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Mit dem Titel 1998 begann der Absturz des FCK

Unter Otto Rehhagel feiert der 1. FC Kaiserslautern 1998 als Aufsteiger seinen vierten Meistertitel. Ein Kunststück, das in der Bundesliga wohl einmalig bleiben wird. Doch der Triumph hat fatale Folgen für den Traditionsverein - bis hin zum Abstieg in die 3. Liga.
Ciriaco Sforza (r) und Martin Wagner feiern den FCK-Meistertitel 1998. Foto: Bernd Weissbrod Ciriaco Sforza (r) und Martin Wagner feiern den FCK-Meistertitel 1998.
Kaiserslautern. 

Die Jubel-Bilder nach dem Sensationstitel des 1. FC Kaiserslautern vor 20 Jahren sind in der Pfalz immer noch lebendig, doch der Meisterglanz ist längst verblasst.

Als die Roten Teufel am 2. Mai 1998 mit einem 4:0-Heimsieg gegen den VfL Wolfsburg ihre vierte Meisterschaft perfekt machen und damit deutsche Fußball-Geschichte schreiben, ahnt niemand, dass dieses Datum den Beginn eines schleichenden Niedergangs markiert. Mit dem erstmaligen Absturz in die 3. Liga hat der Traditionsverein nun einen zumindest einstweiligen Tiefpunkt erreicht.

Rückblende: 1996 steigt der 1. FC Kaiserslautern in Liga zwei ab. Der Verein verpflichtet Otto Rehhagel als neuen Trainer. Er führt die Pfälzer zurück ins Oberhaus und dort auf Anhieb zum Titel. „Meine Freunde haben gesagt: Otto, kannst du nicht versuchen, die Dinge zu begradigen?”, berichtet der heute 79-Jährige. „Es war eine Überraschung, dass uns das direkt im ersten Anlauf nach dem Aufstieg gelungen ist.”

Gleich am 1. Spieltag der Saison 1997/98 gewinnt der FCK mit 1:0 beim Branchenprimus Bayern München, wo Rehhagel knapp zwei Jahre zuvor gefeuert worden war. Eine Genugtuung für den Trainer und eine Initialzündung für die Mannschaft, die am vierten Spieltag die Tabellenführung übernimmt und diese bis zum Schluss nicht mehr abgibt. „Als wir die Spitzenposition gehalten haben, war ich überzeugt davon, dass wir auf der Welle des Erfolges und der Begeisterung - sowohl bei den Fans als auch in der Mannschaft - bis zum Schluss da oben bleiben können”, erzählt Rehhagel. „Das hat sich dann auch so gezeigt.”

Zum Auftakt der Rückrunde werden die Bayern erneut besiegt. 2:0 heißt es auf dem Betzenberg. „Ich habe damals immer gesagt: Wer Meister werden will, muss die Bayern zweimal in der Saison schlagen”, sagt Rehhagel. Er ist der Macher des Fußball-Märchens, das es so wohl nie mehr geben wird. „Der beste Fußball wird heute dort gespielt, wo das meiste Geld ist”, stellt Rehhagel fest.

Damals können die Roten Teufel gute Spieler wie Torschützenkönig Olaf Marschall, Mittelfeldregisseur Ciriaco Sforza oder Abwehrchef Miroslav Kadlec halten. Das entscheidende Puzzleteil ist aber Rehhagel. „Er hat uns die nötige Ruhe und das Vertrauen geschenkt”, berichtet Martin Wagner, einer der Meisterhelden. Und der einstige Flügelflitzer Andreas Buck sagt über den Erfolgscoach: „Er war überhaupt nicht streng, sondern eher eine Vaterfigur.”

Am 2. Mai 1998 - einen Spieltag vor Saisonende - ist die Sensation perfekt. In der ganzen Stadt herrschen der Ausnahmezustand und eine Glückseligkeit, wie es sie danach nie mehr geben wird. Selbst nicht bei der WM 2006. „Für viele Vereine ist dieser Titel ein Beispiel dafür, was möglich ist, wenn man eine Mannschaft über einen längeren Zeitraum zusammenhält”, sagt der aktuelle Sportvorstand Martin Bader.

Er kämpft anno 2018 mit den Spätfolgen des Triumphs. Denn während die Menschen damals auf den Straßen ihren FCK feiern, planen die Vereinsbosse beim Szene-Italiener eine glorreiche internationale Zukunft für den Verein. Heraus kommt ein Desaster, das den Fritz-Walter-Club fast um seine Existenz bringt. Die Staatsanwaltschaft wirft der Führungsriege später Untreue und Steuerhinterhinterziehung vor.

2003 droht die Insolvenz, die nur durch den Verkauf des Fritz-Walter-Stadions an die Stadt abgewendet wird. Die Miete frisst über Jahre hinweg Millionen und den Verein fast auf. Sportlich geht es immer mehr bergab. Der Sturz in die Drittklassigkeit markiert nun den vorläufigen Tiefpunkt. Doch die Hoffnung auf bessere Tage stirbt nicht. „Was den Verein besonders macht, sind der Berg, das Stadion und die Leute drumherum”, sagt Marschall. „Die Menschen leben für und mit dem Verein.”

(Von Eric Dobias, dpa)
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