen Herausforderungen: KOS-Mitarbeiter Volker Goll und seine Kollegen.

Mit 24 Teilnehmern erwarten wir die bislang größte EM. Hat dies auch Auswirkungen auf die KOS und die Fanprojekte?

VOLKER GOLL: Nein, aus meiner Sicht nicht grundlegend. Nur wenn die deutsche Mannschaft es bis ins Halbfinale oder gar Finale schaffen sollte, dann dauert unsere Arbeit entsprechend länger.

Wird die EM von den deutschen Fans angenommen? Wie viele werden ins Nachbarland reisen?

GOLL: Wir wissen, dass der Run auf die Spiele groß ist. Die drei Gruppenspiele sind ausverkauft. Bis nach Lille und Paris ist es auch nicht weit. Es hat jeher eine hohe Anziehungskraft, das Turnier mitzuerleben. Wenn nicht im Stadion, dann eben in einem Bistro oder beim Public Viewing. Und letztlich gibt es immer Leute, die darauf setzen, noch eine Karte auf einem wie auch immer gearteten Schwarzmarkt zu ergattern. Es würde mich nicht überraschen, wenn am Sonntag nach Lille 15 000 bis 20 000 deutsche Fans fahren.

Darunter werden sich sicherlich auch Krawallmacher mischen. Bei der EM 1984 zogen jedenfalls rechtsgerichtete deutsche Fans provozierend und randalierend durch Straßburg. Bei der WM 1998 initiierten Hooligans Ausschreitungen in Lens, der Gendarm Daniel Nivel wurde schwer verletzt und ist seitdem behindert: Droht nun wieder eine Gewaltorgie?

GOLL: Es ist schwer einzuschätzen, ob sich so etwas Ähnliches wieder ereignet. Die Weltmeisterschaft 1998 war mein erstes Turnier als Fanprojektmitarbeiter. Vor dem Spiel war die Stimmung aufgeheizt. Viele deutsche Fans hatten keine Karten, dafür gab es viele Tickets für Sponsoren.

Das Hooligan-Problem ist auch anno 2016 existent. Aber sind Gefahr und Angst vor einem Anschlag islamistischer Terroristen nicht viel größer?

GOLL: Ja, ich habe davor mehr Sorgen, es ist etwas Abstraktes. Wir haben dies in unserem Team diskutiert und überlegt, ob uns dies davon abhält unseren Job zu machen. Aber ein Anschlag kann mich auch in der U-Bahn in irgendeiner Stadt in Deutschland treffen. Bei brisanten Fußballspielen zumindest habe ich schon viel erlebt und weiß, wie ich mich in gefährlichen Situationen zu verhalten habe. Oder dass ich erst gar nicht in so eine Lage gerate.

Die KOS ist seit Anfang der 1990er bei WM- und EM-Turnieren vor Ort. Was hat sich in diesem Vierteljahrhundert vor allem in der Fanszene verändert?

GOLL: Zuletzt hat man immer mehr ein Eventpublikum erlebt, die Fans wollen feiern. Auch die Rahmenbedingungen sind andere, wie etwa die Personalisierung von Tickets und die wahnsinnig hohe mediale Aufmerksamkeit. Aber die Leute hatten schon immer ein Interesse, mit Fans aus anderen Ländern ein Bier zu trinken.

Die „Mobile Fanbotschaft“ des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und der KOS wird in Frankreich sein. Aber auch der Fan-Club Nationalmannschaft bietet Fanbetreuung an. Unterscheiden sich beide Konzepte?

GOLL: Der größte Unterschied: Wir schauen, wo es Probleme gibt. Der Fan-Club Nationalmannschaft ist mehr eine Kundenbetreuung, organisiert Busse und Züge oder auch Partys. Aber wir stimmen uns schon ab und arbeiten zusammen.

Was halten Sie von französischer Fußballfankultur? Im Stadion bekommt man bei Länderspielen eigentlich nur „Allez les Bleus“ zu hören.

GOLL: Ich kenne diese Fankultur noch nicht richtig und war etwa überrascht, dass Saint-Etienne Rekordmeister ist. Wir bringen zusammen mit der DFB-Kulturstiftung einen Fan Guide heraus, in dem französische Sportjournalisten Beiträge zu den Spielorten und Vereinen geschrieben haben. Ich bin aber auch gespannt, wie Isländer und Albaner ihr Team unterstützen – schließlich konnten sich beide noch nie für ein großes Turnier qualifizieren.

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