E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Hofheim am Taunus 14°C

Vom „Heiligen“ zum Bankdrücker

Bei Spaniens EM-Auftakt gegen Tschechien stand David De Gea im Tor. Casillas’ Regentschaft scheint nach 16 Jahren beendet.
Bei der EM einstweilen Zuschauer: Iker Casillas. Foto: Armando Babani (EPA) Bei der EM einstweilen Zuschauer: Iker Casillas.
Toulouse. 

Iker Casillas trug es mit Fassung. Mehr noch. Spaniens entthronter Torwart-König jubelte auf der Ersatzbank wie wild über den späten Siegtreffer gegen Tschechien, umarmte hinterher alle Kollegen – selbst seinen Rivalen David De Gea. Und er war mittendrin, als im Mannschaftsbus von „La Roja“ der erste Schritt auf dem Weg zum Titel-Hattrick gefeiert wurde.

„Ikers Verhalten war vorbildlich, auch auf der Bank ist er ein wertvoller Spieler für uns. Er hat die Mannschaft die ganze Zeit angefeuert“, sagte Trainer Vicente del Bosque, der dem zehn Jahre jüngeren De Gea den Vorzug vor dem alternden Superstar Casillas (35) gegeben hatte.

<span></span> Bild-Zoom

Del Bosque ließ nach dem 1:0 (0:0) zum Auftakt offen, wer gegen die Türkei am Freitag im Tor des Titelverteidigers steht: „Es ist jetzt nicht die richtige Zeit, darüber zu sprechen.“ Aber seine Entscheidung scheint gefallen. De Gea trotz dessen angeblicher Verwicklung in einen Sexskandal gegen die Tschechen einzusetzen, ist ein eindeutiges Zeichen: Die Regentschaft von Casillas ist nach 16 Jahren beendet.

Nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe gegen De Gea war die T-Frage in Spanien zum Politikum geworden. Del Bosque ließ sich dadurch nicht beirren. Und De Gea blieb cool, machte gegen Tschechien keine Fehler. Die spanischen Zeitungen schrieben am Dienstag, dass der „sanfte Übergang“ im Tor nun „abgeschlossen“ ist. Zur Erinnerung: Neun Tage vor der EURO hatte Casillas sein Team noch als Kapitän aufs Feld geführt.

Casillas nur noch zweite Wahl – eigentlich unvorstellbar. „San Iker“ (167 Länderspiele) hatte seit der EM 2000 in jedem Auftaktspiel Spaniens bei einer EM oder WM im Tor gestanden, er bestritt seitdem sieben große Turniere als Nummer eins und stieg zwischenzeitlich zu einem Nationalheiligen auf.

Bei den EM-Titeln 2008 und 2012 sowie dem WM-Triumph 2010 in Südafrika war Casillas als Kapitän noch der unumstrittene Chef der Mannschaft und neben dem Tiki-Taka-Mittelfeld ein Garant des Erfolgs. Doch spätestens mit dem peinlichen Vorrunden-Aus bei der WM 2014 in Brasilien begann auch sein Denkmal langsam zu bröckeln.

Der schleichende Abstieg des Idols nahm dann im vergangenen Sommer mit dem unehrenhaften Abschied von Real Madrid an Fahrt auf. Casillas, der zwischen 2008 und 2012 als erster Keeper fünf Mal nacheinander zum Welttorhüter des Jahres gewählt worden war, wurde von den Königlichen regelrecht vom Hof gejagt.

In seiner neuen sportlichen Heimat beim FC Porto verhöhnte man den alternden Star-Torhüter nach einigen Patzern zuletzt sogar als „Tollpatsch“.

In seiner vielleicht bittersten sportlichen Stunde bewies Casillas dennoch Größe.

Zur Startseite Mehr aus Sport

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen