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Porträt: Eintracht-Legende Dragoslav Stepanovic feiert 70. Geburtstag

Von An diesem Donnerstag wird Dragoslav Stepanovic 70 Jahre alt. „Wenn ich noch mal jung wäre, würde ich mich wieder für Frankfurt und die Eintracht entscheiden“, sagt der Kult-Trainer.
Eintracht-Trainer unter sich: Dragoslav Stepanovic (rechts) und Niko Kovac mit dem DFB-Pokal. Foto: Andreas Wolf (Eintracht Frankfurt Fußball AG) Eintracht-Trainer unter sich: Dragoslav Stepanovic (rechts) und Niko Kovac mit dem DFB-Pokal.
Frankfurt. 

Eines hat Dragoslav Stepanovic sicherheitshalber vorher klargestellt. „Ich habe allen gesagt: Wenn ihr mir etwas kauft, gibt’s auf die Fresse“, berichtet er von der Ansage an die Familie, freilich mit einem Schmunzeln im Gesicht. Und wer ihn kennt, der weiß, dass in dem ihm eigenen Stepanovic-Hessisch mit serbischer Einfärbung selbst derart polternde Töne freundlich klingen. Wenn der Fast-Meistertrainer der Frankfurter Eintracht an diesem Donnerstag 70 Jahre alt wird, soll es daheim in Bergen-Enkheim keine großen Geschenke geben, und gefeiert wird in kleinem Rahmen. „Nur die Kinder und Enkel kommen, wir essen gemütlich zusammen“, verrät er von den Plänen zum Festtag, der für ihn eigentlich gar keiner ist: „Warum soll ich feiern, dass ich ein Jahr älter werde?“

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Nur gut, dass seine Jelena doch noch einen Anlass für eine Sause gefunden hat, im nächsten April, dann aber richtig: „Da können wir 190 Jahre feiern, das ist einmalig. Dann wird meine Frau 70, ich bin 70, und wir sind 50 Jahre verheiratet. Meine Frau hatte die Idee, und ich habe gleich gesagt: Das ist toll.“

Langweilig wird es bis dahin nicht werden. Termine hat „Stepi“, der in Frankfurt vom Klasseverteidiger zum Kult-Coach wurde, genug. Mit Riesenfreude trainiert er intellektuell beeinträchtigte Kinder in einer Hessenauswahl, er engagiert sich ebenso ehrenamtlich für Flüchtlinge, versucht ihnen etwa zu helfen, bei Vereinen unterzukommen. Und natürlich ist er immer im Einsatz für seine Eintracht, deren „Club der Legenden“ er angehört und deren Botschafter er ist.

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Ein Lebensmotto

So oder so, für ihn gilt das besonders: „Lebbe geht weider“, natürlich auch mit 70. Der Spruch, den er am 16. Mai 1992 prägte, kurz nach der auf dramatische Weise verpassten deutschen Meisterschaft, ist längst über die Seitenlinien der Fußballfelder hinaus legendär geworden, für immer mit ihm verbunden und für Stepanovic auch ein Lebensmotto. „Meine Mutter hat immer gesagt: Wenn nichts mehr zu holen ist, dann mache einen Punkt und gehe weiter“, erklärt er das Zustandekommen dieser Weisheit, spontan auf der Pressekonferenz, nur ein paar Minuten nach dem 1:2 bei Absteiger Hansa Rostock, als die Frankfurter Fußballwelt gerade erst in tiefe Verzweiflung gestürzt war.

