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Eintracht Frankfurt: Interview mit Bruno Hübner (II): Bei Hradecky wird es schwer

Die Saison hat gut begonnen für die Eintracht, in der Familienwertung ist Bruno Hübner trotzdem Letzter. Zur Hübner-Tabelle macht der Sportdirektor in der zweiten Hälfte des Interviews mit unserem Redakteur Markus Katzenbach eine mutige Ansage, im Fall Hradecky ist er weniger zuversichtlich.
Familiengespräch: Eintracht-Sportdirektor Bruno Hübner (rechts) im Oktober 2015 mit Sohn Benjamin, damals noch in den Farben Ingolstadts. Bilder > Foto: imago sportfotodienst (imago sportfotodienst) Familiengespräch: Eintracht-Sportdirektor Bruno Hübner (rechts) im Oktober 2015 mit Sohn Benjamin, damals noch in den Farben Ingolstadts.
Frankfurt. 

In der Familienwertung ist alles eng beieinander: Ihre Söhne Benjamin und Florian stehen mit Hoffenheim und Hannover auf den Plätzen fünf und sechs, Sie mit der Eintracht direkt dahinter. Müssen Sie sich als Letzter in der Hübner-Tabelle zu Hause trotzdem auch mal einen Spruch anhören?

BRUNO HÜBNER: Nein, wir freuen uns einfach darüber, dass wir alle drei so gut dastehen. Das war vor der Saison höchstens für Hoffenheim zu erwarten. Bei den anderen beiden ist das schon eine Überraschung, und das wissen wir auch so einzuschätzen.

Bei der Leistungsdichte in der Bundesliga entscheiden Kleinigkeiten Spiele, und einzelne Szenen können große Wirkung entfalten. Könnte zum Beispiels Hallers spektakuläres Last-Minute-Tor gegen Stuttgart am Ende eine besondere Bedeutung für die ganze Saison haben?

HÜBNER: So ein Tor gibt immer Auftrieb. Es ist gerade in der Anfangsphase entscheidend, welchen Weg man einschlägt. Stehst du hinten drin und brauchst dringend Punkte oder bewegst du dich nach vorne? Mit jedem Punkt gibt es auch mehr Sicherheit und Selbstvertrauen. Von daher war das für uns ein ganz wichtiges Tor, und das doppelt und dreifach – weil wir vorher auch Spiele unglücklich verloren haben, wie gegen Wolfsburg. Da sieht man, dass man nie aufgeben darf und immer bis zum Ende an seine Chance glauben muss. Das ist das, was die Mannschaft im Moment auszeichnet. Dafür hat sie sich zuletzt drei Mal belohnt. Und dafür ist es auch wichtig, dass wir schon 18 Punkte haben.

Vier, fünf Neue stehen eigentlich immer in der Startelf. Wie sieht Ihre Zwischenbilanz in eigener Sache aus? Haben Sie auf dem Transfermarkt gut gearbeitet?

HÜBNER: Bislang sind wir zufrieden mit der Entwicklung. Aber wir wollen uns weiter verbessern und legen nicht den Fokus darauf, was wir vielleicht bis jetzt richtig gemacht haben. Wir haben noch zwei Drittel der Saison vor uns, da kann viel passieren. Schön, dass der Umbruch relativ schnell gegangen ist. Der Eindruck zumindest der Sportlichen Leitung ist, dass wir mehr Qualität in der Mannschaft haben. Sie ist gereift, wir haben gestandene Persönlichkeiten wie Boateng dazu geholt. Ich glaube, das sieht im Moment gut aus. Weiter will ich mich jetzt aber gar nicht aus dem Fenster lehnen.

Waren die vielen Verpflichtungen auch eine Reaktion auf den Abwärtstrend in der vergangenen Rückrunde, der nicht zuletzt damit zu tun hatte, dass immer wieder wichtige Spieler ausfielen?

HÜBNER: Ja, wir den Kader in der Breite stärker aufgestellt, damit uns das nicht wieder passiert. Mascarell und Fabian sind uns weggebrochen und fehlen immer noch. Wenn sie zurückkommen, kriegen wir noch mal Qualität dazu.

Es gab zwei große Umbrüche in Folge, auch notgedrungen. Geht das im nächsten Sommer so weiter oder bleibt das große Kommen und Gehen 2018 aus?

HÜBNER: Das kann man bei Eintracht Frankfurt nie ausschließen. Ziel sollte es schon sein, dass nicht wieder so ein großer Umbruch vollzogen wird, sondern dass man sich auf fünf, sechs Spieler konzentriert. Aber das ist natürlich eine Wunschvorstellung.

Gewechselt werden kann auch schon im Winter. Der Kader ist groß. Wird trotzdem über weitere Verstärkungen nachgedacht? Und wann wird darüber entschieden, ob vielleicht der eine oder andere aus der zweiten oder dritten Reihe verliehen oder verkauft wird?

HÜBNER: Wir machen uns tagtäglich darüber Gedanken. Aber wir werden wie schon in diesem Sommer nicht unnötig Spieler abgeben, das haben uns auch die Erfahrungen der letzten Rückrunde gelehrt. Da hat man gesehen, wie schnell die Personaldecke so dünn werden kann, dass man Probleme hat, den 18-Mann-Kader für die Spieltage zusammen zu bekommen. Das ist auch ein Prozess, in dem wir Woche für Woche genau abwägen: Kommen unsere Verletzten zurück? Wie stellt sich der Kader dar? Wir haben nach dem Winter-Trainingslager dann immer noch die Möglichkeit, in beide Richtungen zu agieren.

