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Brasiliens verflixtes Viertelfinale: Neymar macht Mut

Rekord-Weltmeister gegen Überraschungsteam: Die Seleção will sich gegen Kolumbien endlich vom Erfolgsdruck befreien - und überzeugen. «Weniger Herz und mehr Fußball» verlangt Chefcoach Scolari. Genau damit hat sich sein Team aber bsher schwer getan.
Neymar will Brasilien ins Halbfinale führen. Foto: Peter Powell Neymar will Brasilien ins Halbfinale führen. Foto: Peter Powell
Teresópolis. 

Schluss mit dem Zitterspiel! Brasilien will gegen Kolumbien endlich beweisen, dass der Traum von der Hexacampeão mehr ist als ein Luftschloss.

Das dritte Viertelfinal-Aus nach Deutschland 2006 und Südafrika 2010 wäre ein böses Erwachen für den favorisierten, bisher jedoch selten überzeugenden WM-Gastgeber - und für das 200-Millionen-Volk hinter der Seleção. Stürmerstar Neymar geht voller Überzeugung und mit bemerkenswerter Lockerheit voran. «Wir sollten so spielen, wie man gegen einen Freund im Hinterhof kickt», sagte der 22-Jährige vor der Abreise nach Fortaleza. «Wir haben keinerlei emotionale Probleme. Es geht uns allen gut.»

Vor vier Jahren scheiterte Brasilien - noch unter Chefcoach Carlos Dunga - an den Niederlanden, vor acht Jahren unter Carlos Alberto Parreira an Frankreich. «Wir sprechen nicht über die Vergangenheit, wir leben in der Gegenwart, das sind wunderbare Momente für jeden von uns», betonte Mittelfeldspieler Fernandinho vor dem K.o.-Spiel am Freitag (22.00 Uhr MESZ/ARD). «Die nächste Begegnung ist die wichtigste in unserem Leben, und wir werden alles dafür tun, damit wir gewinnen.»

«Ich bin zu hundert Prozent davon überzeugt, dass wir die Weltmeisterschaft in Brasilien gewinnen», hatte Nationaltrainer Luiz Felipe Scolari vor dem Endrundenturnier gesagt. Auf dem Weg zum angestrebten Endspiel am 13. Juli im legendären Maracanã von Rio de Janeiro steht seiner Mannschaft aber nicht nur das Überraschungsteam aus Kolumbien im Weg, sondern bei einem Erfolg im südamerikanischen Duell dann im Halbfinale auch noch Deutschland oder Frankreich. «Wir wollen, dass am Ende alle Menschen lachen oder weinen vor Freude», erklärte Neymar.

«Ich habe das Spiel Deutschland gegen Algerien gesehen, das Algerien in der regulären Spielzeit hätte für sich entscheiden können. Wir müssen aufpassen und den Gegner respektieren. Wir werden das Spiel nicht gewinnen, weil wir Brasilien sind», warnte Chelsea-Profi Ramires vor dem Duell des Rekord-Weltmeisters gegen den Viertelfinal-Neuling.

Beim Elfmeterkrimi im Achtelfinale gegen Chile hatten die Brasilianer viel Nerven gelassen und waren nach ihren emotionalen Ausbrüchen heftig kritisiert worden. Bisher scheinen die Spieler der Seleção bis auf den vierfachen Torschützen Neymar und Torhüter Júlio Cesar dem Druck bei der Heim-WM nicht so richtig gewachsen. «Weniger Herz und mehr Fußball», das räumten Cheftrainer Luiz Felipe Scolari und der Technische Direktor Parreira ein, müsse die Mannschaft nun zeigen.

«Felipão» hatte die brasilianische Mannschaft 2002 zum Weltmeister gemacht, Parreira 1994. Das Vertrauen der Profis in das erfahrene Duo ist groß, aber Scolari ist nun auch als Taktiker gefordert. Zumal der Wolfsburger Luiz Gustavo im «Castelão» von Fortaleza wegen seiner Gelbsperre im defensiven Mittelfeld fehlt und wohl durch den zuletzt aus der Stammelf genommenen Paulinho ersetzt wird. Zu durchschaubar ist bislang das Spiel des Gastgebers, das ganz am Tropf von Neymar hängt. «Neymar ist unser Crack. Wenn wir ihn brauchen, dann ist er immer für uns da», erklärte Ramires.

Der vierfache Torschütze Neymar misst sich jetzt mit Kolumbiens neuem Star James Rodríguez (ebenfalls 22 Jahre/fünf Tore). «Kolumbien hat eine große Mannschaft, die bisher alle Spiele gewonnen hat», sagte Neymar. «James Rodríguez ist ein exzellenter Spieler, ein Crack, vor allem, weil er so jung ist. Ich hoffe, dass sein Zeitalter bei der WM jetzt zu Ende geht und die brasilianische Mannschaft weiterkommt.» Der Angreifer vom FC Barcelona, über den die ganze Fußball-Welt staunt, will keine Show versprechen: «Wir sind hier, um zu gewinnen. Wir sind nicht hier, um ein Spektakel zu zeigen und als Verlierer auszuscheiden.»

(Von Ulrike John, dpa)
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