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Eintracht Frankfurt: Die Eintracht und die Kunst des Verteidigens

Der Plan ist aufgegangen, Eintracht Frankfurt hat bei Borussia Mönchengladbach gewonnen. Unser Mitarbeiter Roland Stipp versucht sich in aller Demut gegenüber der taktischen und kämpferischen Meisterleistung von Mannschaft und Trainer mit einer Analyse.
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Frankfurt. 

Natürlich sehen es Fußballfans gerne, wenn ihr Team seine Stärken im Angriff hat, den Ball laufen lässt, schnell umschaltet und den Gegner überrennt. Aber es gibt auch eine andere Kunst, die nicht selten zum Erfolg führt – die des Verteidigens. Eintracht Frankfurt brachte es in diesem Metier in Mönchengladbach schon zu einer beeindruckenden Virtuosität.

Die Dreierkette, seit einigen Jahren Spielzeug und Experimentierfeld großer Trainer wie Pep Guardiola, Antonio Conte und Diego Simeone, hat es auch Niko Kovac angetan. Es ist dieser eine Mann mehr, den man gegenüber dem Spiel mit Viererkette im Mittelfeld zur Verfügung hat, der die Dreierkette interessant macht. Und es gibt weitere Vorzüge, etwa diesen: Haben es die Mittelfeldaußen geschafft, aus der Dreier- eine Fünferkette zu machen, können alle Verteidiger ihre direkten Gegenspieler auch verfolgen, wenn die dem Ball entgegenkommen – in eine Viererkette würde das große Lücken reißen. Und es gibt tatsächlich nicht wenige Innenverteidiger, die sagen, man könne zu dritt besser verteidigen als zu viert.

Frankfurts Kevin-Prince Boateng. Foto: Marius Becker
Eintracht Frankfurt Adlerauge: Boateng, das Sahnehäubchen auf der Torte

Völlig verdient hat die Eintracht bei Borussia Mönchengladbach gewonnen. Die Frankfurter waren als Kollektiv von der etwas ideenlosen Fohlen-Elf nicht zu bezwingen. Doch ein Spieler machte letztlich den Unterschied. Ein Kommentar.

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Antonio Conte ließ letzte Saison beim FC Chelsea eine interessante Variante der Dreierkette spielen, mit der seine Mannschaft die Premier-League dominierte und schon drei Spieltage vor dem Ende als Meister feststand. Bei Conte rückte nur der ballferne Mittelfeldaußen bei gegnerischen Angriffen in die Kette, der jeweils ballnahe Innenverteidiger kam nach außen und stellte den Gegner. So wurde aus der Dreier- eine Viererkette. Im Idealfall konnte der Mittelfeldspieler auf der Ballseite, der ein kleines Stück Rückweg „gespart“ hatte, sogar von vorne Doppeln. Und siehe da: Ähnlich sah das in Mönchengladbach manchmal bei Eintracht Frankfurt auf der linken Abwehrseite aus, wenn Jetro Willems nah am nach außen gerückten Simon Falette von schräg vorne den Borussen Nico Elvedi oder Patrick Herrmann den Ball „klaute“. Timothy Chandler klebte dann rechts hinten schon an der Kette, die in diesen Fällen eben aus vier Mann bestand. Wenn das so gewollt war . . .

Sebastien Haller (Eintracht Frankfurt) gegen Jannik Vestergaard.
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Probleme mit der eigenen Formation hatte die Eintracht eigentlich nur gegen Ende ihrer stürmischen Anfangsphase in der eher klassischen Variante mit einer Dreierkette und zwei im Spiel gegen den Ball nach hinten eilenden Mittelfeldaußen. Wenn Chandler und Willems weit vorne die Flügel bedienten, waren die Rückwege bei Ballverlusten natürlich unglaublich weit. Das wurde besonders deutlich, als Gladbach einmal im linken Mittelfeld den Ball eroberte, Rafael Herrmann in den Raum in Willems Rücken schickte und die Hereingabe Thorgen Hazard erreichte, der auf der anderen Seite aus dem Rücken von Carlos Salcedo heran- gesprintet kam. Die Eintracht hatte Glück, dass Hazard den Ball nicht ideal traf. Überhaupt fingen die Borussen mit den kritischen Räumen im Eintracht-Spiel (siehe Grafik) zu wenig an.

Hand drauf: Eintracht-Trainer Niko Kovac (links) und Kevin-Prince Boateng haben seit gemeinsamen Berliner Zeiten einen engen Draht.
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In der zweiten Halbzeit spielte die Eintracht das Ganze dann eher im Stil von Diego Simeone und Atlético Madrid, also deutlich defensiver. Statt einer Dreier- war nun fast durchgängig eine Fünferkette am Start. Zudem beorderte der Coach erst Kevin-Prince Boateng und dann den für ihn eingewechselten Ante Rebic weiter nach hinten und auf die linke Seite des Mittelfeldes. Und gegen dieses 5-4-1-Bollwerk war für Gladbach kaum ein Durchkommen. Ging es für die Eintracht mal nach vorne, blieb der ballferne Außenbahnspieler gleich hinten und so war auch das Umschalten auf Abwehr nachher wieder deutlich einfacher. Erschwerend für den Gegner kam hinzu, dass die Frankfurter bei Ecken und Freistößen mit ihrer Präsenz beeindruckten und den Ball meist per Kopf aus der Gefahrenzone befördern konnten. Auch das gehört zur Kunst des Verteidigens natürlich dazu.

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Die Adlerträger haben das Spiel bei Borussia Mönchengladbach mit 1:0 gewonnen. Unsere Einzelkritik.Mijat Gacinovic: Steht hier für eine starke Leistung in der ersten Halbzeit. Brachte da eine kreative Note ins Mittelfeld, musste aber auch viel arbeiten – und gab nach der Pause immerhin noch ein gefährlicher Torschuss ab.

Doch keine Rose ohne Dornen: Beide Verteidigungsstrategien, die mit der auffüllenden Dreier- und die mit der starren Fünferkette, offenbarten auch ihre Nachteile. In der ersten Halbzeit rieb sich die Eintracht wie beschrieben mit enormer Laufarbeit auf – und hatte mit den Folgen im zweiten Abschnitt sichtlich zu kämpfen. Dazu kam das Problem, bei Balleroberungen noch unglaublich weit entfernt vom gegnerischen Tor zu sein. Entlastung gab es deshalb kaum mehr. Was natürlich keine Rolle spielt, wenn man 1:0 führt und am Ende gewinnt.

 

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