Keine Zeit zum Entspannen auf der Bank: In dieser Saison stehen Bruno Hübner und die ganze Eintracht stets bis zum Schluss unter Strom.
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Müssen Sie sich auch nach einem neuen Torwart umschauen? Der Vertrag von Lukas Hradecky läuft aus, das ist ja ein Dauerthema …

HÜBNER: Wir arbeiten immer so, dass wir nicht überrascht werden. Die Vertragsverhandlungen mit Lukas sind ja keine Sachen von Wochen oder Monaten, das zieht sich schon über Jahre hin. Wir waren frühzeitig an ihm dran und haben ihm in unserem Angebot seinen Stellenwert eingeräumt. Aber wir haben uns notgedrungen natürlich auch da schon auf dem Markt umgeschaut. Wenn es nicht funktioniert, dass er bei Eintracht Frankfurt bleibt, glauben wir, dass wir einen guten Torwart finden können. Mit Kevin Trapp und mit Lukas ist uns das in den letzten Jahren gelungen.

Spielt bei seiner Zukunftsfrage auch der sportliche Erfolg eine Rolle oder geht es am Ende vor allem ums Geld?

HÜBNER: In erster Linie geht es immer ums Geld. Wenn du international spielst, ist das schon ein Nebenaspekt, das Verhältnis ist dann vielleicht 80 zu 20. Lukas ist in einem Alter, in dem er schauen muss, dass er sein Geld verdient. Er hat in den Jahren zuvor sicher nicht so gut verdient. Da ist es nur legitim, dass er überlegt, wie es finanziell für ihn stimmt. Es kann uns helfen, wenn wir nach dem guten Start auch eine gute Rückrunde spielen könnten. Aber insgesamt fürchte ich, dass es schwer wird.

Die Fußball-Familie Hübner

Drei Mitglieder der Familie Hübner sind seit dieser Saison in der Bundesliga: Bruno Hübner ist Eintracht-Sportdirektor, sein mittlerer Sohn Benjamin (28) verteidigt bei 1899 Hoffenheim – und

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Haben Sie sich bei der Erfolgsserie der letzten Wochen an die Hinrunde der vergangenen Saison erinnert gefühlt?

HÜBNER: Vielleicht bei der Punktzahl, aber sonst nicht. Wir wackeln schon noch etwas mehr als damals. Wir wollen dominanter auftreten, die guten Phasen in unserem Spiel ausbauen. Das ist nicht nur bei uns so, das ist ein grundsätzliches Problem in der Bundesliga – auch, weil es so eng zugeht. Jeder versucht, am Anfang so viele Punkte wie möglich mitzunehmen, weil sonst der Druck von außen kommt und es noch schwerer wird. Man sieht an den Statistiken außerdem, wie sich der ganze Fußball verändert hat. Früher hieß es immer: Ballbesitz, Ballbesitz. Jetzt heißt es: Ballbesitz schießt keine Tore. Da muss man einen neuen Mix finden. In der letzten Hinrunde sind viele Gegner sehr offensiv hierher gekommen – bis sie gemerkt haben, wie schwer wir zu bespielen sind. Jetzt spielen viele Mannschaften defensiv gegen uns, da müssen wir uns umstellen. Insgesamt können wir schon unterscheiden zwischen der guten Vorrunde, die wir letztes Jahr gespielt haben, und dem, was wir bis jetzt erreicht haben. So zufrieden wie damals sind wir noch nicht. Aber die 29 Punkte waren auch außergewöhnlich gut, und dementsprechend waren auch die Spiele.

Die nächste Station ist Hoffenheim. Beim letzten Besuch im April hat Ihr Sohn Benjamin die TSG in letzter Sekunde zum Sieg geköpft. Haben Sie mit ihm über die Neuauflage gesprochen?

HÜBNER: Nein, noch nicht. Er schlägt sich mit einer Verletzung herum, und wenn wir sprechen, geht es eher darum, wie der Stand da ist. Es steht noch ein Fragezeichen dahinter, ob er gegen uns überhaupt spielen kann. Insgesamt muss ich sagen, dass Hoffenheim in der letzten Saison dominanter war als in dieser. Die Abgänge von Süle und Rudy zu den Bayern sind sicher schwer zu kompensieren. Sie haben auch viele Chancen, verpassen es aber, mal ein zweites oder drittes Tor nachzulegen. Dadurch haben sie nicht die Punktzahl, die ihr Spiel eigentlich hergibt.

Wie halten Sie denn den Kontakt zu Ihren Söhnen, zwischen Frankfurt, Hoffenheim und Hannover? Wie oft sprechen Sie sich – und geht es dabei auch um andere Themen als Fußball?

HÜBNER: Wir sprechen eigentlich täglich, oft über Facetime (Telefonate mit Videobild-Übertragung, Anmerkung der Redaktion) . Natürlich steht der Fußball im Vordergrund. Ich erkundige mich dann, wie das Training gelaufen ist, was die Fitness macht, wie es jetzt mit der Verletzung ist. Es gibt aber noch viele, viele andere Themen, über die wir uns ganz intensiv austauschen. Da wir alle drei Hunde haben, geht es oft auch darum, wie es denen geht. Wir pflegen insgesamt einen engen Kontakt in der Familie.

Das erste Hübner-Duell dieser Saison, gegen Florian in Hannover, ging zu Ihren Gunsten aus …

HÜBNER: Das wurde auch Zeit (lacht, Anmerkung der Redaktion) . Die Bilanz war immer negativ.

Ist jetzt Benjamin fällig?

HÜBNER: Da sah es bisher schlecht aus. Gegen ihn haben wir es noch nie geschafft zu gewinnen, ob er in Ingolstadt oder in Hoffenheim gespielt hat. Aber ja, jetzt ist die Zeit reif, jetzt ist er auch mal fällig (lacht, Anm. d. Red) .

Hier geht es zum ersten Teil des Interviews mit Bruno Hübner.

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