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Gierig bis zuletzt

Von Die Bayern wollen die Triple-Vollendung, Heynckes einen gelungenen Abgang. Der VfB Stuttgart hat aber auch Pläne für das DFB-Pokalfinale.
Anschauen ist doch erlaubt: Jupp Heynckes wirft schon einmal einen Blick auf den DFB-Pokal.	Foto: dpa Anschauen ist doch erlaubt: Jupp Heynckes wirft schon einmal einen Blick auf den DFB-Pokal. Foto: dpa
Berlin. 

In Blickrichtung weit links der Protagonisten auf dem Podium glänzte golden der Pokal. Doch weder Jupp Heynckes und Philipp Lahm noch Bruno Labbadia und Serdar Tasci schienen den Pott eines Blickes auf der halbstündigen Pressekonferenz vor dem Pokalfinale zwischen dem FC Bayern München und dem VfB Stuttgart heute Abend (20 Uhr/ARD) im Berliner Olympiastadion zu würdigen. Als würden die beiden Trainer und die beiden Kapitäne denken: Wir sehen das gute Stück ja nach dem Spiel in unseren Händen. „Wir sind es der Situation geschuldet“, sagte Heynckes, „gierig auf den dritten Triumph zu sein.“ Natürlich ist auch der Außenseiter vom Ehrgeiz gepackt. „Wir wissen, dass wir gegen die absolute Weltklasse-Mannschaft dieses Jahres spielen“, räumte Labbadia ein. „Aber wir wissen auch, das an einem Tag immer etwas geht. Darauf setzen wir.“

Mit einem tristen Triple der negativen Art hatte der FC Bayern die Saison 2011/2012 beendet: Zweiter in der Bundesliga, acht Punkte hinter Borussia Dortmund. Die Blamage von Berlin, das 2:5 im Pokalfinale gegen den BVB. Die Tragik „dahoam“, von Didier Drogba „abgeschossen“ im Champions-League-Endspiel gegen den FC Chelsea (1:1/3:4 im Elfmeterschießen). Andere hätten nach so einer Minusserie resigniert. „Bei uns war es umgekehrt“, sagte Heynckes. „Stimulierend, motivierend“, habe das Drama „dahoam“ gewirkt.

 

Bayerische Kraft

 

„Große Kraft“ hätten er und die Mannschaft aus dieser Niederlage geschöpft, berichtete Heynckes. „Das Produkt intensiver und harter Arbeit mit einer professionell und zwischenmenschlich eingestellten Mannschaft, wie ich sie noch nie erlebt habe“: Derselbe FC Bayern mit demselben Trainer und der bis auf dem in Berlin fehlenden Dante, Martinez und Mandzukic nahezu identischen Stammformation will die Rekordsaison 2012/2013 natürlich mit einem historischen Triple abschließen: Deutscher Meister mit dem gigantischen 25-Punkte-Vorsprung vor Borussia Dortmund. Champions-League Sieger durch einen 2-1-Triumph über den Erzrivalen BVB. Die Krönung in London 2013 tilgte - nebenbei - auch die Schmach von Berlin 2012. Und zum Abschluss der DFB-Pokal?

Mal nicht die Dortmunder, sondern diesmal also die Stuttgarter wollen den Bayern vermasseln, „was noch keine deutsche Mannschaft geschafft hat“, wie Lahm anmerkte. Ein Schwabenstreich könnte das Triple-Begehren vermiesen, „Geschichte zu schreiben und uns zu verewigen“ (Thomas Müller). Einen emotionalen Saison-Ausklang hat Brasiliens Verband Dante und Luiz Gustavo mit einer Erpressung zwei Tage vor dem Finale versaut. Heim nach Rio zum Länderspiel gegen England, andernfalls keine WM-Teilnahme, lautete die Ordner.

 

Stuttgarter Vorfreude

 

Heynckes entrüstete sich: „Ich habe dafür überhaupt kein Verständnis. Für die beiden Jungs, die unseren Erfolg in dieser Saison mitgeprägt haben, ist das eine Bitternis, eine Riesenenttäuschung.“. Aber Heynckes hatte sich „starkgemacht“, dass Dante und Luiz Gustavo dennoch nach Hause fliegen. „Ich will nicht, dass sie bei der Weltmeisterschaft in ihrem Heimatland nicht dabei sind.“ Dante wird von Daniel van Buyten in der Londoner Startelf vertreten.

Es ist die besondere Konstellation, „um die uns viele andere Bundesligisten beneiden“, so VfB-Sportvorstand Fredi Bobic, und die die Knie der Stuttgarter nicht schlottern lässt, sondern ihre Herzen „mit riesiger Vorfreude (Tasci) erfüllt. Als Finalist hat der VfB nach einer durchwachsenen Saison, darunter eine 1:6-Klatsche in München und eine 0:2-Heimniederlage, die Qualifikation für die Europa League bereits sicher. Selten war die banale Floskel, „wir haben nichts zu verlieren“, so angebracht.

Bilderstrecke Bayern holt Champions League Titel
2:1 - Krönung in der Königsklassse: Der FC Bayern München gewann am Samstag nach einem spannenden Spiel das Champions League Finale gegen Borussia Dortmund im Londoner Wembley Stadion. Fotos: dpaEin knappes Spiel: Robbens Siegtor in der 89. Minute besiegelte das Match. Zuvor trafen Mandzukic in der 60. und Gündogan per Foul-Elfmeter in der 68. Minute.Fans vom FC Bayern München störten mit Pyro-Technik.

Der FC Bayern, mit dem Selbstbewusstsein des souveränen deutschen Meisters und des majestätischen europäischen Champions, ist nach drei Tagen Feiern seit Mittwoch wieder ganz fokussiert auf das letzte Hurra in der Hauptstadt, das Abschiedsspiel des 68-jährigen Jupp Heynckes. Er verspüre „keine Wehmut“, beteuert der mögliche Triple-Triumphator. „Aber ich möchte den Pokal gewinnen. Das habe ich noch nicht geschafft.“ Als Trainer. Auch wenn er, der schon so viel erlebte habe, deswegen „keine furchtbare Obsession“ besitze.

Ob er nach dem letzten Spiel als Chef des FC Bayern auch seine Trainer-Karriere beenden wird, ließ der Grand Seigneur unter den Fußballlehrern offen: „Wenn ich gut gelaunt bin, werde ich am Samstagabend dazu etwas sagen. Sonst nächste Woche.“

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