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Eintracht Frankfurt: Eintracht geht in letzter Sekunde K.o.

Eine Stunde musste Eintracht Frankfurt in Unterzahl spielen, weil Jetro Willems vom Platz geflogen war. Fast hätte es dennoch zu einem Remis gereicht, doch in der letzten Minute der Nachspielzeit erzielte Werder Bremen den 2:1-Siegtreffer.
Der alte und neue Eintracht-Keeper Kevin Trapp: So hat er sich seine Rückkehr nicht vorgestellt. Foto: dpa Der alte und neue Eintracht-Keeper Kevin Trapp: So hat er sich seine Rückkehr nicht vorgestellt.
Frankfurt. 

Sechs Minuten der siebenminütigen Nachspielzeit hatte Eintracht Frankfurt schon schadlos überstanden. Ein Angriff der Bremer folgte dem nächsten, die Eintracht igelte sich hinten ein, drosch die Bälle nach vorne und kämpfte mit viel Herzblut. „Heroisch“ nannte der Frankfurter Trainer Adi Hütter diese Leidenschaft und Einsatzbereitschaft. Doch dann unterlief Dauerläufer Gelson Fernandes ein dummes Foul, 20, 22 Meter vor dem Tor. Es war die perfekte Freistoßposition für einen Spezialisten, und den hatte der SV Werder Bremen: Milot Rashica. Der kurz zuvor eingewechselte Mittelfeldspieler legte sich die Kugel zurecht und zirkelte den Ball mit viel Gefühl über die Mauer ins entfernte Eck, Torwart Kevin Trapp flog zwar schön, war aber machtlos. „Der war richtig gut geschossen“, sagte der Keeper hinterher. Vor allem war er spielentscheidend: Denn kurz darauf pfiff Schiedsrichter Sören Storks (Velen) dieses „aufregende Spiel“ (Werder-Trainer Florian Kohfeldt) ab, Eintracht Frankfurt hatte eine sehr umkämpfte Partie in allerletzte Sekunde noch verloren, 1:2 (0:1). „So zu verlieren, ist total ärgerlich“, sagte Sportdirektor Bruno Hübner nach den bald 100 Minuten Bundesligafußball. Es sei schade, dass „sich die Mannschaft, die Moral und Charakter bewiesen hat, nicht belohnt“ habe. Auch Trainer Adi Hütter war bedient: „Die Niederlage war sehr, sehr unglücklich.“

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Spielentscheidend war ohne Zweifel der Platzverweis von Linksverteidiger Jetro Willems nach 32 Minuten. Nach einem harmlosen Gerangel auf Höhe der Mittellinie, bei dem der Niederländer „einen Ellenbogen gespürt hat“ (Hübner), hatte Willems die Faust gegen den Bremer Theodor Gebre Selassie erhoben und ihn geschlagen. Tätlichkeit. „Eine berechtigte Rote Karte“, sagte Hütter – mit Folgen. Mehr als eine Stunde musste die Eintracht in Unterzahl spielen. Zu diesem Zeitpunkt lag Bremen bereits mit 1:0 in Front, Yuya Osako hatte Trapp überwunden, das Tor wurde erst nach dem Studium der Videobilder im Kölner Keller gegeben. „Einem so erfahrenen Spieler darf das nicht passieren“, deckelte Hütter seinen Linksverteidiger sanft, „da muss er professioneller reagieren“. Hütter brachte daraufhin Taleb Tawatha und opferte den bis dato allerdings schwachen Nioclai Müller. „Die Rote Karte hat uns nicht geholfen“, krittelte auch Trapp. Sehr wahrscheinlich erhält Willems, der seiner Mannschaft mit dieser Eselei einen Bärendienst erwiesen hatte, neben einer Spielsperre auch noch eine interne Strafe. Schon zuvor hatte Hütter verletzungsbedingt Carlos Salcedo auswechseln müssen, der nach zehn Minuten und nach einem üblen Tritt von Davy Klaassen mit einer Sprunggelenksverletzung vom Platz hinkte. Mitte der zweiten Halbzeit kehrte der Mexikaner an Krücken gehend auf die Ersatzbank zurück.

