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Eintracht Frankfurt: De Guzman trumpft seit seiner Rückkehr auf

Von Von seinem Comeback war de Guzman selbst überrascht. Wie andere Eintracht-Kollegen spielt er nach der Zwangspause fast besser als vorher.
Alles unter Kontrolle: Jonathan de Guzman zeigt, dass er mit dem Ball umzugehen versteht. Foto: Jan Huebner (Jan Huebner) Alles unter Kontrolle: Jonathan de Guzman zeigt, dass er mit dem Ball umzugehen versteht.
Frankfurt. 

Zu diesem bösen Spiel konnte natürlich auch Jonathan de Guzman keine gute Miene machen, dazu war die Schlusspointe zu bitter gewesen. „Wir sind sehr enttäuscht, denn wir hätten mehr verdient gehabt“, haderte der Mittelfeldspieler der Frankfurter Eintracht mit dem Ausgang der Nachspielzeit des Spitzentreffens bei Borussia Dortmund, in der seine Adlerträger erst den umjubelten Ausgleich geschafft und dann noch den ganz späten Gegentreffer zur 2:3-Niederlage kassiert hatten. „Vielleicht hat heute die Erfahrung den Tick ausgemacht“, mutmaßte de Guzman am Sonntagabend in den Katakomben des Dortmunder Fußballtempels, als das wahnwitzige Wechselbades der Gefühle gerade erst ein paar Minuten vorbei war, und mahnte: „Wenn wir weiter gut spielen wollen und die Saison weiter gut spielen wollen, müssen wir uns da verbessern, denn so ein spätes Tor ist einfach unnötig.“

Er selbst musste sich da nicht an die Nase packen. An der zu dem Wirkungstreffer in fast letzter Sekunde führenden Fehlerkette waren viele Kollegen beteiligt, er nicht. Ohnehin hatte Jonathan de Guzman nach seiner Einwechslung zur zweiten Halbzeit eine Leistung gezeigt, die ihm bis vor kurzem wohl nicht viele im Frankfurter Umfeld zugetraut hätten. „Johnny hat es richtig gut gemacht. Er hat Präsenz gezeigt, die Bälle verteilt, super Pässe gespielt, super Freistöße gespielt“, lobte Trainer Niko Kovac umfassend.

Das kann man so stehen lassen. Mit Kevin-Prince Boateng kurbelte er die Ausgleichsbemühungen nach dem 0:1-Rückstand zur Pause an und hatte großen Anteil daran, dass die Eintracht den gewaltigen Borussia-Brocken schwer ins Wanken brachte. Erst bereitete er, der den schon in der Woche zuvor die Ecke zu Danny Da Costas 1:0-Siegtreffer gegen Hannover 96 geschlagen hatte, das 1:1 durch Luka Jovic mit einem scharfen Freistoß aus dem Halbfeld vor. Und dann steckte er den Ball vor dem neuerlichen Ausgleich mit Übersicht und Gefühl auf da Costa durch, dessen Hereingabe Danny Blum in der Mitte verwertete – zu einem Ausgleich, der schließlich doch nur ein zwischenzeitlicher war.

Trotz der späten Enttäuschung: Es ist erstaunlich, wie sich de Guzman nach seiner langen Zwangspause zurückgemeldet hat, fast vier Monate, nachdem er sich bei einem Testspiel gegen den SV Sandhausen das Schultereckgelenk gesprengt hatte. Vielleicht hat er einfach auch etwas Anlaufzeit benötigt. Als er im Sommer vom SSC Neapel zur Eintracht stieß, hatte man ihm eine Führungsrolle zugetraut, dem 14-maligen niederländischen Nationalspieler, der bei der ja nicht ganz unerfolgreichen Weltmeisterschaft 2014 drei Mal in der ersten Oranje-Elf gestanden hatte, unter Bondscoach Louis van Gaal – bei der 5:1-Entzauberung der damaligen Welt- und Europameister aus Spanien, dem 3:2 gegen Australien und beim 3:0 gegen Brasilien im Spiel um Platz drei.