Als Bernd Hölzenbein ihn ein gutes Jahr zuvor angerufen hatte, war er, damals Trainer in Trier, selbst überrascht gewesen. Beide hatten zusammengespielt, als Stepanovic 1976 aus Belgrad zur Eintracht kam, um auf der linken Abwehrseite abzuräumen. Der Anfang einer beidseitigen Liebesgeschichte: Auch wenn der 34-malige jugoslawische Nationalspieler erst einmal nur zwei Jahre bleiben sollte, Frankfurt wurde die neue Heimat. „Die Leute und die ganze Stadt haben meiner ganzen Familie wahnsinnig gut gefallen, vom ersten Tag an“, erzählt er. „Ich fühle mich, als wäre ich hier geboren.“

Nach der eigenen Profikarriere leitete er verschiedene Frankfurter Vereine an, den FV Progres, den FSV und danach – wie neuerdings übrigens sein Schwiegersohn Slobodan Komljenovic, früher selbst Eintracht-Profi – Rot-Weiss, seinerzeit unter anderen mit dem jungen Jürgen Klopp. Nebenbei betrieb die Familie „Stepi’s Treff“, einen Pub im Hessen-Center. „Das hat vor allem meine Frau gemacht, ich habe nach dem Training nur mal ausgeholfen“, erzählt er. Und dann klingelte in Trier das Telefon, Vizepräsident Hölzenbein war am Apparat.

25 Jahre zu spät

„Hallo Stepi! Willst Du Trainer von der Eintracht werden? Dann komm morgen um halb neun, hat Holz zu mir gesagt“, erinnert er sich. Stepanovic kam, unterschrieb – und wurde nicht von allen begeistert empfangen. „Einige haben gefragt: Wo habt ihr denn den Kneipier ausgegraben“, berichtet er. Aber so sei das ja immer: Man könne es eben nicht allen recht machen. Am Ende hätte er den Adlerträgern fast einen der größten Erfolge ihrer Vereinsgeschichte beschert, die erste und einzige Meisterschaft nach 1959.

„Es war die beste Mannschaft, die die Eintracht je hatte. Wir haben tollen Fußball gespielt“, erinnert er sich, und fügt an: „Wenn es damals schon den Videobeweis gehabt hätte, wären wir auch Meister geworden. Der kam leider 25 Jahre zu spät. Das war ein Elfmeter wie aus dem Schulbuch“, sagt er über das Foul an Ralf Weber in Rostock, kurz vor Schluss. Pfosten, Latte, das fehlende Tor wollte nicht fallen und der Schiedsrichter nicht pfeifen, warum auch immer sein.

Einer der schönsten Tage

Für Stepanovic ging das Leben bald in Leverkusen und Bilbao weiter. Er versuchte 1996 erfolglos, die Eintracht vor dem Abstieg zu retten, wurde zum Globetrotter, trainierte in Griechenland, China und zwischendrin auch mal Kickers Offenbach, in Ägypten, Bosnien und in Serbien.

„Eine Traumkarriere“, sagt er, auch ohne Meistertitel. Dafür durfte er im Mai mit der Eintracht als echter Fan und Frankfurter Original den Pokaltriumph feiern: „Das war einer der schönsten Tage in meinem Lebens. Ich habe mich gefreut bis zum Gehtnichtmehr.“

Und jetzt? Das Jahr nach einem Titel sei immer schwer, mahnt er, aber: „Adi Hütter hatte in Bern drei Jahre, um eine Mannschaft aufzubauen und Meister zu werden. Wenn er hier auch drei Jahre braucht, um Meister zu werden, dann gerne. Das fehlt der Eintracht noch“, formuliert er launig Erwartungen an den Nachfolger von Pokalsieger-Trainer Niko Kovac, auf jeden Fall gilt nach dem nächsten Umbruch: „Man braucht Geduld.“

Noch immer weht das Haar über dem markanten Schnauzbart, nur grauer und etwas kürzer, und noch immer ist seine Popularität ungebrochen, das rührt Dragoslav Stepanovic. „Was die Fans mit mir immer wieder veranstalten, ist der Wahnsinn. Da bedanke ich mich für 40 tolle Jahre in Frankfurt“, sagt er.

„Ich habe hier ein wunderschönes Leben. Wenn ich noch mal jung wäre, würde ich mich wieder für Frankfurt und die Eintracht entscheiden.“ Und wenn Hilfe nötig ist, steht „Stepi“ auch mit 70 immer bereit, neben oder auf dem Platz. „Ich habe zwei neue Knie, ich kann sofort wieder einsteigen“, verspricht er augenzwinkernd.

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