Stark in die zweite Hälfte

Doch raffte sich die Eintracht nach der Pause zu einer erstaunlichen Willensleistung auf. Sie bekam das Spiel unter Kontrolle und schaffte sogar den Ausgleich. Sebastien Haller, der erneut ein gutes Spiel machte, verwandelte einen Strafstoß gewohnt souverän (54.). Dabei war Mijat Gacinovic in eine zu kurze Rückgabe von Ludwig Augustinsson gesprintet und von Torhüter Jiri Pavlenka umgerissen worden. Dabei erlitt der Bremer Schlussmann eine schwere Verletzung, minutenlang wurde er auf dem Feld behandelt, ehe er benommen vom Platz getragen wurde. Diese Verletzungsunterbrechung ließ der Schiedsrichter zu Recht nachspielen, was der Eintracht am Ende zum Verhängnis wurde.

Man kann Eintracht Frankfurt nun wahrlich nicht vorwerfen, nicht alles gegeben zu haben. „Mit viel Herz und Leidenschaft“ hatten die Hessen die Herausforderung in Unterzahl angenommen, lobte Hübner. „Darauf kann man aufbauen“. Es sei schade, dass die Mannschaft „den Punkt nicht hatte festhalten können“, ärgerte sich Hütter, der dem verlorenen Punkt nachtrauerte. „Der Punkt hätte sich wie ein Sieg angefühlt.“ Doch dann kam die 96. Minute und der Bremer Kunstschuss.

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Kämpferisch also gab es wenig zu bemängeln bei der Eintracht, doch spielerisch blieben erneut – wie schon in Freiburg – viele, viele Wünsche offen. Die Frankfurter haben einfach zu wenig spielstarke Profis in ihren Reihen, Spieler, die mit dem Ball etwas anfangen können. Fernandes und Lucas Torro sind reine Zerstörer, es gibt kaum einen im Team, der das Spiel gestalten kann, der eine Idee hätte. Gacinovic ist zwar bemüht, aber seine Anspiele sind viel zu risikoreich. Entsprechend dünn waren Frankfurter Tormöglichkeiten gesät. Die Angreifer hingen viel zu sehr in der Luft, in den letzten 20 Minuten war es ein Spiel auf ein Tor – auf das der Frankfurter. Es war eine reine Abwehrschlacht ohne Happyend. „Wir waren stehend K.o.“, räumte Torwart Trapp ein.

Da verwunderte es schon, dass sich Trainer Hütter den Luxus erlaubte, einen Strategen und ballsicheren Spieler wie Makoto Hasebe nicht einmal für den 18-Mann-Kader nominiert zu haben. Er habe „keine drei Verteidiger aufbieten wollen“, sagte der Coach als Erklärung, wohl wissend, dass der Japaner durchaus auch im defensiven Mittelfeld auf der Sechs spielen kann. Man muss lange zurückdenken, wann Hasebe zuletzt nicht zum Kader zählte, obwohl er weder verletzt noch krank war. Zumal auf der Ersatzbank noch zwei reine Mittelstürmer saßen, Luka Jovic und Concalo Paciencia. Aber für Hasebe war kein Platz mehr.

Der Punkt hätte den Hessen auch deshalb gut getan, weil nach der Länderspielpause am kommenden Wochenende „zwei schöne Brocken“ (Hütter) warten, erst steht die Partie bei Borussia Dortmund an, dann kommt – nach dem Trip zu Olympique Marseille – RB Leipzig in den Stadtwald. Ein kleines Punktepolster wäre da hilfreich gewesen – doch Jetro Willems und vor allem Milot Rashica machten den Frankfurtern einen Strich durch die Rechnung.

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