„Johnny hat keinen Stress am Ball und kann eine ruhige Kugel schieben“, hatte Kovac nach dessen ordentlicher Bundesliga-Premiere beim 0:0 in Freiburg geurteilt. Das spielte auf Ballsicherheit und Übersicht an. Mit der „ruhigen Kugel“ aber schien es der 30-Jährige in den nächsten Wochen fast ein wenig zu übertreiben: Da wirkte er ein oft phlegmatisch, unentschlossen, tauchte immer wieder unter. Kovac ließ nach ein paar Wochen durchblicken, dass er sich auch etwas mehr erwartet hätte. Und mancher glaubte schon zu verstehen, warum de Guzman viel herumgekommen war, daheim in Holland bei Feyenoord Rotterdam, in Spanien bei RCD Mallorca und dem FC Villareal, in England bei Swansea City, in Italien in Neapel, bei Chievo Verona und dem Carpi FC gespielt, aber doch nicht überall Spuren hinterlassen hatte.

Fast galt der verhinderte Stratege schon als Fehlkauf, ohne große Zukunft im dicht besetzten Frankfurter Mittelfeld. Welch guter Fußballer Jonathan de Guzman aber sein kann, zeigt er nun mit Spritzigkeit und Angriffslust. „Wir haben ihn erstmal draußen gelassen, weil er gegen Hannover zum ersten Mal nach langer Zeit wieder gespielt hat“, erklärte Kovac die anfängliche Schonung in Dortmund. In der Woche zuvor hatte er de Guzman richtig überrascht: Mit einem solch plötzlichen Comeback hatte dieser selbst nicht gerechnet. Es ist aber auch kein Einzelfall: Immer wieder schüttelt der Trainer Spieler aus dem Ärmel, die lange weit außen vor schienen. Und wenn sie ihre Sache gut machen, dürfen sie sich auch gerne weiter bewähren. Wie Senkrechtstarter Marius Wolf oder Danny da Costa. Und nun de Guzman. Er ist auch nicht der erste, der nach einer Verletzungspause fast noch stärker auftrumpft als vorher – da waren unter anderem Timothy Chandler und Omar Mascarell gute Beispiele. Das spricht für die Aufbauarbeit von Kovac und seinen Assistenten.

„Wenn die Jungs gut trainieren, bekommen sie ihre Chancen“, betonte der Trainer in Dortmund, wo sein Personalpuzzle anfangs Lücken offenbarte, dafür aber die Wechsel griffen: An den Toren waren alle drei Joker beteiligt. Der große Kader kann gerade im Endspurt nach Europa eine Hilfe sein – im Unterschied zum vergangenen Jahr, als man unter anderem wegen der zunehmenden Personalnot dann doch nicht an diesem Traumziel ankam. So könnte de Guzman mit seinen strategischen Fähigkeiten die Leerstelle füllen, die Mascarell mit seiner rätselhaften Fußverletzung jetzt schon wieder hinterlässt. Und in der etwas offensiveren Rolle hat er fürs Erste wohl Marco Fabian den Rang abgelaufen, dem Spielmacher, der nach seiner Bandscheiben-OP noch nicht in Tritt gekommen ist und zuletzt ziemlich abgemeldet war.

Seine Chance aber wird auch Fabian gewiss wieder bekommen. „Wenn einige nicht mehr frisch sind, können andere etwas zeigen. Das kann am Ende unsere Stärke sein“, sinnierte Mittelfeldkollege Gelson Fernandes. „Im April und Mai brauchen wir noch mal viel Kraft. Vielleicht macht mal einer ein Tor, der vorher gar nicht gespielt hat.“ Oder drei Tore hintereinander vorbereitet, wie Jonathan de Guzman.

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